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<title>korrekturen.de | Sprachleben</title>
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<copyright>Copyright (c) 2013, Ruwen</copyright>
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<title>Jemanden in CC / BCC setzen – E-Mail-Kopien im Sprachgebrauch</title>
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<summary type="text/plain">Eine E-Mail kann an einen oder mehrere Empfänger, zeitgleich jedoch auch an einen oder mehrere weitere Empfänger (Nebenempfänger) in Kopie übermittelt werden. Zur Bezeichnung dieser Funktionen haben sich im Deutschen die Abkürzungen der englischen Begriffe carbon copy (CC) und blind ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

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<dc:subject>Sprach|geschehen</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="cc_bcc.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/cc_bcc.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Eine E-Mail kann an einen oder mehrere Empfänger, zeitgleich jedoch auch an einen oder mehrere weitere Empfänger (Nebenempfänger) <em>in Kopie</em> übermittelt werden. Zur Bezeichnung dieser Funktionen haben sich im Deutschen die Abkürzungen der englischen Begriffe <em>carbon copy</em> (CC) und blind <em>carbon copy</em> (BCC) durchgesetzt. Trotz der hohen praktischen Relevanz findet sich zur Schreibung und zum Sprachgebrauch dieser Abkürzungen wenig Verbindliches.</p>]]>
<![CDATA[<p>Möchte man einen physischen Brief an mehrere Empfänger (einzeln) versenden, kann man ihn zweimal schreiben oder zweimal ausdrucken – oder gleich während des Schreibens eine Kopie anfertigen, indem man ein nach unten abfärbendes Blatt Kohlepapier (auch Blaupapier oder Durchschlagpapier genannt) zwischen zwei Blätter Papier legt.</p>

<p>Heute wird diese Methode wohl nur noch von wenigen Zeitgenossen zur Erstellung von Briefkopien verwendet. Doch auch wenn dieses Kopierverfahren in der ursprünglichen Form nur noch bei Quittungs- und Vertragsformularen anzutreffen ist, lebt es in der deutschen Sprache in übertragener Bedeutung ungebremst weiter. Nämlich in Form von Abkürzungswörtern, die sich vom englischen Begriff <em>carbon copy</em> (Kohlepapierdurchschlag) ableiten: <em>CC</em> und <em>BCC</em>.</p>

<p>Diese Abkürzungswörter sind gebräuchliche Funktionsbezeichnungen beim Versand von E-Mails. Erfolgt der Versand öffentlich an einen oder mehrere Nebenempfänger, also für die oder den eigentlichen Empfänger sichtbar, findet der Begriff <em>CC</em> Verwendung. Erfolgt der Versand an einen oder mehrere Nebenempfänger nicht öffentlich, also für den oder die eigentlichen Empfänger unsichtbar, nutzt man den Begriff <em>BCC</em> (englisch <em>blind carbon copy</em>, deutsch <em>Blindkopie</em>).</p>

<p>Die Wörter <em>CC</em> und <em>BCC</em> sind Akronyme: aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildete Abkürzungen. Akronyme werden in der Regel in Großbuchstaben geschrieben. Bei wachsender Verbreitung von derartigen Wortneubildungen ist auch die Kleinschreibung der auf den Anfangsbuchstaben folgenden Buchstaben üblich (wie etwa bei <em>Lkw</em> neben <em>LKW</em>). Diese Schreibung scheint bei <em>CC</em> (Cc) und <em>BCC</em> (Bcc) teilweise Verbreitung gefunden zu haben (etwa im nicht vornehmlich wegen linguistischer Qualitäten beliebten Softwarepaket Office aus dem Hause Microsoft). Die Schreibung in Großbuchstaben dürfte aber die schönere, stimmigere Variante sein; vielleicht schon deshalb, weil das Akronym <em>CC</em> aus nur zwei (gleichen) Buchstaben besteht.</p>

<h4>Jemanden in Kopie setzen</h4>

<p>Im Englischen hat sich unter anderem die Wendung „to cc somebody“ etabliert. Im Deutschen gibt es einen vergleichbaren Gebrauch nicht, hier haben sich die folgenden idiomatischen Wendungen (mit <em>CC</em> und <em>BCC</em> als Substantiven) durchgesetzt:</p>

<p><em>Jemanden in CC setzen. / Ich habe dich in CC gesetzt.</p>

<p>Jemanden in BCC setzen. / Ich habe dich in BCC gesetzt.</em></p>

<p>Diese weit verbreite Verwendung dürfte verschiedene Ursprünge haben:</p>

<p>(a) Neben <em>als Kopie</em> sagt und schreibt man auch <em>in Kopie</em>. Diese Wendung dürfte somit auch bei der Entstehung der (vermutlich ebenfalls jungen und bei E-Mails üblichen) Formel „jemanden in Kopie setzen“ mitursächlich gewesen sein. Wer in Kopie gesetzt wird, ist also jemand, der eine E-Mail in (als) Kopie erhält.</p>

<p>(b) In E-Mail-Programmen stehen in der Regel Zeilen bzw. Felder zur Verfügung, <strong>in</strong> die man die E-Mail-Adressen der Empfänger und Kopieempfänger einfügt bzw. setzt (im Sinne von <em>irgendwohin schreiben</em>).</p>

<p>(c) Und nicht zuletzt setzt man durch eine Kopie oder eine Blindkopie neben dem Empfänger mindestens eine weitere Person „in Kenntnis“.</p>

<h4>Jemanden auf CC / BCC setzen</h4>

<p>Neben der Form „in CC / BCC setzen“ hat sich noch eine andere, ebenfalls idiomatische Verwendung von <em>CC</em> und <em>BCC</em> etabliert:</p>

<p><em>Jemanden auf CC setzen. / Ich habe dich auf CC gesetzt.</p>

<p>Jemanden auf BCC setzen. / Ich habe dich auf BCC gesetzt.</em></p>

<p>Wie etwa eine Google-Recherche zeigt, ist dieser Gebrauch nicht selten, wenn auch viel seltener als „in CC / BCC setzen“. Zurückzuführen ist „auf CC / BCC“ wohl auf den Umstand, dass man den Empfänger einer Kopie „auf eine Liste setzt“. Gerade im geschäftlichen E-Mail-Verkehr ist es üblich, Nebenempfänger (z. B. Vorgesetzte, die Aufgaben delegiert haben) zu definieren. Man listet diese sozusagen virtuell auf, da der Inhalt einer eigentlich an einen anderen Empfänger gerichteten E-Mail für diese ebenfalls relevant ist. Die Nebenempfänger werden dann „auf die CC-Liste gesetzt“. Ein Bezug zu anderen üblichen Wendungen mit <em>auf</em> (z. B. „auf dem Laufenden halten“) lässt sich zumindest auf den ersten Blick nicht herstellen.</p>

<p>Sowohl die Variante mit <em>in</em>, als auch die Variante mit <em>auf</em> werden mit <em>setzen</em> gebildet. Hierbei handelt es sich um ein Verb, das viele Bedeutungsvarianten hat. „Das große Wörterbuch der deutschen Sprache“ listet sieben Haupt-, mit Untervarianten sogar zwanzig Bedeutungsvarianten auf. Es fällt auf, dass sich <em>setzen</em> schon in vielen der üblichen Wendungen mit den Präpositionen <em>in</em> und <em>auf</em> verbinden.</p>

<p>Jemand, dem man eine E-Mail als Kopie gesendet hat, war / stand „in CC / BCC“ oder „auf CC / BCC“.</p>

<p>Neben dem Gebrauch im Satz lassen sich aus den Wörtern <em>CC</em> und <em>BCC</em> auch Komposita bilden, von denen einige bereits häufig vorkommen:</p>

<p><em>CC-Zeile / BCC-Zeile</em> (in der E-Mail-Software)</p>

<p><em>CC-Empfänger / BCC-Empfänger</em></p>

<p>Im Duden (z. B. im Rechtschreibduden, 25. Auflage) findet sich nur das Lemma <em>cc</em>. In Kleinschreibung, aber als Abkürzung (nur) des zugrunde liegenden englischen Begriffes gekennzeichnet. Wenig verständlich, weshalb dieser ins Deutsche übernommene Begriff noch kein „deutsches“ Lemma sein Eigen nennt – hier schweigt der Duden. Dass man in den Zusätzen zum Rechtschreibduden, somit nicht ganz offiziell, unter „Gestaltung von geschäftlichen E-Mails“ die Substantivbildungen <em>cc-Zeile</em> und <em>bcc-Zeile</em> findet, verwundert dagegen. Eine substantivische Neubildung mit der ursprünglichen Schreibung der Abkürzung des Zitatworts (Substantiv) zu vermischen, erscheint unschlüssig. „Das Wörterbuch der Abkürzungen“ von Duden listet in der Bedeutung Kopie bzw. Blindkopie <em>cc</em> neben <em>CC</em>, aber nur <em>BCC</em>. </p>

<p>Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen Sie ihn doch per E-Mail Freunden und Bekannten – gerne können Sie dabei auch die CC- oder BCC-Funktion Ihrer E-Mail-Software bemühen.<br />
</p>]]>
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<title>Plural-Akronyme und der Plural: AGB oder AGBs? FAQ oder FAQs?</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/plural-akronyme_agb_oder_agbs_faq_oder_faqs.shtml" />
<modified>2012-02-14T21:50:43Z</modified>
<issued>2012-02-09T11:44:21Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2012:/sprachleben//9.2220</id>
<created>2012-02-09T11:44:21Z</created>
<summary type="text/plain">Bei dieser Frage besteht Uneinigkeit: Schreibt man AGB oder AGBs? FAQ oder FAQs? Hilfesuchende und Hilfsbedürftige findet man reichlich – doch vermeintliche Antworten sind meist nur halb durchdacht oder unvollständig. Die Deklination dieser im doppelten Sinne besonderen Vertreter der Abkürzungen ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|regeln</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="plural-akronyme.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/plural-akronyme.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Bei dieser Frage besteht Uneinigkeit: Schreibt man AGB oder AGBs? FAQ oder FAQs? Hilfesuchende und Hilfsbedürftige findet man reichlich – doch vermeintliche Antworten sind meist nur halb durchdacht oder unvollständig. Die Deklination dieser im doppelten Sinne besonderen Vertreter der Abkürzungen hat durchaus ihre Tücken. Hier der Versuch, es auf den Punkt zu bringen.</p>]]>
<![CDATA[<p>Akronyme sind Abkürzungen, die aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet werden. Das können zusammengesetzte Wörter (<em>Atomkraftwerk = AKW</em>) oder Wortgruppen (<em>elektronische Datenverarbeitung = EDV</em>) sein. Auf weitere Besonderheiten wird im Rahmen dieses Beitrags nicht eingegangen.</p>

<p>In der Regel wird der Plural dieser (meist) in Großbuchstaben geschriebenen Wortneubildungen mit einem (fakultativen) Plural-s markiert; die grammatischen Eigenschaften solcher Wörter sind unabhängig von denen des zugrunde liegenden Ausdrucks. Falsch ist somit die Verwendung einer auf das Grundwort zurückgehenden abweichenden Endung (<em>AKWe</em>) oder gar eines Apostrophs (<em>AKW’s</em>).</p>

<p>Verbreiten sich derartige Wörter, wird zugunsten der Lesbarkeit oft auch die Kleinschreibung üblich – meist neben der normalen Akronymgroßschreibung. Beispiel: <em>LKW / Lkw</em>.</p>

<p>Wörter wie <em>LKW</em> oder <em>AKW</em> findet man im Duden. Auch das Wort <em>FAQ</em> findet sich, das Wort <em>AGB</em> dagegen nicht. Hier wird dann tendenziell das Plural-s als fakultativ (<em>AKW</em>) oder sogar selten (<em>LKW / Lkw</em>) verzeichnet. Ähnliches gilt für das Genitiv-s. Beim <em>Ufo / UFO</em> wiederum verlangt der Duden zwingend nach einem Plural-s. Der Wahrig sieht es teilweise dann doch etwas anders (so etwa bei der Pluralendung von <em>LKW</em>: nur <em>Lkws / LKWs</em>), kennt <em>AGB</em> allerdings ebenfalls nicht. Das befriedigt insgesamt wenig und man wünscht sich etwas, an das man sich halten kann. Grundsätzlich gilt: Wenn man ein Plural- oder Genitiv-s setzt, macht man in der Regel nichts falsch. Doch keine Regel, wo keine Ausnahme ist.</p>

<p><strong>Abkürzungen im Plural (Plural-Akronyme):</strong> Wenn man es mit Akronymen zu tun hat, die auf eine Wortgruppe oder eine Wortzusammensetzung zurückgehen, die ihrerseits bereits im Plural steht, dann sieht es anders aus. Beim Wort <em>LKW</em> ist die Besonderheit, dass das zugrunde liegende zusammengesetzte Wort im Singular und im Plural gleich lautet. <em>AGB</em> und <em>FAQ</em> dagegen gibt es im Singular schlicht nicht. Es ist deshalb zu kurz gegriffen, wenn man derartige Plural-Akronyme bezüglich ihrer grammatischen Eigenschaften als normale Akronyme betrachtet. Genauso, wie es nicht befriedigt, wenn man sich bei mittlerweile verbreiteten Wörtern jeweils nur auf die Gepflogenheiten einer Fachsprache beruft.</p>

<p><strong>Im Singular ergibt das Plural-s keinen Sinn:</strong> Wenn ein Unternehmen <em>AGB</em> hat oder eine Website <em>FAQ</em> zur Verfügung stellt, dann steht auch kein Plural-s. Für dieses gibt es keinen Grund. Zwar handelt es sich tatsächlich um eine Wortneubildung, deren grammatikalische Eigenschaften man nicht auf die des Grundworts zurückführen kann – allerdings gibt es eben schlicht keine <em>AGB</em> oder <em>FAQ</em> in der Einzahl und es ist der Sprache nicht fremd, dass Substantive nur im Plural existieren: Ferien, Kosten, Leute, Röteln (derartige Wörter nennt man <em>Pluraliatantum</em>; Mehrzahl auch: <em>Pluraletantums</em>, Einzahl: <em>Pluraletantum</em>). Sinnvoll ist bei derartigen Akronymen nur die Schreibung ohne Plural-s. Man kann Plural-Akronyme, wenn man möchte und Spaß an wohlklingenden Komposita hat, auch als „Pluraletantumakronyme“ bezeichnen; ihre grammatischen Eigenschaften sind allerdings nicht vergleichbar, wie in der Folge deutlich wird. Zu einem Plural-s bei den nur im Plural möglichen Akronymen <em>AGB</em> und <em>FAQ</em> neigt man vielleicht auch deshalb, weil es sich um Feminina handelt – der bestimmte Artikel <em>die</em> steht hier aber gerade nicht für die Mehrzahl einer zugrunde liegenden Singularform des Akronyms (die existiert nicht), sondern bereits für die Abkürzung im obligatorischen Plural. Auch aus phonetischen Gesichtspunkten ergibt sich hier nichts anderes.</p>

<p><strong>Der doppelte Plural:</strong> Allerdings sieht es im Plural anders aus – nämlich im „doppelten“ Plural. Wenn mehrere Unternehmen <em>AGBs</em> haben, kann man diese miteinander vergleichen. Dann spricht man eben von mehreren <em>AGBs</em> verschiedener Unternehmen oder den <em>FAQs</em> auf verschiedenen Websites. Herkömmliche Pluraliatantum können keinen Plural bilden – aber wenn in der Sprache eine Wortneubildung zur Verfügung steht, die sowohl im Singular, als auch im Plural stehen kann, dann gibt es aus sprachlicher Sicht prinzipiell keinen Grund, das Plural-s nicht zu verwenden (auch, wenn der zugrunde liegende Begriff selbst gar keinen Plural bilden kann). Es handelt sich also um Abkürzungen im Plural, die die Fähigkeit genießen, zusätzlich einen Plural im doppelten Sinne zu bezeichnen. Eine Möglichkeit mehr, das Gemeinte grammatisch zu markieren.</p>

<p><strong>Verwirrend:</strong> Der Duden etwa verordnet den <em>FAQ</em> ein nicht fakultatives Plural-s. Fraglich ist hier, welcher Plural gemeint ist – die herkömmliche Benennung der Genitiv- und Pluralendung in Wörterbüchern reicht nicht aus, um eine eindeutige Verwendung bei besonderen Wortformen wie Plural-Akronymen zu kennzeichnen. Die Grundform lautet auch im Duden <em>FAQ</em>. Da <em>FAQ</em> aber immer einen Plural bezeichnen, darf man die im Duden verzeichnete Form <em>FAQs</em> also so verstehen: Nahezu jedes Internetportal sollte seinen Nutzern hilfreiche <em>FAQs</em> zur Verfügung stellen. Nicht: Die <em>FAQs</em> dieser Website waren mehr als dürftig. Eine Frage aus den <em>FAQ</em> einer Website ist ihrerseits keine <em>FAQ</em>, eine Geschäftsbedingung aus <em>AGB</em> keine <em>AGB</em>. </p>

<p><strong>Zwingend ist das aber nicht:</strong> Man kann, so die Tendenz, allerdings auch auf das Plural-s verzichten, wenn <em>AGBs</em> oder <em>FAQs</em> im „doppelten Plural“ verwendet werden. Das hat sich im Sprachgebrauch für den (einfachen) Plural von Singular-Akronymen verbreitet – und es spricht nichts dafür, Plural-Akronyme hier grundsätzlich anders zu behandeln. Auch bei normalen Akronymen kennzeichnet man den Plural bereits durch den Artikel oder den Satzzusammenhang in vielen Fällen ausreichend. Ein Grund, weshalb man auf das Plural-s bei Akronymen oft verzichtet: <em>der LKW, die LKW</em>. Ausnahme: Deckt sich der Plural und der Singular des bestimmten Artikels <em>die</em> (also bei Feminina), dann setzt man das Plural-s in der Regel auch bei Akronymen, um Verwechslungen zu vermeiden (<em>die AG / die AGs</em>). Da das für die hier behandelten Plural-Akronyme (<em>die AGB, die FAQ</em>) ebenfalls gilt, kann man hierin allerdings eine weitere Legitimation für ein Plural-s sehen:</p>

<p><em>Die anwesenden Gesellschafter überarbeiten ihre AGB</em> (die gemeinsamen AGB).<br />
<em>Die anwesenden Gesellschafter überarbeiten ihre AGBs</em> (die AGBs ihrer unterschiedlichen Unternehmen).</p>

<p>Am Rande: Das „Große Wörterbuch der deutschen Sprache“ aus dem Dudenverlag wurde in der aktuellen 4. Auflage (nur elektronisch erschienen) um das Lemma „AGBs“ ergänzt und bewertet diese Schreibung nüchtern als umgangssprachliche Variante von „AGB“. Eine wenig dienliche Manifestierung einer Falschschreibung.</p>

<p><strong>Und dann wäre da noch die Fachsprache:</strong> In der Fachsprache, etwa in der Juristerei, ist dagegen die endungslose Verwendung von Akronymen üblich: die <em>AGB</em> der Unternehmen. Das gilt auch für das Genitiv-s. Abkürzungen gelten hier als unveränderliche Begriffe. Rückschlüsse für den allgemeinen Sprachgebrauch sollte man hieraus allerdings nicht ohne Weiteres ziehen. Bei <em>AGB</em> handelt es sich etwa um ein Wort, das bereits seit langem Einzug in die normale Sprache gehalten hat. Hier müssen sich ursprünglich in einer Fachsprache entstandene Wörter den herkömmlichen grammatischen Regeln stellen.<br />
	<br />
<strong>Für das Genitiv-s gilt:</strong> Tendenziell, wenn man den Sprachgebrauch betrachtet oder Wörterbücher aufschlägt, bilden Akronyme eher kein Genitiv-s. Man kann, muss es aber nicht setzen und die Wörterbücher tendieren dazu, es wegzulassen. Satzzusammenhang oder Artikel weisen in der Regel schon deutlich auf den gemeinten Kasus hin. Anderes gilt auch nicht für Pluraliatantum, die als Pluralwörter keine Genitivendung kennen (<em>wegen der Leute</em>) und damit bereits in der Grundform bei der Genitivendung dem Plural normaler Substantive entsprechen, die ebenfalls keine Genitivmarkierung erhalten (<em>wegen der Bälle</em>). Auch in den Fachsprachen ist das Genitiv-s tendenziell nicht zu finden (<em>die Paragrafen des BGB</em>). Aufgrund der unabhängigen grammatischen Eigenschaften von Akronymen findet sich im normalen Sprachgebrauch jedoch kein Grund für eine generelle Regel, die eine Genitiv-Endung ausschließt. Weder für Akronyme, die einen Singular kennen, noch für solche, die nur in einer Plural-Grundform existieren. Es erscheint insgesamt wenig überzeugend, Einzelregelungen zu erschaffen (wenn diese nicht durch den Sprachgebrauch oder in der Fachsprache gefestigt wurden). Der Duden spendiert dem <em>UFO / Ufo</em> und dem <em>LKW</em> (und den meisten anderen Akronymen) ein fakultatives Genitiv-s, etwa dem <em>GAU</em> (größter anzunehmender Unfall) weist er es jedoch zwingend zu. Für <em>FAQ</em> schließt er es ganz aus. Überzeugender erscheint: Man kann auch „wegen der AGBs“ oder „wegen der FAQs“ schreiben – kann aber auch getrost darauf verzichten (<em>wegen des GAU verloren viele Menschen ihr Zuhause</em>). Meist dürfte man hiermit auch die elegantere Variante gewählt haben, da regelmäßig der Genitiv durch Artikel und Satzzusammenhang bereits deutlich markiert wird und Akronyme mithin Verkürzungen sind und in dieser Eigenschaft sinnvollerweise nicht uneingeschränkt herkömmlichen grammatischen Regeln folgen müssen. Bei Plural-Akronymen spricht zusätzlich deren bereits aufgezeigte Verwandtschaft mit echten Pluraliatantum und herkömmlichen Substantiven im Plural (beide ohne Genitivmarkierung) dafür, auf ein Genitiv-s zu verzichten. Auch feminine Substantive im Singular erhalten keine abweichende Genitivendung (<em>wegen der Bedingung; wegen der Frage</em>).</p>

<p>Wie man sieht, ist die Sache also tatsächlich nicht eindeutig. Ob <em>AGBs</em> oder <em>AGB</em>, ist keine einschichtige Frage, die Dumm und Schlau auf den ersten Blick voneinander scheidet. Sondern eine Frage der jeweiligen Verwendung, allgemeiner grammatischer Grundsätze und des Sprachgebrauchs. Solange man den Apostroph nicht in Betracht zieht (das weist einen in den meisten Fällen gerade nicht als Sprachkenner aus), macht man nichts falsch, wenn man ein Plural-s auch bei Plural-Akronymen setzt. Aber bitte nur, wenn das Plural-Akronym mehrere seiner Gattung bezeichnen soll.<br />
</p>]]>
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<title>Sich totzulachen muss nicht tödlich sein</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/sich_totzulachen_muss_nicht_toedlich_sein.shtml" />
<modified>2011-08-21T00:03:40Z</modified>
<issued>2011-08-20T12:15:34Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2011:/sprachleben//9.2199</id>
<created>2011-08-20T12:15:34Z</created>
<summary type="text/plain">Man ist todmüde, aber hat sich totgeärgert; man hat Todfeinde, aber beherrscht die Totschweigetaktik. Die Frage, wann man Komposita mit dem substantivischen Erstglied Tod und wann mit dem adjektivischen Erstglied tot bildet, muss nicht zum Totärgern sein. ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

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<dc:subject>Sprach|regeln</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="tot_und_tod.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/tot_und_tod.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Man ist todmüde, aber hat sich totgeärgert; man hat Todfeinde, aber beherrscht die Totschweigetaktik. Die Frage, wann man Komposita mit dem substantivischen Erstglied <em>Tod</em> und wann mit dem adjektivischen Erstglied <em>tot</em> bildet, muss nicht zum Totärgern sein.</p>]]>
<![CDATA[<p>Das Adjektiv <em>tot</em>, sprachgeschichtlich zurückgehend auf ein Verb bzw. eine Partizipbildung, wird mit <em>t</em> geschrieben. Das Verb <em>töten</em> und das Substantiv <em>Tote</em> leiten sich von <em>tot</em> ab.</p>

<p>Das Substantiv <em>Tod</em> leitet sich vom Adjektiv <em>tot</em> ab, wird aber mit <em>d</em> geschrieben. Eine Ableitung von <em>Tod</em> ist das Adjektiv <em>tödlich</em>.</p>

<p>In Komposita (zusammengesetzten Wörtern) kann nun das Erstglied entweder vom Adjektiv <em>tot</em> oder vom Substantiv <em>Tod</em> stammen. Dabei kann man folgende Gruppen mit ihren Besonderheiten unterscheiden:</p>

<p><strong>Substantivkomposita mit dem Erstglied <em>Tod</em></strong><br />
Substantivische Komposita werden dann mit dem Erstglied <em>Tod</em> gebildet, wenn das Kompositum insgesamt verstärkt werden soll und/oder kein unmittelbarer Bezug zu <em>tot</em> besteht.</p>

<ul><li><em>Todfeind, Todsünde, Todkranker, Todgeweihte, Todbett</em></li></ul>

<p><strong>Substantivkomposita mit dem Erstglied <em>tot</em></strong><br />
Ist in Substantivkomposita ein starker Bezug zum Adjektiv <em>tot</em>  gegeben, dann bilden sie sich mit dem adjektivischen Erstglied <em>tot</em>.</p>

<ul><li><em>Totschlag, Totgeburt, Totgeglaubter, Totgesagter, Totschläger</em></li></ul>

<p>Auch wenn kein unmittelbarer Bezug vorliegt, können Substantivkomposita mit dem Erstglied <em>tot</em> gebildet werden.</p>

<ul><li><em>Totschweigetaktik</em> (von <em>totschweigen</em> abgeleitet, siehe unten), <em>Totpunkt</em> (technischer Begriff, <em>tot</em> im Sinne von <em>stillstehend</em>), <em>Totgewicht</em> / <em>Totlast</em> (technische Begriffe, <em>tot</em> im Sinne von <em>Eigengewicht ohne Zuladung</em>),  <em>Totschlagargument</em> (von <em>totschlagen</em> abgeleitet, siehe unten; hier insgesamt im übertragenen Sinne), <em>Totreife</em> (bestimmter Reifegrad von Getreide, <em>tot</em> im Sinne von <em>zu reif</em>)</li></ul>

<p><strong>Adjektivkomposita mit dem Erstglied <em>Tod</em></strong><br />
Adjektivische Komposita werden mit dem Erstglied <em>Tod</em> gebildet, das auch hier wieder eine verstärkende Wirkung hat. Viele dieser Wortbildungen sind eher umgangssprachlich.</p>

<ul><li><em>todunglücklich, todmüde, todbereit, todblass, todbleich, todelend, todernst, todkrank, todschick, todsicher, todstill, todtraurig, totbang, todelend, todfeind</em> (von <em>Todfeind</em> in der Wendung <em>jemandem todfeind sein</em>), <em>todwund, todmatt</em></li></ul>

<p>Auch wenn eine Verkürzung einer Wortgruppe mit dem ursprünglichen Bestandteil <em>Tod</em> vorliegt, verschmilzt diese zu einem Adjektivkompositum mit dem Erstglied <em>Tod</em>.</p>

<ul><li><em>todbringend</em> (<em>den Tod bringend</em>), <em>todgeweiht</em> (<em>dem Tod geweiht</em>)</li></ul>

<p><strong>Verbalkomposita mit dem Erstglied <em>tot</em></strong><br />
Verbalkomposita werden mit dem Erstglied <em>tot</em> gebildet, wenn ein direkter Bezug zum Adjektiv <em>tot</em> vorliegt.</p>

<ul><li><em>totmachen, totschießen, totspritzen, totstechen, tottrampeln, totstürzen, tottreten, (sich) tottrinken / totsaufen, totbeißen, totsagen, totschlagen</em></li></ul>

<p>Verben werden auch dann mit diesem Erstglied gebildet, wenn es sich nur im übertragenen Sinne auf <em>tot</em> bezieht. Häufig sind derartige Komposita umgangssprachliche bzw. emotionale Bildungen. Das Glied <em>tot</em> kann dabei entweder nur ein anderes Wort ersetzen (z. B. <em>sehr</em>) oder es ergibt sich ein Verb mit völlig neuer Gesamtbedeutung.</p>

<ul><li><em>totschweigen, totärgern, totarbeiten, totkriegen, totlachen, totlaufen, totweinen, totmalochen, totreden, totreiten</em></li></ul>

<p><strong>Abgeleitete Erstglieder</strong><br />
Bei angepasster Endung ergibt sich von selbst, ob der Teil eines Kompositums von <em>Tod</em> oder <em>tot</em> stammt.</p>

<ul><li><em>todesmutig, Totenkopf, Tötungsabsicht, Todesanzeige, totenblass</em> (aber: <em>todblass</em>)</li></ul>

<p>Aufgrund der unterschiedlichen Schreibung der auf das gleiche Wort zurückgehenden Begriffe <em>Tod</em> und <em>tot</em> können Ausdrücke mit zwei unterschiedlichen Bedeutungen nebeneinanderstehen: <em>die Tode / die Tote, des Todes / etwas Totes</em>. Außerdem können die Glieder <em>Tod</em> und <em>tot</em> auch in anderen Positionen als der Erststellung vorkommen; dann haben sie meist wörtliche Bedeutung und lassen sich leicht ableiten: <em>mausetot</em> (<em>ganz und gar tot</em>), <em>Freitod</em> (<em>freiwilliger Tod</em>), <em>Scheintote</em> / <em>scheintot</em> (<em>nur scheinbar tot</em> oder im übertragenen Sinne für <em>sehr alt</em>). Der Begriff <em>halb tot</em> (<em>beinahe tot</em>) kann auch zusammengeschrieben werden: <em>halbtot</em>.<br />
</p>]]>
</content>
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<title>Komma nach „hoffe“ und „denke“ vor Infinitivgruppen</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/zeichensetzung/komma_nach_hoffe_und_denke_vor_infinitivgruppen.shtml" />
<modified>2011-08-01T19:48:17Z</modified>
<issued>2011-07-28T19:14:14Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2011:/sprachleben//9.2198</id>
<created>2011-07-28T19:14:14Z</created>
<summary type="text/plain">Folgt einem umgangssprachlich verkürzten übergeordneten Satz ein nicht eingeleiteter Nebensatz, muss ein Komma gesetzt werden. Wenn stattdessen jedoch eine Infinitivgruppe anschließt, ist das Komma in vielen Fällen nur fakultativ. Zur Gliederung oder zur Verdeutlichung der Satzaussage kann ein Komma in ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|zeichen</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="en-us" xml:base="http://www.korrekturen.de/sprachleben/">
<![CDATA[<p><img title="" alt="komma_nach_hoffe_denke_finde_infinitivgruppen.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/komma_nach_hoffe_denke_finde_infinitivgruppen.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Folgt einem umgangssprachlich verkürzten übergeordneten Satz ein nicht eingeleiteter Nebensatz, muss ein Komma gesetzt werden. Wenn stattdessen jedoch eine Infinitivgruppe anschließt, ist das Komma in vielen Fällen nur fakultativ. Zur Gliederung oder zur Verdeutlichung der Satzaussage kann ein Komma in solchen Fällen geboten sein – oder sollte gerade nicht gesetzt werden.</p>]]>
<![CDATA[<p>Zur Kommasetzung nach umgangssprachlich verkürzten Sätzen und vor (uneingeleiteten) Nebensätzen wie „Hoffe, dir geht’s gut“:</p>

<p><a href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/zeichensetzung/komma_nach_hoffe_und_denke.shtml">Komma nach „hoffe“ und „denke“ vor Nebensätzen</a></p>

<p>Nicht zu verwechseln sind derartige Satzgefüge aus Haupt- und Nebensatz mit Konstellationen, bei denen das Verb (stellvertretend für den vollständigen Hauptsatz) mit einer Infinitivgruppe auftritt:</p>

<p><em>Denke[,] heute abzufahren.<br />
Ich denke[,] morgen abzufahren.</em></p>

<p>Hier steht „denke“ im Sinne von „beabsichtigen, gedenken“ und man kann fakultativ ein Komma setzen. Die Vollwertigkeit des nur aus einem Prädikat bestehenden übergeordneten Satzes ist hier meist weniger deutlich als bei den anfangs genannten Konstruktionen mit einem nicht eingeleiteten Nebensatz, der durch Umstellung einfach gegen einen eingeleiteten Nebensatz ausgetauscht werden könnte.</p>

<p>Geboten kann das Komma zur Gliederung besonders dann sein, wenn der Satz andernfalls missverständlich wäre oder der Lesefluss behindert wird:<br />
<em><br />
Hoffe wirklich, überzeugt zu haben.<br />
Hoffe, wirklich überzeugt zu haben.</em><br />
Funktion: Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Aussagen „wirklich hoffen“ oder „wirklich überzeugt zu haben“. </p>

<p><em>Denke, dir wird es gut ergehen.</em><br />
Funktion: Das Komma signalisiert die Pause vor „dir“, die im Lesefluss ansonsten unter Umständen nicht direkt zu erkennen wäre.</p>

<p>Hängt die Infinitivgruppe von einem Verweiswort ab, dann muss ein Komma gesetzt werden:</p>

<p><em>Denke daran, am nächsten Sonntag zu scheitern.</em><br />
Meint: <em>Ich denke daran, dass ich am nächsten Sonntag scheitern werde.</em></p>

<p>Folgt dem übergeordneten Satz ein einfacher Infinitiv mit <em>zu</em> (also ohne weitere Bestandteile), könnte man das Komma auch weglassen. Im angeführten Fall oder vergleichbaren Fällen ist das Komma aber schon deshalb zu setzen, weil die Satzaussage nicht eindeutig ist. Die Schreibung ohne Komma („Denke daran zu scheitern.“) sollte man vermeiden, da hier auch Folgendes gemeint sein könnte:</p>

<p><em>Denke, daran zu scheitern.</em><br />
Meint: <em>Ich denke, dass ich daran scheitern werde.</em></p>

<p>Zwingend ist das Komma in solchen Sätzen in den meisten Fällen jedoch nicht; insoweit gelten die allgemeinen Regeln für die Kommasetzung bei Infinitivgruppen. Als Anhaltspunkt für die Kommasetzung können jeweils die Satzaussage und der Textzusammenhang mit Blick auf die Verständlichkeit des Satzes dienen.</p>

<p><em>Hoffe[,] morgen zu gewinnen.<br />
Hoffe[,] diese Sache aufzuklären.<br />
Meine[,] zu gefallen.<br />
Meinte[,] zu stören.</em></p>

<p>Wenn die Infinitivgruppe eng mit dem anderen Teilsatz verknüpft ist, besonders wenn sie ohne weitere Ergänzungen steht, kann meist unproblematisch auf das Komma verzichtet werden. In den hier genannten Beispielen gilt das verstärkt, da der übergeordnete Teilsatz umgangssprachlich verkürzt ist, was eine enge Verbundenheit mit der Infinitivgruppe zusätzlich nahelegen kann. Daneben wird man bei einem Satz mit insgesamt umgangssprachlichem Charakter die Messlatte bei den Feinheiten der Kommasetzung weniger hoch ansetzen.</p>

<p>Wird mit dem übergeordneten Satz jedoch eine vollwertige Aussage verbunden, dann sollte auch hier ein Komma gesetzt werden. In der Regel weist schon die gedachte Länge der Pause zwischen dem übergeordneten Satz und der Infinitivgruppe darauf hin, wie der Satz verstanden werden soll. Entscheidend ist letztlich die Vollwertigkeit des Prädikats (das als übergeordneter Satz steht). Tritt es in den Hintergrund und hat eher einen die Infinitivgruppe modifizierenden Charakter (ähnlich dem Gebrauch von Modalverben), dann steht kein Komma und die Satzaussage lässt sich häufig auf andere Weise umschreiben.</p>

<p><em>Hoffe geholfen zu haben.</em><br />
Meint: <em>Hoffentlich habe ich dir geholfen.</em></p>

<p><em>Hoffe, geholfen zu haben.</em><br />
Meint: <em>Ich hoffe, dass ich dir geholfen habe.</em></p>

<p>Wenn man Beispiele anführt, in denen der übergeordnete Satz nicht nur aus einem Prädikat besteht, wird besonders deutlich, wie unterschiedlich die Satzaussage in solchen Fällen sein kann:</p>

<p><em>Er denkt, die Prüfung bestanden zu haben.</em><br />
Meint: <em>Er denkt, dass er die Prüfung bestanden hat.</em></p>

<p><em>Er denkt die Prüfung bestanden zu haben.</em><br />
Meint: <em>Er ist wirklich der irrigen Ansicht, die Prüfung bestanden zu haben.</em></p>

<p>Wenn eine Infinitivgruppe als Einschub steht und (fakultativ) mit Komma abgegrenzt wird, dann muss auch vor dem folgenden, zum übergeordneten Satz gehörenden <em>und</em> ein Komma stehen:</p>

<p><em>Hoffe, überzeugt zu haben, und stehe jederzeit zur Verfügung.</em><br />
Oder ganz ohne Kommas: <em>Hoffe überzeugt zu haben und stehe jederzeit zur Verfügung.</em></p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Komma nach „hoffe“ und „denke“ vor Nebensätzen</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/zeichensetzung/komma_nach_hoffe_und_denke.shtml" />
<modified>2011-12-11T22:11:47Z</modified>
<issued>2011-07-08T12:24:00Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2011:/sprachleben//9.2196</id>
<created>2011-07-08T12:24:00Z</created>
<summary type="text/plain">In der gesprochenen Sprache sind umgangssprachliche Sätze wie „Hoffe, dir geht es gut“ oder „Denke, das wird klappen“ aus Gründen der Sprachökonomie weit verbreitet – und auch in der Schriftsprache sind solche Verkürzungen teilweise anzutreffen. Hier folgt einem eingliedrigen Hauptsatz ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|zeichen</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="komma_nach_hoffe_denke_finde.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/komma_nach_hoffe_denke_finde.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />In der gesprochenen Sprache sind umgangssprachliche Sätze wie „Hoffe, dir geht es gut“ oder „Denke, das wird klappen“ aus Gründen der Sprachökonomie weit verbreitet – und auch in der Schriftsprache sind solche Verkürzungen teilweise anzutreffen. Hier folgt einem eingliedrigen Hauptsatz ein nicht eingeleiteter Nebensatz und es stellt sich die Frage nach der Kommasetzung.</p>]]>
<![CDATA[<p>Lässt man vom ersten Teilsatz des Satzes „Ich hoffe, dass es dir gut geht“ das Personalpronomen <em>ich</em> weg, besteht er nur noch aus dem Verb: „Hoffe, ...“. Man kürzt ihn um das Satzglied Subjekt und erhält einen Satz, der aus einem einteiligen Prädikat gebildet ist (mit einer ergänzungsbedürftigen Auslassung: Ellipse / Auslassungsatz). Diese Verkürzung ist umgangssprachlich und auch nur bei bestimmten Prädikaten denkbar – in den genannten Fällen bei Verben der persönlichen Haltung. </p>

<p>Den zweiten Teilsatz kann man ebenfalls verknappen, indem man die den Nebensatz einleitende Präposition <em>dass</em> ausspart und die Satzbestandteile umstellt: „Ich hoffe, dir geht es gut.“ Man erhält einen vom Satzbau atypischen, nicht eingeleiteten Nebensatz.</p>

<p>Verkürzt man zugleich auch den ersten Teilsatz, hat man einen an umgangssprachlicher Effizienz kaum noch zu überbietenden Satz, der aus einem eingliedrigen Hauptsatz und einem nicht eingeleiteten Nebensatz besteht: „Hoffe, dir geht’s gut“.</p>

<p>Im ersten Beispiel muss unproblematisch ein Komma stehen, da ein mit <em>dass</em> eingeleiteter Nebensatz folgt. Das gilt auch dann, wenn der Hauptsatz auf ein einziges Wort reduziert wurde:</p>

<p><em>Hoffe, dass es dir gut geht.</em></p>

<p>Im zweiten und dritten Beispiel ist die Kommasetzung nicht mehr so eindeutig. Es gilt, die Satzfunktion des nur aus einem Verb bestehenden ersten Teilsatzes und die Nebensatzqualität des zweiten Teilsatzes zu klären. Da in diesem Fall ein (nicht eingeleiteter, vom Aufbau her einem Hauptsatz vergleichbarer) Nebensatz einem (eingliedrigen) Hauptsatz folgt, gilt aber grundsätzlich die Regel, dass der Haupt- vom Nebensatz durch Komma getrennt wird:</p>

<p><em>Ich hoffe, dir geht’s gut.<br />
Hoffe, dir geht’s gut.</em></p>

<p>Anders kann man das handhaben, wenn man verkürzte Nebensätze als <a href="http://www.korrekturen.de/regelwerk/zeichensetzung2.shtml#P76">formelhaft</a> begreift. Das gilt bei verkürzten Sätzen, bei denen zum Beispiel <em>falls</em>, <em>wenn</em> oder <em>wie</em> mit einem Adjektiv oder Partizip verbunden sind:</p>

<p><em>Ich komme falls erwünscht.<br />
Ich nehme wenn möglich teil.<br />
Ich habe wie gesagt keine Zeit.</em></p>

<p>Hier könnten die Hauptsätze (umgestellt) auch alleine stehen, die formelhaften Nebensätze kann man als einfache Umstandsbestimmungen begreifen; sie müssen dann nicht zwingend mit Komma abgetrennt werden. Ausnahmen gelten auch bei <a href="http://www.korrekturen.de/regelwerk/zeichensetzung2.shtml#P75">Infinitiv-, Partizip- oder Adjektivgruppen</a>, bei denen das Komma unter bestimmten Umständen ebenfalls fakultativ ist.</p>

<p>In den Ausgangsbeispielen liegen derartige Ausnahmen jedoch nicht vor, die Hauptsätze in den angeführten Satzgefügen haben eine übergeordnete Funktion. Es handelt es sich somit schlicht um einen (wenn auch zweigliedrigen oder umgangssprachlich verkürzten eingliedrigen) Hauptsatz, dem ein (nicht eingeleiteter) Nebensatz folgt. Gleiches gilt auch für andere Verben: (<em>ich</em>) <em>meine</em> ..., <em>finde</em> ..., <em>vermute</em> ..., <em>bezweifle ...</em> usw.</p>

<p><em>(Ich) finde, wir sollten ganz von vorne anfangen.<br />
(Ich) hoffe, ihr könnt das noch ausgleichen.<br />
(Ich) meine, das ist falsch.<br />
(Ich) vermute, das wird klappen.<br />
(Ich) bezweifle, dass wir es schaffen.</em></p>

<p>Ein Komma muss auch dann stehen, wenn man dem nicht eingeleiteten Nebensatz den Hauptsatz nachfolgen lässt (wobei selbst mit dem Anspruch höchster Sprachökonomie in diesen Fällen das nun nachgestellte Subjekt des Hauptsatzes nicht entfallen kann):</p>

<p><em>Das war eine reife Leistung, finde ich.</em><br />
Meint: <em>Ich finde, dass das eine reife Leistung war.</em></p>

<p><em>Sie hätte das ohne Aufforderung nie gemacht, vermute ich.</em><br />
Meint: <em>Ich vermute, dass sie das ohne Aufforderung nie gemacht hätte.</em></p>

<p>Sätze wie „Denke, das wird klappen“ sind sicher nicht die Lieblinge strenger Grammatiker und standardsprachlich nicht korrekt – aber da sie in Zeiten knapper elektronischer Kommunikation oft anzutreffen sind, könnte sich dieser Blick auf die auch für sie geltenden Kommaregeln vielleicht doch gelohnt haben. Ein Komma kann zur Abgrenzung der in einem Über-/Unterordnungsverhältnis stehenden Teilsätze sinnvoll oder, wie die abschließenden Beispiele zeigen, sogar nötig sein.</p>

<p><em>(Ich) finde, ihn sollten wir überzeugen.</em><br />
Meint: <em>Ich finde, dass wir ihn überzeugen sollten.</em></p>

<p><em>(Ich) finde ihn, sollten wir überzeugen.</em><br />
Meint: <em>Ich finde ihn, wenn wir überzeugen sollten.</em></p>

<p>Als zwingend muss man das Komma in nicht zweideutigen Sätzen aber nicht begreifen – denn wo könnte man besser fünf gerade sein lassen, als in der Umgangsprache.</p>

<p><strong>Zur Kommasetzung bei nachfolgenden Infinitivgruppen siehe:</strong></p>

<p><a href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/zeichensetzung/komma_nach_hoffe_und_denke_vor_infinitivgruppen.shtml">Komma nach „hoffe“ und „denke“ vor Infinitivgruppen</a><br />
<br></p>]]>
</content>
</entry>
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<title>Geburtstage und andere besondere Tage</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/geburtstage_und_andere_besondere_tage.shtml" />
<modified>2011-03-05T00:18:57Z</modified>
<issued>2011-03-04T22:00:00Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2011:/sprachleben//9.2188</id>
<created>2011-03-04T22:00:00Z</created>
<summary type="text/plain">Besonders zu Ehrentagen von Freunden und Familienangehörigen oder zu Feiertagen holen auch Schreibfaule mal wieder den Füllfederhalter hervor oder tauschen die Maus gegen die Tastatur. Dabei kann dann so einiges schiefgehen – auch wenn das die Glückwünsche oder Grüße sicher ...</summary>
<author>
<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|regeln</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="geburtstag.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/geburtstag.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Besonders zu Ehrentagen von Freunden und Familienangehörigen oder zu Feiertagen holen auch Schreibfaule mal wieder den Füllfederhalter hervor oder tauschen die Maus gegen die Tastatur. Dabei kann dann so einiges schiefgehen – auch wenn das die Glückwünsche oder Grüße sicher nicht weniger von Herzen kommen lässt.</p>]]>
<![CDATA[<p>Wenn man jemandem einen „herzlichen Glückwunsch“ übermittelt, dann wird <em>herzlichen</em> kleingeschrieben, weil es sich um ein Adjektiv handelt. Anderes gilt nur, wenn es sich um substantivische Wortgruppen handelt; denn nur dann können oder müssen auch nicht substantivische Bestandteile großgeschrieben werden.</p>

<p>Man schreibt:</p>

<p><em>herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag<br />
fröhliche Weihnachten<br />
frohes neues Jahr<br />
herzliches Beileid<br />
silberne Hochzeit<br />
goldene Hochzeit</em></p>

<p>Großschreibung dagegen bei besonderen Kalendertagen und Feiertagen:</p>

<p><em>Heiliger Abend</em> (oder: <em>Heiligabend</em>)<br />
<em>Erster Mai</em><br />
<em>Silberner Sonntag</em></p>

<p>Siehe auch: <a href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/das_schwarze_brett_substantivische_wortgruppen_und_feste_beg.shtml">Das Schwarze Brett: Substantivische Wortgruppen und feste Begriffe</a></p>

<p>Das, was man einem anderen wünscht, also etwa alles Gute und Schöne, wird dagegen großgeschrieben. Denn hier handelt es sich um substantivierte Adjektive. Oft zu erkennen an einem vorangehenden Artikel – oder Wörtern wie <em>alles, etwas, genug, nichts, viel, wenig</em>.</p>

<p>Alles gar nicht so wild – aber ob nun mit oder ohne Fehler, niemand sollte sich davon abhalten lassen, dem anderen seine Glückwünsche kundzutun: „herzlichen Glückwunsch!“<br />
</p>]]>
</content>
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<title>Ein gerüttelt Maß an schönen Redewendungen</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/sprachstil/ein_geruettelt_mass_an_schoenen_redewendungen.shtml" />
<modified>2011-05-04T15:20:09Z</modified>
<issued>2011-02-02T10:00:10Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2011:/sprachleben//9.2185</id>
<created>2011-02-02T10:00:10Z</created>
<summary type="text/plain">Besondere und charmante Ausdrücke sind da viele im Deutschen – doch man hört sie, wie schade, fast nur alle Jubeljahre. Ihre ganz eigenen Geschichten erzählen sie oft; solche, die man fortträgt, wenn man sich ihrer bedient. Nicht selten fügen sie ...</summary>
<author>
<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|stil</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="geruettelt_mass.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/geruettelt_mass.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Besondere und charmante Ausdrücke sind da viele im Deutschen – doch man hört sie, wie schade, fast nur alle Jubeljahre. Ihre ganz eigenen Geschichten erzählen sie oft; solche, die man fortträgt, wenn man sich ihrer bedient. Nicht selten fügen sie sich, schwuppdiwupp, es wundert fast, wohlklingend und ganz geschmeidig in den Redefluss ein. Selbst in die Alltagssprache und das auch dann, wenn sie schon Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Eine Suche nach erwähnenswerten Prunkstücken.</p>]]>
<![CDATA[<p>Nachgerade ein Kommentar zu meinem letzten Beitrag ließ mich aufmerken, welche netten Redewendungen denn da um mich herumschwirren, welche davon ich als charmant und kostbar (und benutzbar) bezeichnen würde. Den im erwähnten Kommentar genannten Ausdruck „ganz Ohr sein“ benutze ich, zumindest gefühlt, gar nicht so selten; jedenfalls kommt er mir hier und da zu Ohren. Wahrscheinlich klingt er für viele Zeitgenossen recht angestaubt und sein Charme und seine Anwendbarkeit halten sich dabei, finde ich, in engen Grenzen – doch immerhin wird er auch heutzutage, als verhältnismäßig stark aus dem Rahmen fallende Redewendung, noch recht gerne verwendet. Vielen anderen schönen Redewendungen wird diese Ehre leider nicht mehr zuteil.</p>

<p>Wie bei der Sprache wohl so oft, steht es dem Gesagten wahrlich gut, wenn dabei rechter Anlass und rechter Ausdruck sich authentisch fügen; so, dass sich das Gesagte, gerade wenn es mit außergewöhnlichen Ausdrücken gespickt ist, nicht schnell der Steifheit und des Staubes verdächtig macht. Dann können solcherlei Wendungen die Sprache wirklich reicher, bunter und auch ein ganzes Stückchen lebendiger machen.</p>

<h4>Ein gerüttelt Maß</h4>

<p>Der waagenlose Getreidehändler, vor langer Zeit, wollte möglichst viel Getreide für den gezahlten Preis – deswegen sollte möglichst viel Korn im Scheffel, einem Hohlmaß, seinen Platz finden. Zu diesem Zweck wurde, man ahnt es, das Behältnis einfach gerüttelt. Schon passte doch noch mehr hinein als anfangs gedacht. Ich kann das wohl auch heute noch lebhaft nachvollziehen, wenn ich ein Behältnis fülle oder auffülle und mir dabei erhoffe, dass doch bitte der letzte Rest aus der Packung auch noch hineinpassen möge.</p>

<p>Am ehesten benutzt man, im Fall der Fälle, wohl „ein gerüttelt Maß an“. Aber auch ohne die Präposition <em>an</em> kann sich diese Redewendung hören lassen: „Ein gerüttelt Maß Unverschämtheiten“. Auch das Adjektiv <em>voll</em> kann von Wagemutigen in manchen Konstellationen, man betrachte den Ursprung der Redewendung, im übertragenen (und damit doppelten) Sinn angeschlossen werden: „Das war ein gerüttelt Maß voll!“ Oder auch: „Das war ein gerüttelt Maß voll schönen Überraschungen / ein gerüttelt Maß voll schöner Überraschungen“. Wenn dem Adjektiv <em>voll</em> noch die Präposition <em>von</em> folgt, kann der Genitiv aber nicht stehen: „Ein gerüttelt Maß voll von schönen Schätzen“.</p>

<h4>Alle Jubeljahre (einmal)</h4>

<p>Vieles kommt nicht oft vor, auch wenn man sich das so manches Mal ersehnt. Selten, sporadisch, ab und an – alle Jubeljahre! Das Jubeljahr ist seit 1300 (gestiftet durch Papst Bonifatius VIII.) ein besonderes Jahr der katholischen Kirche, das nur alle 25 Jahre wiederkehrt. Diese Tradition wiederum geht zurück auf einen alttestamentarischen Brauch der Israeliten, bei denen das Jubeljahr (auch „Halljahr“ genannt, da es durch eine Posaune angekündigt wurde) alle 50 Jahre wiederkehrte und den Zweck hatte, periodisch durch den Erlass von Schulden eine gewisse Gleichheit in Besitzfragen herzustellen. In diesem Zusammenhang war der Ausdruck auch mitbestimmend für das Wort <em>Jubiläum</em>, durch das heute auch Feiern anderer Art bezeichnet werden, die ebenfalls nur in größeren Zeitabständen wiederkehren. Auch wer mit der Kirche nichts am Hut hat, kann zu dieser volkstümlichen Redensart greifen, um etwas zu kennzeichnen, das bemerkenswert selten daherkommt. Von seinem Ursprung her natürlich besonders geeignet zur Bezeichnung von etwas, das zwar selten, aber in immer gleichen Abständen wiederkehrt. 25 Jahre, eine verdammt lange Zeit.</p>

<h4>Aus dem hohlen Bauch</h4>

<p>Mal eine ungezwungene Redewendung, die ich immerhin erwähnenswert finde: „Aus dem hohlen Bauch“ ist sicher nur was für familiäre Anlässe – da kann es seinen Trumpf, die fast bildhafte Umschreibungskraft, aber umso besser ausspielen. Das habe ich jetzt einfach mal aus dem hohlen Bauch geschrieben: ohne große Vorbereitung, improvisiert, aus dem Handgelenk geschüttelt, aus der (kalten) Lamäng (vom französischen la main). Wenn man einen hohlen Bauch hat, dann war das Essen des Tages wohl für den hohlen Zahn, man hat sich nicht ausreichend gestärkt, hat sich nicht genügend Sachkenntnis angeeignet: „Das kann ich nicht aus dem hohlen Bauch!“ Auch das kürzere „aus dem Bauch“ bezeichnet umgangssprachlich eine intuitive Handlung oder ein instinktives Gefühl.</p>

<h4>Die Pimpinellen / Pimpernellen kriegen</h4>

<p>„Pimpinellen“ oder „Pimpernellen“ ist die Bezeichnung einer Pflanzengattung. Auch wenn dieser Gattungsname (ebenfalls für verschiedene Pflanzen einzelner Arten verwendet: Pimpinelle, Pimpernelle) nicht mehr sehr bekannt sein dürfte, haben Pflanzen dieser Gattung auch in Deutschland eine lange Tradition, etwa in der regionalen Küche. Genannt werden sie auch Bibernellen, am bekanntesten dürfte die Art Anis sein. Der Kleine Wiesenknopf wird umgangssprachlich bzw. regional auch Pimpernelle, Pimpinelle oder Bibernelle genannt – dabei gehört dieses Küchenkraut der genannten Gattung gar nicht an.</p>

<p>Eine durch Abkochen der Wurzeln von Pimpernellen gewonnene Tinktur wird zur Linderung von Bluthochdruck und Kopfschmerzen verwendet; im 17. Jahrhundert galten sie als Mittel gegen die Pest und Fieber. Die Kleine Bibernelle wiederum ist Hauptbestandteil der sogenannten Frankfurter Soße. Der Kleine Wiesenknopf gilt ebenfalls als ein Stärkungs- und Heilmittel. Auch das sogenannte Zittergras, ebenso eine Pflanze einer anderen Gattung, wird mundartlich als Pimpinelle oder Bibernelle bezeichnet.</p>

<p>Heute weitgehend unbekannt, lebt die Pimpinelle zumindest in einer Redewendung fort: Wenn man „die Pimpernellen kriegt“, dann bekommt man von etwas zu viel, man ist ungeduldig oder nervös, man regt sich über etwas auf oder verliert die Geduld. Möglich ist auch der Singular: „Die Pimpernelle kriegen.“ Woher genau sich diese Wendung nun ableitet – im ganzen Wirrwarr der mundartlichen Bezeichnungen und der nicht leicht zu bestimmenden Wortherkunft –, dürfte man ohne eingehendes Studium nicht leicht eindeutig festlegen können; trotzdem finde ich diese Redewendung schön: Pimpernelle, Pimpernell, Pimpinelle – wohlklingende Wörter. Die Frage ist natürlich, ob man einen solchen Ausdruck überhaupt unbedarft verwenden sollte, wenn man ihn nicht (selbstverständlich) herleiten kann. Der alte Volksmund hat sich sicher noch etwas Konkretes darunter vorgestellt – heute dagegen kocht wohl kaum noch jemand mit Kräutern von der Wiese hinterm Haus. Trotzdem: Man begreife den Ausdruck einfach im Sinne „Ich brauche etwas gegen die Qualen, die ich gerade durchlebe!“ Heilkräuter können ja auch heute noch, ohne fundiertes Wissen, Gold wert sein – ich übertrage das einfach mal freimütig auf die Sprache.</p>

<h4>Ich glaub’, mein Muli priemt!</h4>

<p>Es kann so befreiend sein, mal Dampf abzulassen, einfach seinem Ärger Luft zu machen. Und auch wenn Redewendungen dieser Couleur sicher immer als umgangssprachlich einzustufen sind, wünscht sich der ein oder andere wohl manchmal insgeheim, dass man sie auch zu offizielleren Anlässen ungestraft verwenden könnte. Wenn das Gegenüber nicht gerade der Chef ist, dann gibt es immerhin eine Palette von Wendungen dieser Gattung, die man zumindest als originell oder vielleicht sogar als charmant bezeichnen könnte.</p>

<p>Ein netter, wenn natürlich auch hoch umgangssprachlicher Ausdruck, der dann ganz gut passen kann, wenn man etwas absolut nicht fassen kann, wenn etwas völlig bescheuert ist: „Ich glaub’, mein Muli priemt.“ Ein Priem ist ein Stück Kautabak und wer priemt, der kaut es. Klar, ein Maulesel wird das wohl eher selten tun – und genau deshalb vermag der Ausdruck die Fassungslosigkeit so gut zu beschreiben, die einen packt, wenn einem etwas so ungeheuerlich und haarsträubend vorkommt, dass man (vor Wut) fast an die Decke geht.</p>

<p>Umgangssprachlicher Charme hier, originelle Geschichte dort, man sollte es mit dem Würzen der Sprache vielleicht nicht übertreiben: Auch „gerüttelt Maß“, Pimpernellen und Kumpanen wollen da passen, wo man sie schreibt oder spricht. Selbst, wenn das nur alle Jubeljahre der Fall ist. Und wer ansonsten eher schlicht und ohne große Glanzstücke kommuniziert, dürfte schnell als eine Art Dampfplauderer gelten, wenn er plötzlich spricht und schreibt wie ein Antiquitätenhändler. Dann kriegen die Zuhörer oder Leser noch die Pimpinellen – und schon bald ist keiner mehr ganz Ohr.<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Nachgerade schützenswert</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/woerter/nachgerade_schuetzenswert.shtml" />
<modified>2011-01-16T10:37:48Z</modified>
<issued>2011-01-05T07:50:00Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2011:/sprachleben//9.2179</id>
<created>2011-01-05T07:50:00Z</created>
<summary type="text/plain">Wörter können wie kleine Edelsteine sein. Man schätzt sie, man hütet sie, man freut sich, wenn sie einem begegnen. Das Wort nachgerade könnte ein solcher kleiner Edelstein sein. Überflüssig, geziert, veraltet oder einfach fremd mutet es den einen an – ...</summary>
<author>
<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|wörter</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="en-us" xml:base="http://www.korrekturen.de/sprachleben/">
<![CDATA[<p><img title="" alt="nachgerade.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/nachgerade.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Wörter können wie kleine Edelsteine sein. Man schätzt sie, man hütet sie, man freut sich, wenn sie einem begegnen. Das Wort <em>nachgerade </em>könnte ein solcher kleiner Edelstein sein. Überflüssig, geziert, veraltet oder einfach fremd mutet es den einen an – eine Wohltat ist es für das Ohr des anderen. Jedenfalls ist <em>nachgerade </em>ein Wort, in dem gleich zwei kraftvolle, sich teils überschneidende Bedeutungen stecken können.</p>]]>
<![CDATA[<p>Das Wort <em>nachgerade</em> stammt ursprünglich aus dem Niederdeutschen. Als unflektierbares Adverb steht es entweder in der Bedeutung <em>geradezu </em>oder für <em>allmählich, letztlich, endlich, nach und nach</em>; manchmal umfasst es gar beide Bedeutungen zugleich. Weil es nicht sehr häufig vorkommt und in der gesprochenen Sprache (deshalb) steif wirken kann, eignet es sich zur Betonung oder Hervorhebung besonders gut. In beiden Bedeutungen ein Wort mit verstärkendem Charakter.</p>

<p><em>Dieser Punkt ist nachgerade entscheidend.</em><br />
Bedeutung: <em>geradezu</em></p>

<p><em>Dieser Punkt wurde nachgerade entscheidend.<br />
Nachgerade ist dieser Punkt der entscheidende.</em><br />
Bedeutung: <em>allmählich, letztlich, endlich, nach und nach</em></p>

<p>Ich schlage <em>nachgerade </em>für die imaginäre Liste der Benutz-sie-doch-mal-wieder-Wörter vor; ein rechtes Kleinod, wenn es an seinem Platz sich fügt. Sie haben auch ein Wort, dass Sie gerne öfter hören würden? Dann her damit, ich bin ganz Ohr!<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Schreibung der s-Laute im Deutschen</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/schreibung_der_s-laute_im_deutschen.shtml" />
<modified>2013-04-08T17:13:44Z</modified>
<issued>2011-01-04T13:10:00Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2011:/sprachleben//9.2163</id>
<created>2011-01-04T13:10:00Z</created>
<summary type="text/plain">Die schriftliche Wiedergabe der s-Laute im Deutschen war und ist keinesfalls durchgehend konsequent. Diesbezügliche Änderungen haben (quantitativ) einen großen Teil der aktuell gültigen Rechtschreibreform (seit 2006) ausgemacht. Im Rahmen dieser Übersicht soll in aller Kürze ein möglichst umfassender Überblick über ...</summary>
<author>
<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|regeln</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="en-us" xml:base="http://www.korrekturen.de/sprachleben/">
<![CDATA[<p><img title="" alt="s-schreibung.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/s-schreibung.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Die schriftliche Wiedergabe der s-Laute im Deutschen war und ist keinesfalls durchgehend konsequent. Diesbezügliche Änderungen haben (quantitativ) einen großen Teil der aktuell gültigen Rechtschreibreform (seit  2006) ausgemacht. Im Rahmen dieser Übersicht soll in aller Kürze ein möglichst umfassender Überblick über die gültigen amtlichen Regeln gegeben werden.</p>]]>
<![CDATA[<h4>1. Einleitung</h4>

<p>Die neue Regelung orientiert sich in besonderem Maße am Lautprinzip (Laute sollen durch entsprechende Buchstaben oder Buchstabenkombinationen wiedergegeben werden) und folgt der sogenannten heyseschen s-Schreibung. Die Schreibung soll durch die Lautung besser abgeleitet werden können.</p>

<p>Bei der Schreibung der s-Laute unterscheidet die deutsche Schriftsprache drei Fälle:</p>

<ul><li>Den stimmhaften s-Laut, der immer als <em>s</em> geschrieben wird (Beispiel: <em>sagen</em>)</li>
<li>Den scharfen, stimmlosen s-Laut, der als <em>ss</em> geschrieben wird (Beispiel: <em>muss</em>)</li>
<li>Den scharfen, stimmlosen s-Laut, der als <em>ß</em> geschrieben wird (Beispiel: <em>Straße</em>)</li></ul>

<p>Der scharfe, stimmlose s-Laut kann aus verschiedenen Gründen aber auch als <em>s</em> geschrieben werden (Beispiel: <em>Maus</em>).</p>

<p>Wann welcher Laut wie geschrieben wird, orientiert sich dabei am Laut selbst (stimmhaft oder stimmlos), an damit verbundenen Lauten (Beispiel: Ein langer Vokal vor einem s-Laut beeinflusst dessen Schreibung), an anschließenden Lauten (Beispiel: Ein folgender Konsonant beeinflusst die Schreibung eines s-Lauts), an phonologischen Regeln (Auslautverhärtung) oder an der Stammform eines Verbs. Da die Schreibung und die Aussprache meist ohne die Verinnerlichung der sprachwissenschaftlichen Zusammenhänge erlernt und beurteilt werden, erschließen sich Regeln gerade bei der Veränderung der herkömmlichen Schreibung oft nur schwer. Diese Übersicht stellt alle gültigen Regeln der Schreibung des scharfen, stimmlosen s-Lauts in Kurzform dar. Für die Schreibung des stimmhaften s-Lauts ergeben sich keine Veränderungen bzw. Besonderheiten (zu erwähnen ist vielleicht nur, dass seine schriftsprachliche Entsprechung <em>s</em> aufgrund phonetischer Regeln eben auch für den stimmlosen s-Laut stehen kann).</p>

<h4>2. Wann schreibt man ss?</h4>

<p>Man schreibt immer dann ss, wenn der scharfe, stimmlose s-Laut zwischen zwei Vokalen/Selbstlauten (zwischenvokalisch) oder nach einem kurzen Vokal steht.</p>

<p>Beispiele: <em>Wasser, lassen, Trasse.</em></p>

<p>Auch im Auslaut am Ende eines Wortes oder einer Silbe steht nach einem kurzen Vokal grundsätzlich ss:</p>

<p>Beispiele: <em>Verdruss, Abriss, Geschiss, Abschluss.</em></p>

<p>Ausnahme: Davon ausgenommen sind Substantive auf <em>-nis</em>: <em>Ergebnis, Geheimnis, Verhältnis, Zeugnis, Gedächtnis, Hemmnis</em>. Bei deren Plural- oder Genitivbildung werden die Konsonanten jedoch verdoppelt: <em>Ergebnisse – Ergebnisses, Geheimnisse – Geheimnisses, Verhältnisse – Verhältnisses, Zeugnis – Zeugnisse</em>. Diese Ausnahme gilt aber ebenfalls für Wörter mit der fremdsprachlichen Endsilbe <em>–mus</em>: <em>Amerikanismus, Pessimismus, Realismus, Terrorismus, Kommunismus, Sadomasochismus</em> (aber: <em>muss</em> von <em>müssen</em>). Sie gilt jedoch nicht für andere Endungen, die mit <em>–iss</em> schließen oder einsilbige Wörter, die auf <em>–iss</em> enden (s. o.): <em>Kompromiss, gewiss, Schmiss, Abriss, Schiss, Fluss, Schuss, Biss, Schluss, Kuss</em>.</p>

<p>Ausnahme: Für einsilbige Wörter mit grammatikalischer Sonderstellung, so wird es im Regelwerk im Abschnitt „Laut-Buchstaben-Zuordnungen“ formuliert, können Ausnahmen gelten: <em>das</em> (Artikel/Pronomen), <em>bis, des</em> (aber: <em>dessen</em>), <em>plus, was, wes</em> (aber: <em>wessen</em>).</p>

<p>Ausnahme: Auch für andere einsilbige Wörter (insbesondere aus dem Englischen) kann hier eine Ausnahme gelten. Zur s-Schreibung finden sich folgende Beispiele: <em>Bus, Eros</em> (siehe zur Begründung der fehlenden Konsonantenverdoppelung aber auch die nächste Ausnahme hinsichtlich der Fremdworteigenschaft). Für andere Konsonanten findet sich hier zahlreiche Beispiele: <em>Chip, Slip, fit</em>. Für Ableitungen gilt dann aber wiederum grundsätzlich die Konsonantenverdoppelung: <em>Busse, Busses</em>. Der Plural von <em>Eros</em> im Sinne von „Gott der Liebe“ ist <em>Eroten</em>, der Genitiv Singular unverändert <em>Eros</em>, Genitiv Plural <em>Eroten</em>. <em>Eros</em> in der Bedeutung „sinnliche Liebe“ bildet keinen Plural und die Genitivform steht unverändert. Das Gleiche gilt auch für den erdnahen Asteroiden <em>Eros</em>.</p>

<p>Ausnahme: Auch für mehrsilbige Wörter finden sich Ausnahmen: <em>Globus, Atlas, Iltis, Epidermis, Bazillus</em> und <em>Ananas</em> werden trotz vorangehendem kurzem Vokal mit nur einem <em>s</em> geschrieben. Laut Regelwerk kann die Abkehr vom Lautprinzip hier in folgenden Fällen gerechtfertigt sein: Fremdwörter (<em>Ananas, Atlas, Globus, Epidermis</em>) oder Wörter mit unklarem Wortaufbau oder Bestandteilen, die nicht selbstständig vorkommen (Iltis – hier müsste bei stringenter Befolgung des Lautprinzips zusätzlich der Konsonant <em>l</em> verdoppelt werden). Auch in den hier genannten Fällen gilt bei der Plural- bzw. Genitivbildung, also bei Ableitungen, die Verdoppelung: <em>Globusse</em> (auch: <em>Globen</em>) – <em>Globusses</em> (auch: <em>Globus</em>), <em>Atlasse</em> (auch: <em>Atlanten</em>) – <em>Atlasses</em> (auch: <em>Atlanten</em>), <em>Iltisse – Iltisses, Ananasse</em> (auch <em>Ananas</em>) – <em>Ananas</em> (Genitiv Plural: <em>Ananas</em> oder <em>Ananasse</em>, Dativ Plural: <em>Ananas</em> oder <em>Ananassen</em>). Der Plural von <em>Epidermis</em> ist <em>Epidermen</em>, der von <em>Bazillus</em> ist <em>Bazillen</em> und die Genitivform ist in beiden Fällen unverändert.</p>

<p>Auch die Umlaute<em> ä, ö, ü</em> sind in diesem Sinne Vokale. <em>äu</em> ist ebenfalls ein Umlaut, aber daneben ein Doppellaut und kein Vokalbuchstabe.</p>

<p>Beispiele: <em>küssen, äußerst.</em></p>

<p>Folgt auf einen kurzen Vokal ein s-Laut, der wiederum vor einem Konsonanten steht, wird nicht mit Doppel-s geschrieben.</p>

<p>Beispiele: <em>Mast, Last, Rast, Brust, Bast, lastet, rastet.</em></p>

<p>Ausnahme: Das Doppel-s bleibt aber im Auslaut von Wortstämmen auch in abgeleiteten und gebeugten Formen, also auch wenn es in solchen Fällen vor einem Konsonanten steht, erhalten.</p>

<p>Beispiele: <em>müssen – musst, lassen – lasst, passen – passt.</em></p>

<h4>3. Wann schreibt man ß?</h4>

<p>Das <em>ß</em> steht im Auslaut (Laut, mit dem ein Wort oder eine Silbe endet) von Wortstämmen dann, wenn ein langer Vokal oder ein Doppellaut (Diphthong, Zwielaut, Zweilaut) vorausgeht. Es steht dann für den scharfen, stimmlosen s-Laut.</p>

<p>Beispiele: <em>Gruß, Maß, groß, hieß, Strauß, Fleiß, beißt, scheußlich, Straße, Ruß.</em></p>

<p>Exkurs: Die Diphthonge (Doppellaute aus zwei verschiedenen Vokalen) in der deutschen Sprache sind: <em>ei, au, äu, eu, ai</em> und <em>ui</em>.</p>

<p>Ausnahmen: <em>aus, hinaus, heraus, raus usw.</em></p>

<p>Gemäß dieser Regel gilt also, dass dann kein <em>ß</em> steht, wenn im Wortinneren der s-Laut stimmhaft ist.</p>

<p>Beispiele: <em>leise, riesig, tausend, Nase, Pause, Musik, Person, Rose, Lösung, Felsen, rasen, losen, reisen.</em><br />
            <br />
Im gleichen Wortstamm kann bei einer Flexion oder Ableitung die Länge oder Kürze des Vokals vor dem s-Laut wechseln - entsprechend wechselt dann auch die Schreibung zwischen <em>ß</em> und <em>ss</em>.</p>

<p>Beispiele: <em>fließen – er floss; Fluss – das Floß; genießen – er genoss – Genuss; wissen – er weiß – er wusste.</em></p>

<p>Ausnahme: Die Regel, dass ein ß dann steht, wenn im Auslaut von Wortstämmen ein langer Vokal vorausgeht, gilt nur dann, wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt.</p>

<p>Beispiele: <em>Schuster, Trost, trösten, Wüste, Meister, meist, räuspern.</em></p>

<p>Folgt der Konsonant also nicht im Wortstamm, steht ein <em>ß</em> auch dann, wenn ein Konsonant folgt.</p>

<p>Beispiele: <em>fließen – fließt; reißen – reißt; aber: reisen – reist.</em></p>

<p>Hierbei handelt es sich um die Endung des Verbstamms. Das <em>s</em> der regulären Endung <em>-st</em> wird in diesem Fall nach dem s-Laut <em>ß</em> weggelassen.</p>

<p>Ausnahme: Kein <em>ß</em> steht bei einer Auslautverhärtung. Die Verhärtung von bestimmten Konsonanten am Silbenende sowie vor anderen Konsonanten innerhalb der Silbe wird in der Schreibung nicht berücksichtigt. Bei s-Lauten führt das dazu, dass scharfe, stimmlose s-Laute auch nach langen Vokalen nicht immer als <em>ß</em> geschrieben werden. Ableiten kann man die Schreibung dann aus aus Ableitungen oder erweiterten Formen, in denen der entsprechende Konsonant am Silbenanfang steht.</p>

<p>Beispiele: <em>Haus, häuslich, Häuser; Maus, Mäuse; Preis, preislich, Preise; Eis, Eises; Ausweis, ausweisen; Reis, Reises.</em></p>

<p>Verben, die regulär mit einen stimmhaften s-Laut gebildet werden, sind in allen Formen mit einem einfachen <em>s</em> zu schreiben. Man kann die Schreibung hier auf den Verbstamm zurückführen.</p>

<p>Beispiele: <em>niesen – niest – geniest; reisen – reist – gereist.</em></p>

<h4>4. Ausnahme: Eigennamen</h4>

<p>Die neuen Regeln verändern nicht die Schreibung von Eigennamen. So wird die <em>Litfaßsäule</em> auch weiterhin mit <em>ß</em> geschrieben, weil sich deren Name nicht vom <em>Fass</em> (das mit <em>ss</em> geschrieben wird) ableitet, sondern von ihrem Erfinder, dem Berliner Drucker Ernst Litfaß.</p>

<h4>5. dass/das/daß</h4>

<p>Die Unterscheidung zwischen <em>dass</em> und <em>das</em> ist eine rein grammatikalische und richtet sich nicht nach dem Lautprinzip; beide Wörter werden gleich ausgesprochen. Die Konjunktion <em>dass</em> (vorher <em>daß</em>) wird mit <em>ss</em> geschrieben. Dadurch wird sie vom Artikel bzw. vom Pronomen <em>das</em> abgegrenzt. Die vor der Rechtschreibreform gültige Unterscheidung zwischen <em>das</em> und <em>daß</em> (jetzt: <em>das</em> und <em>dass</em>) bleibt also die Gleiche, man schreibt nun lediglich <em>dass</em> statt <em>daß</em>.</p>

<p>Die Abgrenzung zwischen der Konjunktion <em>dass</em> und dem Artikel bzw. Pronomen <em>das</em> kann so gelingen: Die Konjunktion <em>dass</em> verbindet Nebensätze meist mit Hauptsätzen, in denen Verben wie <em>behaupten, bestätigen, denken, glauben, hoffen, meinen, sagen, versprechen, wissen</em> usw. vorkommen. Sie kann nicht durch die Pronomen <em>dieses</em> oder <em>welches</em> ersetzt werden, welche bei Unsicherheiten zur Probe eingesetzt werden können.</p>

<h4>6. Fehlendes ß und Schreibung in Großbuchstaben</h4>

<p>Steht einem der Buchstabe <em>ß</em> nicht zur Verfügung, so schreibt man stattdessen <em>ss</em>. Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man <em>SS</em> (Beispiel: <em>Straße – STRASSE</em>). Ursprünglich hatte der Duden für die Großschreibweise die Ersetzung durch <em>SZ </em> vorgesehen, diese aber später zugunsten der Schreibung mit <em>SS</em> auf die wenigen Fälle begrenzt, in denen Verwechslungen möglich sind (z. B. <em>Maße – MASZE</em> gegenüber <em>Masse – MASSE</em>). In der reformierten Rechtschreibung wurde die Ersetzung durch <em>SZ</em> ganz abgeschafft, obwohl diese zumindest aus dem genannten Grund der Verwechselung sinnvoll wäre. Dazu kommt, dass die Schreibung von <em>SS</em> in vielen Fällen (gefühlsmäßig) andeutet, dass man den vorausgehenden Vokal kurz sprechen muss. Am Rande: Am 4. April 2008 wurde das große <em>ß</em> im Unicode-Standard Version 5.1 veröffentlicht.</p>

<h4>7. Die frühere Rechtschreibung der s-Laute</h4>

<p>Nach der traditionellen Rechtschreibung schrieb man ein <em>ß</em> nach einem gedehnten Vokal oder Diphthong und am Ende einer Silbe oder vor einem Konsonanten (also auch am Wortende und vor der Wortfuge). Das <em>ß</em> wurde also immer geschrieben, wenn <em>ss</em> aufgrund seiner Position im Wort nicht getrennt werden kann oder darf. Beispiel: <em>muß – mußte – müssen</em>. Die Unterscheidung zwischen dem Pronomen <em>das</em> und der Konjunktion <em>daß</em> war die gleiche wie die nach der neuen deutschen Rechtschreibung, nur wurde <em>daß</em> statt <em>dass</em> geschrieben.</p>

<h4>8. Die gute alte bayrische Maß</h4>

<p>In der Bedeutung <em>Messgerät, Einheit zum Messen; richtige Größe, Menge; Angemessenes; Mäßigung</em> wird <em>Maß</em> immer mit <em>ß</em> geschrieben (nach dem langen Vokal <em>a</em>). Da das Wort in Bayern und Österreich (auch) mit kurzem <em>a</em> gesprochen wird, ist die Schreibung mit Doppel-s gemäß Duden ebenfalls zulässig. Vielleicht kann man hier eine sympathische Ausnahme von der Regel sehen: In Bayern bestellt man seine Maß immer mit einem kurzen <em>a</em> – geschrieben wird sie gemeinhin trotzdem weiterhin mit <em>ß</em>.</p>

<p><a href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/schreibung_der_s-laute.shtml" onclick="window.open('http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/schreibung_der_s-laute.shtml','popup','width=1086,height=816,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img title="Zur Vergrößerung bitte aufs Bild klicken" alt="Übersicht zur Schreibung der s-Laute im Deutschen" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/schreibung_der_s-laute_klein.png" width="490" height="368" border="0" /></a><br />
<small>Übersicht zur Schreibung der s-Laute im Deutschen</small><br />
</p>]]>
</content>
</entry>
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<title>Blogs zum Thema deutsche Sprache und Rechtschreibung</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/sprachgeschehen/blogs_zum_thema_deutsche_sprache_und_rechtschreibung.shtml" />
<modified>2011-01-04T17:57:01Z</modified>
<issued>2010-12-18T11:47:52Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2176</id>
<created>2010-12-18T11:47:52Z</created>
<summary type="text/plain">Blogs werden immer beliebter; immer mehr Blogs entstehen und erreichen eine immer größere Zahl von Lesern. Leider ist es manchmal gar nicht so einfach, gute Blogs zu speziellen Themenbereichen zu finden. Wer auf der Suche nach interessanten Blogs zu Themen ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|geschehen</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="sprachleben.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/sprachleben.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Blogs werden immer beliebter; immer mehr Blogs entstehen und erreichen eine immer größere Zahl von Lesern. Leider ist es manchmal gar nicht so einfach, gute Blogs zu speziellen Themenbereichen zu finden.</p>

<p>Wer auf der Suche nach interessanten Blogs zu Themen mit dem Schwerpunkt deutsche Sprache und Rechtschreibung ist, der findet im Folgenden einen kleinen Überblick. Viele der aufgelisteten Blogs werden regelmäßg aktualisert, einige leider eher selten.</p>]]>
<![CDATA[<p>● <a href="http://canoo.net/blog/">"Fragen Sie Dr. Bopp!"</a><br />
● <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog">Sprachblog von WissensLogs</a> (vom Autor des nicht fortgeführten, aber noch aufrufbaren <a href="http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/">"Bremer Sprachblogs"</a>)<br />
● <a href="http://woerter.germanblogs.de/">wörter blog von germanblogs</a><br />
● <a href="http://www.sprachbloggeur.de/">Der Sprachbloggeur</a><br />
● <a href="http://sprachblog.ib-klartext.de/lektorat.php">Sprachblog (IB-Klartext)</a><br />
● <a href="http://www.korrekturen.de/weblog.shtml">Das Weblog von korrekturen.de</a><br />
● <a href="http://www.stilstand.de/">STILSTAND</a><br />
● <a href="http://blogs.taz.de/wortistik">Wortistik (tz)</a><br />
● <a href="http://www.spiegel.de/thema/zwiebelfischchen/">Zwiebelfisch (Bastian Sick)</a><br />
● <a href="http://schplock.wordpress.com/">[ʃplɔk] - Kristins Sprachblog</a><br />
● <a href="http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/podcast/index.php">Duden-Podcast (Audio-Blog)</a><br />
● <a href="http://www.profitextulm.blogspot.com/">Das aktuelle Wortstudio</a><br />
● <a href="http://wortfeiler.blogspot.com/">Wortfeiler</a><br />
● <a href="http://cornelia.siteware.ch/blog/wordpress/">Deutsch-als-Fremdsprache-Blog</a><br />
● <a href="http://www.360grad-blog.de/">360°-Blog</a></p>

<p>Wir hoffen, dass der ein oder andere Blog noch unbekannt war, und wünschen unseren Lesern viel Spaß! Die genannten Blogs können Sie übrigens auch bequem mit Ihrem RSS- oder Feed-Reader abonnieren.</p>

<p>Wenn Sie noch weitere lesenswerte Blogs kennen, dann hinterlassen Sie gerne einen Kommentar. Ich nehme Ihren Vorschlag dann mit in die Liste auf.<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Hätten Sie aber können oder hätten Sie aber gekonnt?</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibfehler/haetten_sie_aber_koennen_oder_haetten_sie_aber_gekonnt.shtml" />
<modified>2011-01-03T22:22:43Z</modified>
<issued>2010-12-16T10:37:41Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2175</id>
<created>2010-12-16T10:37:41Z</created>
<summary type="text/plain">Ein älteres Ehepaar verbringt ein Wochenende in einem Hotel auf dem Land. Beim Auschecken präsentiert die Dame von der Rezeption die Rechnung. Die beiden Gäste sind verwundert über den recht hohen Preis und fragen, wie dieser zustande kommt. Die Rezeptionistin ...</summary>
<author>
<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|fehler</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="en-us" xml:base="http://www.korrekturen.de/sprachleben/">
<![CDATA[<p><img title="" alt="haetten_sie_aber_koennen.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/haetten_sie_aber_koennen.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Ein älteres Ehepaar verbringt ein Wochenende in einem Hotel auf dem Land. Beim Auschecken präsentiert die Dame von der Rezeption die Rechnung. Die beiden Gäste sind verwundert über den recht hohen Preis und fragen, wie dieser zustande kommt.</p>

<p>Die Rezeptionistin erklärt, dass der Preis des Hotels über dem anderer in der Gegend liege, weil den Gästen ein großer Wellness- und Fitnessbereich zur Verfügung steht. Das Ehepaar reklamiert, dass es dieses Angebot ja gar nicht genutzt habe. Die Rezeptionistin erwidert: „Hätten Sie aber können!“</p>]]>
<![CDATA[<p>Hätten Sie aber können! Hätten Sie aber gekonnt! Ja was denn nun?</p>

<p>Die Dame an der Rezeption könnte gemeint haben, dass das Ehepaar die genannten Einrichtungen hätte nutzen können – und der höhere Preis des Hotels völlig unabhängig von einer tatsächlichen Inanspruchnahme ist. Anders: Das Ehepaar hätte jederzeit die Möglichkeit bzw. Erlaubnis gehabt, das Angebot wahrzunehmen.</p>

<h4>Können – das Vollverb</h4>

<p>Können im Sinne von „beherrschen, fähig zu etwas sein“ oder auch in der Bedeutung „die Möglichkeit, Erlaubnis haben, etwas zu tun“ ist ein Vollverb. Wenn die Rezeptionistin also meinte, dass das Ehepaar jederzeit die Möglichkeit gehabt hätte, die Einrichtungen zu nutzen, dann müsste hier im Konjunktiv II „können“ als Partizip II (Partizip Perfekt) stehen: „Hätten Sie aber gekonnt.“</p>

<h4>Können – das Modalverb</h4>

<p>Wenn dagegen das Modalverb „können“ verwendet wird, dann steht nicht das Partizip II, sondern der Infinitiv, wenn ein reiner Infinitiv vorausgeht. Sprich: Hier fehlt das Verb, das durch das Modalverb „können“ modifiziert werden soll. Richtig wäre etwa: „Das hätten Sie aber machen können.“</p>

<h4>Eine Ellipse?</h4>

<p>Gilt etwas anderes, wenn man von einer Ellipse ausgeht? „Sie haben die Wellnesseinrichtung nie genutzt, hätten sie aber (nutzen) können.“ Nein, denn hier handelt es sich nicht einmal um die übereinstimmende Verbform von „können“ und somit kann das zu modifizierende Verb im zweiten Teilsatz nicht weggelassen werden.</p>

<p>Das hätte die Rezeptionistin aber wissen können!<br />
</p>]]>
</content>
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<title>Abkürzungen von Grußformeln</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/sprache_im_internet/abkuerzungen_von_grussformeln_mfg_lg_und_vg.shtml" />
<modified>2011-07-28T22:23:01Z</modified>
<issued>2010-12-14T10:04:48Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2174</id>
<created>2010-12-14T10:04:48Z</created>
<summary type="text/plain">Bei Wikipedia hat hat man sich bei einem Unterpunkt des Eintrags &quot;Grußformel (Korrespondenz)&quot; auf folgende Formulierung geeinigt: &quot;In manchen Bereichen, vor allem in elektronischer Korrespondenz und Internet-Foren, werden Abkürzungen für Grüße verwendet. (...) ● „mfg“ - „Mit freundlichen Grüßen“ ● ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|netz</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="en-us" xml:base="http://www.korrekturen.de/sprachleben/">
<![CDATA[<p><img title="" alt="abkuerzungen_von_grussformeln.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/abkuerzungen_von_grussformeln.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Bei Wikipedia hat hat man sich bei einem Unterpunkt des Eintrags "Grußformel (Korrespondenz)" auf folgende Formulierung geeinigt:</p>

<p>"In manchen Bereichen, vor allem in elektronischer Korrespondenz und Internet-Foren, werden Abkürzungen für Grüße verwendet. (...)</p>

<p>● „mfg“ - „Mit freundlichen Grüßen“<br />
● „lg“ - „Liebe Grüße“<br />
● „vg“ - „Viele Grüße“</p>

<p>Zu empfehlen sind die Abkürzungen im Allgemeinen nicht."</p>]]>
<![CDATA[<p>Eine zurückhaltende Formulierung. Nach meinem Empfinden ist das Abkürzen von Grußformeln schlicht überflüssig, unpersönlich und peinlich. Natürlich kommt so etwas sowieso nur im privaten Bereich infrage – aber selbst da steht die Verwendung von Abkürzungen als abschreckendes Beispiel für den Verlust des Gefühls für die Sprache und der Lust an ihr und ihren Differenzierungsmöglichkeiten.</p>

<p>Entweder stehen die Abkürzungen komplett in Kleinschreibung oder manch einer versucht durch die Beachtung der Großschreibung der einzelnen Elemente die charmanten Abkürzungen noch aufzuwerten:</p>

<p><em>MfG, VG, LG oder mfg, vg und lg<br />
Mit freundlichen Grüßen, Viele Grüße oder Liebe Grüße</em></p>

<p>Aus welchem Grund sollte eine Abkürzung eines so wesentlichen Elements der schriftlichen Kommunikation – ob nun im Internet oder wo auch immer – überhaupt Sinn ergeben? Weil man sich ein paar Anschläge auf der Tastatur sparen möchte? Ich weiß es nicht. Jedenfalls empfinde ich den Gruß (zum Beispiel in einer E-Mail) als etwas sehr Persönliches und Wichtiges. Schon die Frage, welchen Gruß man bei wem unter die gerade geschriebenen Zeilen setzt, kann sehr bestimmend sein und dem Geschriebenen eine andere Note geben.</p>

<p><em>Viele Grüße, Liebe Grüße, Schöne Grüße, Herzliche Grüße, Herzlichste Grüße, Allerherzlichste Grüße ...<br />
</em></p>

<p>Ich wage es einfach mal, Abkürzungen von Grußformeln schlicht als ein „No-go“ zu bezeichnen.</p>

<p>VHG </p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Der Beitrag gegen etwas</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibfehler/der_beitrag_gegen_etwas.shtml" />
<modified>2011-01-03T22:26:39Z</modified>
<issued>2010-12-13T22:15:16Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2173</id>
<created>2010-12-13T22:15:16Z</created>
<summary type="text/plain">Es gibt Ausdrücke, deren Verwendung nicht immer ganz eindeutig bestimmt bzw. festgelegt werden kann. Dazu zählt sicher auch der Ausdruck „einen Beitrag leisten/erbringen“. Leistet man einen Beitrag immer für etwas? Und wenn ja, wie genau muss dieses gewisse Etwas bestimmt ...</summary>
<author>
<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|fehler</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="en-us" xml:base="http://www.korrekturen.de/sprachleben/">
<![CDATA[<p><img title="" alt="beitrag_fuer_etwas.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/beitrag_fuer_etwas.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Es gibt Ausdrücke, deren Verwendung nicht immer ganz eindeutig bestimmt bzw. festgelegt werden kann. Dazu zählt sicher auch der Ausdruck „einen Beitrag leisten/erbringen“.</p>

<p>Leistet man einen Beitrag immer für etwas? Und wenn ja, wie genau muss dieses gewisse Etwas bestimmt sein? Kann man ihn auch gegen etwas leisten?</p>]]>
<![CDATA[<h4>Der Beitrag für etwas, das wiederum gegen oder für etwas steht</h4>

<p>Völlig eindeutig (und deshalb richtig) ist die Verwendung des genannten Ausdruck in Konstellationen wie den folgenden:</p>

<p><em>Ich leiste einen Beitrag für den Kampf gegen die Armut auf der Welt.</p>

<p>Ich leiste einen Beitrag für die weltweiten Bemühungen, die Umwelt zu retten.</p>

<p>Ich leiste einen Beitrag für die Bemühungen um den Weltfrieden.</em></p>

<h4>Der Beitrag für etwas</h4>

<p>Der Duden nennt folgendes Beispiel:</p>

<p><em>Einen Beitrag für die Zukunft leisten. </em></p>

<p>Wenn man den Ausdruck „einen Beitrag leisten“ direkt mit einem einzelnen Bezugsbegriff verknüpft, dann handelt es sich um eine (stilistisch nicht immer einwandfreie) Verkürzung. Je genauer der Bezugsbegriff selbst oder durch den Kontext bestimmt ist, desto einwandfreier erscheint die Verkürzung. Im genannten Duden-Beispiel ist das Bezugswort die „Zukunft“. Die kontextuale Bedeutung unterschiedet sich hier stark von der reinen Wortbedeutung, gemeint ist nämlich „das Wohlergehen in der Zukunft“, „die finanzielle Absicherung in der Zukunft“ oder etwas Ähnliches. In einem solchen Zusammenhang ist die Verwendung eines verkürzten Bezugsbegriffs nicht zu bemängeln, wenn aus dem Kontext hervorgeht, was gemeint ist. Die kontextbezogene Verkürzung in der Sprache ist ein anerkanntes und häufig verwendetes Instrument.</p>

<p><em>Mein Beitrag für die Armutsbekämpfung</em></p>

<p>In diesem Beispiel ist schon der Bezugsbegriff selbst recht bestimmt. Gemeint ist eigentlich ein „Beitrag für den Kampf gegen die Armut“. Auch in einem solchen Fall ist die Verwendung von „einen Beitrag leisten“ kaum zu beanstanden, da schon alleine der Bezugsbegriff erläutert, wofür genau der Beitrag geleistet/erbracht wird.</p>

<p><em>Mein Beitrag für die Rechtschreibung</em></p>

<p>Schlichte Wörter wie „Rechtschreibung“ dagegen sind grundsätzlich erst mal neutral. Die Verwendung des Begriffs „einen Beitrag leisten“ mit einem so unbestimmten Bezugswort verlangt einen entsprechend deutlichen Kontext – und müsste wohl selbst dann als nicht einwandfreie stilistische Verkürzung angesehen werden. Man meint ja gerade – und das ist eine wesentliche, unmittelbar relevante Aussage in Bezug auf den Begriff „einen Beitrag leisten“ –, dass man für etwas steht/kämpft/ist, von dem man, zusammen mit allen anderen Beiträgen, einen gewissen Erfolg bzw. ein gewisses Ergebnis erwartet. Man kann einen Beitrag für die Vermittlung der richtigen Rechtschreibung im Internet leisten, man kann einen Beitrag für die Bekämpfung der falschen Schreibung in Blogs erbringen – aber wenn man einen Beitrag für die Rechtschreibung erbringt, dann spart man den Kern der Aussage aus. Bei starker kontextualer Einbettung ist die Verwendung einer solchen Verkürzung dagegen durchaus denkbar: Alle an der Rechtschreibreform Beteiligten leisteten einen großen Beitrag für die Rechtschreibung. Gemeint ist dann recht eindeutig: Alle an der Rechtschreibreform Beteiligten leisteten einen großen Beitrag für die Weiterentwicklung/Reformierung der Rechtschreibung.</p>

<h4>Der Beitrag gegen etwas</h4>

<p>Einen Beitrag gegen etwas kann man jedoch nicht leisten/erbringen. Hier handelt es sich nicht mehr nur um eine Verkürzung, sondern um einen falschen Bezug des Begriffs „einen Beitrag leisten“. Beiträge addieren sich immer zu einem Ganzen. Das Ganze kann zwar gegen etwas sein/stehen, aber der einzelne Beitrag kann das eben nicht. Der Begriff „einen Beitrag leisten/erbringen“ ist eindeutig positiv konnotiert, d. h. er hat einen positiv belegten Begriffsinhalt.</p>

<p><em>Mein Beitrag gegen den Krieg.</p>

<p>Ihr Beitrag gegen die Falschschreibung.</em></p>

<p>Bei solchen Konstellationen handelt es sich um Verkürzungen, die den Ausdruck „einen Beitrag leisten/erbringen“ in einen falschen Kontext stellen. Man meint ja, dass man einen Beitrag für etwas leistet, das sich wiederum für oder gegen etwas stellt bzw. einsetzt.  Wenn man das durch den zentralen Ausdruck selbst nicht mehr deutlich werden lässt, dann hilft auch ein deutlicher Kontext nicht. Man kann nicht etwas dagegen beitragen, dass das Wasser auf der Welt immer knapper wird, sondern nur etwas dazu beitragen, dass es dies nicht wird.<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Das Schwarze Brett: Substantivische Wortgruppen und feste Begriffe</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/das_schwarze_brett_substantivische_wortgruppen_und_feste_beg.shtml" />
<modified>2011-08-10T19:50:42Z</modified>
<issued>2010-12-12T19:21:30Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2172</id>
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<summary type="text/plain">Gestern habe ich einen Artikel zum Thema substantivische Zusammensetzungen veröffentlicht – heute kam mir in den Sinn, dass man das Thema substantivische Wortgruppen bzw. feste Begriffe in diesem Zusammenhang auch ansprechen sollte; das hole ich hier einfach nach. ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|regeln</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="das_schwarze_brett.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/das_schwarze_brett.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Gestern habe ich einen Artikel zum Thema substantivische Zusammensetzungen veröffentlicht – heute kam mir in den Sinn, dass man das Thema substantivische Wortgruppen bzw. feste Begriffe in diesem Zusammenhang auch ansprechen sollte; das hole ich hier einfach nach.</p>]]>
<![CDATA[<p>Substantivische Zusammensetzungen und mehrteilige Substantivierungen müssen zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben werden. Solche Zusammensetzungen mit Wortzwischenräumen zu schreiben, also als lose Fügungen bzw. Wortgruppen, widerspricht den grundlegenden Regeln der deutschen Sprache und verursacht empfindliche Schmerzen bei vielen Zeitgenossen. Es gibt aber eine Ausnahme, bei der ähnlich aussehende Konstellationen auch tatsächlich richtig sind: bei sogenannten substantivischen Wortgruppen.</p>

<p>Es handelt sich hierbei gerade nicht um Zusammensetzungen, sondern um Fügungen bzw. Verbindungen, bei denen der erste Bestandteil (fakultativ oder obligatorisch) großgeschrieben wird, obwohl dies von der Wortart her (Adjektiv) eigentlich nicht so sein dürfte. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Schwarze Brett.</p>

<p>Hierbei handelt es sich um ein Anschlagbrett oder eine Anschlagtafel, auf der Aushänge veröffentlich werden können; für bestimmte Personen meist unkompliziert ohne Genehmigung. Man findet solche Schwarzen Bretter in Supermärkten, Universitäten und an vielen anderen Orten.</p>

<p>Das Adjektiv <em>schwarz</em> müsste eigentlich kleingeschrieben werden – in der genannten Bedeutung kann man aber auch „Schwarzes Brett“ schreiben. Weshalb?</p>

<p>Folgende Regeln gelten:</p>

<h4>1. Feste Verbindungen mit neuer (idiomatischer) Gesamtbedeutung</h4>

<p>Wenn es sich um Wendungen handelt, deren Bedeutung sich gerade nicht aus der Bedeutung der Einzelwörter erschließt, dann kann man auch den ersten Bestandteil großschreiben. Das ist allerdings fakultativ, d. h. man kann den ersten Teil der Wendung, das Adjektiv, auch gemäß den grundsätzlichen Regeln kleinschreiben. Ob bei solchen Begriffen aus Adjektiv und Substantiv beide Bestandteile groß- (substantivische Wortgruppe) oder kleingeschrieben (fester Begriff) werden und man sie somit als substantivische Wortgruppe begreifen kann, bestimmen in der Regel der Schreibgebrauch und die Gesamtbedeutung.</p>

<p>Beispiele:</p>

<p><em>die Schwarze Liste, der Letzte Wille, der Weiße Tod, der Schwarze Tod, Schwarzer Peter (Kartenspiel), jemandem den Schwarzen Peter zuspielen (jdm. die Schuld geben)</em></p>

<p>oder </p>

<p><em>die schwarze Liste, der letzte Wille, der weiße Tod, der schwarze Tod, schwarzer Peter (Kartenspiel), jemandem den schwarzen Peter zuspielen (jdm. die Schuld geben)</em></p>

<p>Durch die Schreibung kann man besonders hervorheben, dass man den Begriff mit einer neuen Gesamtbedeutung verwenden möchte oder gerade nicht. Bei manchen Begriffen können dadurch deutlich unterschiedliche Bedeutungen gekennzeichnet werden: der letzte Wille (der letzte Wunsch eines Menschen) oder der Letzte Wille (das Testament eines Menschen). Insbesondere bei Farbbezeichnungen tritt die neue (idiomatische) Bedeutung besonders hervor, weil zum Beispiel ein Schwarzes Brett nicht unbedingt schwarz sein muss.</p>

<h4>2. Fachsprachliche Verbindungen</h4>

<p>Bei bestimmten Wortgruppen mit oft fachsprachlicher Herkunft ist ebenfalls die Großschreibung des ersten Bestandteils möglich, in diesem Fall oft sogar üblicher als die Kleinschreibung.</p>

<p>Beispiele:</p>

<p><em>die Gelbe Karte, die Rote Karte, die Erste Hilfe, der Goldene Schnitt, die Kleine Anfrage, die Große Anfrage, das Schwarze Loch </em></p>

<p>oder (meist seltener) </p>

<p><em>die gelbe Karte, die rote Karte, die erste Hilfe, der goldene Schnitt, die kleine Anfrage, die große Anfrage, das schwarze Loch</em></p>

<h4>3. Besondere Bezeichnungen</h4>

<p>Zwingend großgeschrieben werden alle Bestandteile von Titeln, Ehren- und Amtsbezeichnungen, besonderen Kalendertagen und Bezeichnungen von Arten, Unterarten und Rassen in Botanik und Zoologie.</p>

<p>Beispiele: <em>die Königlichen Hoheiten, der Heilige Vater, der Regierende Bürgermeister (Amtsbezeichnung), der Erste Vorsitzende, der Erste Geiger, Seine Heiligkeit, der Heilige Abend, am Weißen Sonntag, das Fleißige Lieschen, das Kletternde Löwenmaul</em></p>

<h4>4. Zweifelsfälle und Wortgruppen mit zwingender Adjektivkleinschreibung</h4>

<p>Ob die Großschreibung beider Bestandteile solcher Fügungen möglich ist, kann in manchen Fällen nicht eindeutig bestimmt werden. In manchen Fällen, in denen man eine andersartige Gesamtbedeutung vermuten könnte, ist sie sogar falsch. Folgende Anhaltspunkte hat man:</p>

<ul><li>Sprachgebrauch</li>
<li>Eigenbedeutung des Adjektivs in der Wortgruppe</li>
<li>Idiomatisierte Gesamtbedeutung</li></ul>

<p><strong>4.1 Keine Adjektivgroßschreibung</strong></p>

<p>Für viele Begriffe gilt die Adjektivgroßschreibung als falsch. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn das Adjektiv noch seine (volle) Eigenbedeutung besitzt und sich die Bedeutung direkt aus beiden Bestandteilen ergibt.</p>

<p>Beispiele: <em>italienischer Salat,  künstliche Intelligenz, das neue Jahr, die mittlere Reife, der olympische Gedanke, die erneuerbaren Energien</em></p>

<p>Richtig also auch: <em>frohes neues Jahr!</em></p>

<p>Aber: <em>frohes Neues!</em></p>

<p>Falsch: <em>frohes Neues Jahr!</em></p>

<p><strong>4.2 Zweifelsfälle oder Wortgruppen ohne entsprechenden lexikalischen Eintrag</strong></p>

<p>Das schwarze Schaf: Ein andersartiger Mensch, der sich von der Norm abhebt oder einfach anders ist als die anderen einer Gruppe. Zwar ist die gemeinte Person nicht im wörtlichen Sinne schwarz – aber ein Schaf ist in der Regel weiß. Man könnte hier einen Grenzfall erkennen – aber das Adjektiv <em>schwarz </em>hat hier noch eine starke, wenn auch übertragene Eigenbedeutung (ein „anderes“ Schaf), die hinter der idiomatischen Bedeutung des Substantivs (ein vergleichbarer Teil einer größeren Gruppe wird als Schaf bezeichnet) zurücktritt. Man möchte gerade betonen, dass jemand anders (schwarz) als ein normaler Vertreter einer Gruppe (Schaf) ist. Das Adjektiv hat hier somit nicht mehr die eigentliche, aber eine trotzdem stark adjektivische Bedeutung. In diesem Fall ist die Schreibung „das Schwarze Schaf“ also nicht richtig.</p>

<p>Die „schwarze Liste“ etwa ist im Duden ausschließlich mit kleingeschriebenem Adjektiv verzeichnet und nicht bei den Ausnahmen für substantivische Wortgruppen aufgeführt (wie z. B. das „Schwarze Brett“). Dabei handelt es sich bei einer „schwarzen Liste“ schlicht um eine sogenannte Negativliste (oft auch englisch: blacklist), in der Personen oder Dinge aufgelistet sind, die eine andere Bewertung bzw. Behandlung erfahren sollen (auch: Index). Diese Andersbehandlung erlangt gerade im Internet in Form einer technischen Einschränkung Bedeutung – etwa können bestimmte User auf Websites anhand ihrer Daten ausgesperrt werden. Es liegt also eine neue idiomatische Gesamtbedeutung vor, das Adjektiv <em>schwarz</em> steht nicht mehr in seiner ursprünglichen Bedeutung. Auch hier ist also neben der Schreibung „schwarze Liste“ die Adjektivgroßschreibung („Schwarze Liste“) möglich und so im Sprachgebrauch (siehe etwa <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Liste">Wikipedia</a>) außerhalb des Dudens bereits üblich.<br />
</p>]]>
</content>
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<entry>
<title>Der Horror mit den substantivischen Zusammensetzungen</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/der_horror_mit_den_substantivischen_zusammensetzungen.shtml" />
<modified>2011-01-22T02:50:33Z</modified>
<issued>2010-12-11T14:19:15Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2171</id>
<created>2010-12-11T14:19:15Z</created>
<summary type="text/plain">Verbindungen von und mit Substantiven und mehrteilige Substantivierungen werden groß- und zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben. Doch in der Realität sieht das oft ganz anders aus. Im Folgenden lesen Sie, was richtig ist und warum – und welch Horror einen ...</summary>
<author>
<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|regeln</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="substantivkomposita.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/substantivkomposita.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Verbindungen von und mit Substantiven und mehrteilige Substantivierungen werden groß- und zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben. Doch in der Realität sieht das oft ganz anders aus. Im Folgenden lesen Sie, was richtig ist und warum – und welch Horror einen oft im Netz erwartet.</p>]]>
<![CDATA[<p>Die deutsche Sprache ist reich an substantivischen Komposita, sie machen einen großen Teil ihres Wortschatzes aus und sind auch eine ihrer Besonderheiten, da sehr einfach neue (auch vielgliedrige) Verbindungen gebildet werden können; auch Zusammensetzungen aus bereits bestehenden Komposita. Dabei sind sehr lange Verbindungen möglich, man denke etwa an die Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze.</p>

<p>Bei Substantivkomposita bestimmt das letzte Wort den Sinn, die Deklination und das Genus. Wenn man die Reihenfolge tauscht, ergibt sich ein anderer Sinn: Vaterhaus oder Hausvater, Kuhmilch oder Milchkuh.</p>

<p>Wie eine Seuche breiten sich Wortzwischenräume in solchen Komposita aus. Es scheint ein Zeichen der Zeit zu sein, dass sie nicht mehr verbunden geschrieben werden, obwohl das zwingend ist.</p>

<p>Man kauft heutzutage Luxus Uhren, geht ins Fitness Center, isst Wildschwein Braten, dreht Privat Videos und arbeitet Freitag Abend im Büro Gebäude. Geschäfte werben mit Kennlern Angeboten und zum Frühstück erblickt man Sommerblüten Honig.</p>

<p>Was mir und sicher vielen anderen in den Augen wehtut, scheint sich immer mehr durchzusetzen. Es dürften unter anderem ein diffuses Missverständnis der Rechtschreibreform („man darf doch jetzt alles auseinanderschreiben“) und die gedankenlose Adaption von Regeln anderer Sprachen (insbesondere des Englischen) daran schuld sein, dass die deutsche Sprache hier nach und nach zerstückelt wird.</p>

<p>Dabei sind die einfachen Regeln der Zusammen- und Großschreibung eine unverzichtbare und wesentliche Grundlage: Die deutsche Sprache ermöglicht sehr kreative Wortbildungsprozesse, da bekannte Wörter oder Morpheme aufgrund ihrer Eigenarten schnell und relativ unkompliziert zu neuen Wörtern (welche noch nicht im deutschen Wortschatz etabliert sind und dementsprechend auch noch keinen lexikalischen Eintrag haben) zusammengesetzt werden können. Diese Zusammensetzungen werden auch „Ad-hoc-Komposita“ oder „Ad-hoc-Wortbildungen“ genannt. Sehr selten oder nur einmalig verwendete Wörter nennt man auch Gelegenheitsbildung oder Okkasionalismus (ein Wort, das jederzeit gebildet werden kann, aber nicht fester Bestandteil des Wortschatzes ist; auch: Gelegenheits- oder Augenblicksbildung). Aber auch für einfache Komposita, oft mit lexikalischem Eintrag, gilt: Man trifft sie immer häufiger mit Wortzwischenräumen an, als falsch geschriebene Fügungen bzw. Wortgruppen.</p>

<p>Der vermehrte Gebrauch und die Beliebtheit von Komposita im Deutschen erklären sich aus der weitgehend leicht zu bestimmenden Reihenfolge der Bestandteile und der damit verbundenen festen Bedeutung, der oft nicht nötigen genauen Bestimmung und Abstimmung der Beziehung der einzelnen Teile und der Möglichkeit, einfache Einheiten bzw. Teilwörter (Haus, bar, Un-) unkompliziert an- bzw. einzufügen.</p>

<p>Für Muttersprachler stellt das Zusammenfügen von Wörtern zu einem Kompositum meist kein Problem dar, denn Fugenlaute (etwa auch die Genitivendungen –s und –es) können oft nach Gefühl eingefügt werden. Es heißt Tagewerk, aber Tageslicht und Nachtlicht. Es heißt Kindergarten, Kindesentführung und Kindsmutter. Es gibt kaum generelle Regeln für die Bildung von Komposita. Lernt man Deutsch als Fremdsprache, müssen Komposita somit oft als Ganzes gelernt werden. Doch, eine grundlegende Regel lässt sich anführen, um auf das Grundthema zurückzukommen: Substantivische Komposita werden zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben.</p>

<p>Hier ein Regelüberblick (unter Berücksichtigung der Regeln zur Groß- und Kleinschreibung):</p>

<h4>1. Substantive</h4>

<p>Substantive (auch Nomen oder Hauptwörter genannt) werden großgeschrieben.</p>

<p>Beispiele: <em>Holz, Haus, Regen, Hund</em></p>

<h4>2. Zusammensetzungen aus mehreren Substantiven</h4>

<p>Zusammensetzungen aus mehreren Substantiven werden groß- und zusammengeschrieben.</p>

<p>Beispiele: <em>Holztisch, Regenbogen, Eisschrank</em></p>

<p>Auch bereits bestehende Komposita können dabei erneut verbunden werden.</p>

<p>Beispiele: <em>Reifendruckmessgerät (Reifendruck + Messgerät)</em></p>

<p>Dabei müssen teilweise auch Fugenlaute an den Wortgrenzen (Wortfugen) eingefügt werden oder ein Wort steht nur in seiner Stammform.</p>

<p>Beispiele: <em>Reichstag (Reich + s + Tag), Kronprinz (Krone + Prinz)</em></p>

<p>Das zugrunde liegende Wort kann in der Einzahl oder in der Mehrzahl stehen.</p>

<p>Beispiele: <em>Plastikgeschirr (Plastik + Geschirr), Eieruhr (Ei + Uhr)</em></p>

<p>Die Wörter in den Verbindungen können auch in ihrer Genitivform stehen.</p>

<p>Beispiele: <em>Tageslicht (Tag + Licht), Bundesbank (Bund + Bank), Verbandskasten (Verband + Kasten)</em></p>

<h4>3. Substantivierungen</h4>

<p>Substantivierungen werden großgeschrieben. Substantivierungen sind substantivisch gebrauchte Wörter, die eigentlich einer anderen Wortart entstammen.</p>

<p>Beispiele: <em>das Schwimmen (vom Verb <em>schwimmen</em>), das Schöne (vom Adjektiv <em>schön</em>), die Hässliche (vom Adjektiv <em>hässlich</em>)</em></p>

<h4>4. Zusammensetzungen von Substantiven mit anderen Wörtern</h4>

<p>Zusammensetzungen von Substantiven mit anderen Wörtern werden groß- und zusammengeschrieben, wenn sie insgesamt substantivisch ( als Substantivierung) gebraucht werden.</p>

<p>Beispiele: <em>das Suppengrün (Substantiv + Adjektiv), das Tennisspielen (Substantiv + Verb)</em></p>

<p>Wenn der letzte Bestandteil ein Substantiv ist, dann liegt immer auch insgesamt ein Substantiv vor. Andere Bestandteile können dabei anderen Wortformen entstammen (Adjektiv, Verbstamm, Präposition, Partikel, Eigenname).</p>

<p>Beispiele: <em>Gelbwurst (Adjektiv + Substantiv), Schwimmbrille (Verbstamm + Substantiv)</em></p>

<p>Wenn der letzte Bestandteil kein Substantiv ist, dann wird trotzdem zusammen- und großgeschrieben, wenn insgesamt eine substantivisch gebrauchte Verbindung vorliegt. Häufig weist ein bestimmter Artikel auf diesen substantivischen Gebrauch hin.</p>

<p>Beispiele: <em>das Kartenspielen (Substantiv + Verb), das Menschenmögliche (Substantiv + Adjektiv), das Stelldichein (Verb + Pronomen + Adverb)</em></p>

<p>Wenn dies nicht der Fall ist, kann man die Substantivierung durch das probeweise Einsetzen eines Artikels erkennen.</p>

<p>Probe: <em>So lange dauert es nicht mehr und (das) Kartenspielen ist ein toller Zeitvertreib.</em></p>

<h4>5. Bindestrichschreibung</h4>

<p>Die Bindestrichschreibung ist immer dann gefragt, wenn die substantivischen Komposita komplex sind (insbesondere bei mehr als zwei Bestandteilen) oder verdeutlicht bzw. gekennzeichnet werden soll, was gemeint ist. Dabei wird durch den Bindstrich verbunden, wenn insgesamt ein Substantiv oder eine substantivisch gebrauchte Verbindung vorliegt. Das kann zwingend so sein, wenn verschiedenartige Bestandteile voneinander abgegrenzt werden müssen – oder fakultativ (nach eigenem Ermessen), wenn sie als stilistisches Mittel oder zur Verdeutlichung benutzt werden. Einzelne Bestandteile können dabei auch kleingeschrieben werden.</p>

<p>Wenn drei gleiche Buchstaben zusammentreffen, kann durch Bindestrich getrennt geschrieben werden und bei Zusammensetzungen mit Abkürzungen, Einzelbuchstaben und Ziffern steht ebenfalls ein Bindestrich. Als Nomen verwendete erweiterte Infinitive schreibt man mit Bindestrichen, wenn sie aus mehr als zwei Teilen bestehen.</p>

<p>Beispiele: <em>das Dicke-Wälzer-Lesen, das In-der-Mikrowelle-Aufwärmen, der Kaffee-Ersatz, S-Kurve, das In-der-Nase-Bohren (aber: das Kaffeetrinken, da dieser erweiterte Infinitiv nur aus zwei Teilen besteht), das Zugrunderichten oder das Zu-Grunde-Richten (die zugrunde liegende Wortgruppe kann fakultativ in zwei oder in mehreren Teilen geschrieben werden). </em></p>

<p>Das Trennen von substantivischen Verbindungen durch Bindestriche kann nötig sein, um das Gemeinte klarzustellen.</p>

<p>Beispiele: <em>das Musiker-Leben, das Musik-Erleben, das Druck-Erzeugnis, das Drucker-Zeugnis</em></p>

<p>Nicht substantivische Wörter oder Einzelbuchstaben, wenn sie am Anfang einer Zusammensetzung stehen, die als Ganzes die Eigenschaften eines Substantivs hat, werden ebenfalls großgeschrieben und mit Bindestrich verbunden.</p>

<p>Beispiele: <em>das In-den-Tag-hinein-Leben, der Trimm-dich-Pfad, die S-Kurve</em></p>

<p>Wenn einzelne Bestandteile bereits mit Bindestrich geschrieben werden, gilt die Bindestrichschreibung auch für das gesamte Kompositum.</p>

<p>Beispiele: <em>A-Dur-Tonleiter, S-Kurven-Strecke</em></p>

<p>Abkürzungen sowie zitierte Wortformen und Einzelbuchstaben und dergleichen bleiben in mehrteiligen Substantivierungen unverändert, können dann also auch am Anfang der mehrteiligen Substantivierung bzw. des mehrteiligen Substantivs kleingeschrieben werden. Einzelbuchstaben als Bestandteil werden ebenfalls großgeschrieben, soweit nicht gerade auf die Kleinschreibung Bezug genommen wird.</p>

<p>Beispiele: <em>Der i-Punkt (der Punkt auf dem kleinen i), der pH-Wert, der dass-Satz, das a-Moll (vom Ton a), das C-Dur (vom Ton C)</em></p>

<p>Beispiele: <em>die x-Achse (x = die eine bestimmte Zahl repräsentierende Unbekannte in einer Gleichung aus der Mathematik), jeder x-Beliebige (abgeleitet von x-beliebig, auch hier ist die mathematische Unbekannte gemeint)</em></p>

<p>Beispiele: <em>s-Kurve oder S-Kurve (fakultativ, da die Form eines großen oder kleinen s gemeint sein kann; das gilt dann auch für adjektivische Fügungen: s-kurvig oder S-kurvig)</em></p>

<p>Beispiele: <em>die T-Form (groß, wenn – wie in der Regel – gerade die Form des großen T gemeint ist) </em></p>

<p>Beispiele: <em>O-Beine / X-Beine (Hier ist die Großschreibung geboten, weil die Form des großen und des kleinen x bzw. o kaum zu unterscheiden ist und dann nach den Regeln in substantivischen Fügungen auch Einzelbuchstaben großgeschrieben werden. Bei adjektivischen Fügungen steht dann aber auch eher der kleine Buchstabe – o-beinig, x-beinig <nobr>–,</nobr> wobei auch die Großschreibung möglich ist, wenn man auf das zugrunde liegende Substantiv Bezug nimmt: O-beinig, X-beinig.)<br />
</em></p>

<p>In Ziffern geschriebene Zahlen werden nach der neuen Rechtschreibung bei allen Zusammensetzungen vom Rest des Wortes abgesetzt.</p>

<p>Beispiele: <em>der 8-Pfünder, der 27-Tonner, der 31-Jährige</em></p>

<p>Nur Suffixe werden weiterhin ohne Bindestrich angeschlossen.</p>

<p>Beispiele: <em>der 68er, die 80er-Jahre</em></p>

<p>Teilweise muss man unterschieden, ob ein Wort attributiv oder als Substantivierung gebraucht wird bzw. ob man einen Begriff als Fügung oder Kompositum begreift.</p>

<p>Beispiele: <em>die Achtziger (großgeschrieben, wenn es als Substantivierung gebraucht wird, aber kleingeschrieben, wenn es attributiv verwendet wird: Eine achtziger Briefmarke)</em> </p>

<p>Beispiele: <em>Die achtziger Jahre / die Achtziger-Jahre; 80er Jahre / 80er-Jahre (hier sind beide Schreibweisen möglich, je nachdem, ob man ein substantivisches Kompositum oder eine Fügung aus attributivem Adjektiv und Substantiv verwenden möchte. Die Bedeutung unterscheidet sich hier jedoch nicht.)</em></p>

<p>Der Bindestrich wird zwischen allen Teilen von Wortzusammensetzungen verwendet, die Aneinanderreihungen oder Wortgruppen enthalten.</p>

<p>Beispiele: <em>Das Entweder-oder (Aneinanderreihung), die Augen-Hand-Koordination (Zusammensetzung mit Aneinanderreihung), der De-facto-Anschluss, der Tour-de-France-Start (Zusammensetzungen mit Wortgruppe),  der Vitamin-C-Komplex, die 50-Cent-Münze (auch bei Zusammensetzungen mit Wortgruppen mit Einzelbuchstaben und Ziffern)</em></p>

<h4>6. Eigennamen</h4>

<p>Für Eigennamen gelten besondere Regeln.</p>

<p>Bei Zusammensetzungen aus zwei Namen sowie bei Zusammensetzungen, in denen der zweite Teil ein Name ist, setzt man einen Bindestrich.</p>

<p>Beispiele: <em>Frau Leutheusser-Schnarrenberger, Huber-Rosi, Foto-Meier</em></p>

<p>Amtliche Regeln können von den hier genannten Grundsätzen abweichen. Auch bei der Namensgebung von Geschäften oder Ähnlichem wird der Bindestrich oft nicht gesetzt (Foto Meier) – häufig spürt man dabei das meist auf Schildern verewigte mangelnde Sprachgefühl (man denke auch an den so beliebten Apostroph).</p>

<p>Wenn eine Zusammensetzung mit einem Eigennamen nicht mehr ein Eigenname, sondern eine allgemeinere Bezeichnung ist, wird zusammengeschrieben.</p>

<p>Beispiele: <em>Meckerfritze, Zappelphilipp, Heulsuse</em></p>

<p>Geografische Eigennamen werden grundsätzlich mit Bindestrich verbunden.</p>

<p>Beispiele: <em>Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Hamburg-Altona</em></p>

<p>Von dieser Regel wird aber häufig abgewichen.</p>

<p>Beispiele: <em>Neubrandenburg, Weißrussland, Grindelwald</em></p>

<p>Als Anhaltspunkt für die Zusammenschreibung können die folgenden Bestandteile gelten:</p>

<p>Nord/Süd/West/Ost (Nordspanien, Westeuropa, Südschwarzwald, Westindien, Ostberlin) </p>

<p>Mittel (Mittelfranken, Mittelamerika)</p>

<p>zentral (Zentralafrika, Zentralamerika)</p>

<p>ober/unter (Oberammergau, Unterschleißheim)</p>

<p>nieder/hinter/vorder (Niederösterreich, Hinterindien, Vorderrhein)</p>

<p>Immer getrennt geschrieben wird, wenn der erste Bestandteil St., Sankt oder Bad ist. Auch dann, wenn es sich beim folgenden Eigennamen um eine Zusammensetzung mit Bindestrich handelt.</p>

<p>Beispiele: <em>Bad Harzburg, Sankt Peter-Ording</em></p>

<p>Zusammensetzungen mit einfachen Eigennamen an erster Stelle werden meistens zusammengeschrieben. Wenn der Name besonders hervorgehoben werden soll oder wenn der Name vor einem zusammengesetzten Wort steht, kann ein Bindestrich verwendet werden.</p>

<p>Beispiele: <em>Achillesferse, Amazonasmündung / Amazonas-Mündung, Schubertlieder / Schubert-Lieder, Donauschifffahrt / Donau-Schifffahrt, Hesse-Jubiläumsausgabe / Hessejubiläumsausgabe</em> (Man beachte die verschiedenen möglichen Betonungen, die deutlich machen, dass es sich genau um diese Mündung, Lieder und so weiter handelt. Bei Achillesferse ist diese wechselnde Betonung auch möglich, da man aber die Achillesferse und nicht die Ferse von Achilles meint, macht die Trennung durch Bindestrich keinen Sinn. Siehe dazu auch weiter oben die Ausführung zu allgemeinen Bezeichnungen mit Eigennamen.)</p>

<p>Zusammensetzungen mit mehreren oder mehrteiligen Eigennamen an erster Stelle schreibt man mit Bindestrich.</p>

<p>Besipiele: <em>Goethe-Schiller-Denkmal, Sankt-Johannes-Kirche, Rio-de-la-Plata-Mündung</em></p>

<p>Namenszusätze wie <em>von, van, de, da</em> schreibt man innerhalb einer Zusammensetzung klein (<em>Rosa-von-Luxemburg-Straße</em>), am Anfang eines zusammengesetzten Nomens groß (ein <em>Van-Gogh-Gemälde</em>) und am Anfang eines zusammengesetzten Adjektivs klein (<em>da-Vinci-artig, de-Gaulle-treu</em>).</p>

<p>Ableitungen von Namen mit Bindestrich schreibt man ebenfalls mit Bindestrich.</p>

<p>Beispiele: <em>Rheinland-Pfälzerin, Alt-Wiener</em></p>

<p>Ableitungen von mehreren oder getrennt geschriebenen Namen schreibt man mit Bindestrich. Ableitungen mit -er und bei Personenbezeichnungen auch die weibliche Variante (-erin) können auch ohne Bindestrich geschrieben werden.</p>

<p>Beispiele: <em>Karl-Marx’sche Lehre, Costa-Ricaner / Costa Ricaner, New-Yorkerin / New Yorkerin</em></p>

<h4>7. Substantive aus anderen Sprachen</h4>

<p>Substantive aus anderen Sprachen werden nur dann so wie in der Ursprungssprache geschrieben (also etwa klein und auseinander), wenn sie als Zitate stehen. Ansonsten werden sie großgeschrieben, und auch fremde Komposita werden in der Regel wie heimische Komposita zusammen- oder mit Bindestrich (etwa bei Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben, genau wie bei deutschen Verbindungen) geschrieben. Das gilt auch für Verbindungen mit deutschen und fremdsprachlichen Bestandteilen.</p>

<p>Beispiele: <em>der Drink, das Bike, der Bulldozer, das Teamwork, der Worldcup, der Folksong, das Brainstorming, die E-Mail, der Bestseller, die Lernsoftware, das Direktmarketing</em></p>

<p>Bei mehrteiligen Substantiven  bzw. Substantivierungen kann oder muss jedoch oft die Getrennt- und/oder Kleinschreibung erhalten bleiben, wenn es sich nicht um klassische Verbindungen aus zwei Substantiven oder Substantiv und Verb handelt. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn Ausdrücke so nicht im Deutschen stehen würden (Beispiel: nachgestelltes Adjektiv). Der erste Bestandteil wird dabei aber immer großgeschrieben. Wörter werden auch im Innern mehrteiliger fremdsprachiger Fügungen, die als Ganzes die Funktion eines Substantivs haben, großgeschrieben, wenn es sich dabei um Nomen handelt.</p>

<p>Beispiele: <em>das Cordon bleu, der Status quo, das Eau de Parfum, die Ultima Ratio, das Corpus Delicti<br />
</em></p>

<p>Nur in fremdsprachlichen adverbialen Wendungen werden auch Nomen kleingeschrieben und die Fügungen (Wortgruppen) bleiben getrennt.</p>

<p>Beispiele: <em>a cappella, à discrétion, coram publico, de facto, de jure, ex cathedra, in flagranti, in spe, pro rata</em></p>

<p>Hier ist nur die Getrenntschreibung möglich, da es sich um feste Verbindungen handelt, die oft mit Verbindungen der deutschen Sprache vergleichbar sind.</p>

<p>Zusammensetzungen von einem Adjektiv und einem Nomen, die aus dem Englischen stammen, werden wie in der Ursprungssprache getrennt geschrieben.</p>

<p>Beispiele: <em>High Society, Electronic Banking, New Economy</em></p>

<p>Wenn die Betonung nur auf dem ersten Bestandteil liegen kann, ist dann auch die Zusammenschreibung möglich, wenn das Erstglied eines Kompositums ein Adjektiv oder ein Partizip ist. Schreibt man auseinander, dann wird aber auch der erste Bestandteil anders als bei entsprechenden deutschen Verbindungen (gekochte Wust) großgeschrieben, obwohl es sich um ein Adjektiv oder Partizip handelt.</p>

<p>Beispiele: <em>das Corned Beef oder das Cornedbeef, der Soft Drink oder der Softdrink, das Happy End oder das Happyend, nur: High Society, Electronic Banking, New Economy</em></p>

<p>Auch wenn fremde Wortverbindungen eigentlich getrennt geschrieben werden, wird in einem Kompositum insgesamt nach den normalen Regeln (der Bindestrich wird zwischen allen Teilen von Wortzusammensetzungen verwendet, die Aneinanderreihungen oder Wortgruppen enthalten) mit Bindestrich geschrieben. Das erste Wort wird dann ebenfalls großgeschrieben; bei Zusammensetzungen mit fremdsprachigen adverbialen Fügungen werden allerdings Nomen auch in dieser Zusammensetzung weiterhin kleingeschrieben (s. o.: fremdsprachliche adverbiale Fügungen).</p>

<p>Beispiele: <em>die De-facto-Anerkennung, der A-cappella-Chor (Zusammensetzungen mit fremdsprachlichen adverbialen Fügungen), das Electronic-Banking-Terminal</em></p>

<p>Bei Fremdwörtern aus dem Englischen, die aus einem Verb und einer Präposition oder einem Adverb bestehen, wird in der Regel die Bindestrichschreibung der Zusammenschreibung vorgezogen. Wird das Wort jedoch bereits im Englischen üblicherweise zusammengeschrieben, verzichtet man eher auf den Bindestrich. Im Deutschen sind dann aber jeweils beide Varianten richtig:</p>

<p>Beispiele: <em>das Know-how oder das Knowhow, das Feedback oder das Feed-back</em></p>

<p>Aus anderen Sprachen stammende Verbindungen aus Substantiv und Substantiv, die sich im Deutschen grammatisch wie Zusammensetzungen verhalten, werden zusammengeschrieben.</p>

<p>Beispiele: <em>Sexappeal, Sciencefiction</em></p>

<p>Aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit oder zur Hervorhebung eines Bestandteils kann ein Bindestrich gesetzt werden.</p>

<p>Beispiele: <em>Centre-Court oder Centrecourt, Callcenter oder Call-Center, Desktop-Publishing oder Desktoppublishing, Sex-Appeal oder Sexappeal, Science-Fiction oder Sciencefiction</em></p>

<p>Aus dem Englischen stammende Nomen, die sich aus einem Verb und einem Partikel zusammensetzen, werden mit Bindestrich geschrieben. Sie können auch zusammengeschrieben werden, wenn dies die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt</p>

<p>Beispiele: <em>Back-up oder Backup, Black-out oder Blackout, Count-down oder Countdown, aber nur: Make-up, Go-in (da ansonsten schlecht lesbar: Makeup, Goin)</em></p>

<h4>8. Begriffserklärungen</h4>

<p><strong>Substantivkompositum</strong><br />
Kompositum (Wortzusammensetzung) mit einem Substantiv als letztem Bestandteil. Auch Substantivverbindung, Substantivzusammensetzung, zusammengesetztes Substantiv oder Nominalkompositum genannt. (Der Begriff Nominalkompositum kann auch für Verbindungen gebraucht werden, die insgesamt kein Substantiv bzw. keine Substantivierung sind, da der Begriff Nomen auch als zusammenfassende Bezeichnung für deklinierbare Wörter (Substantive und Adjektive) gebraucht wird.)</p>

<p><strong>Substantivierung</strong><br />
Substantivierungen sind substantivisch gebrauchte Wörter, die eigentlich einer anderen Wortart entstammen. Es können auch mehrteilige Substantivierungen, auch mit Substantiven als Bestandteilen, gebildet werden. Wenn der letzte Teil ein Substantiv ist, handelt es sich um ein Substantivkompositum.</p>

<p><strong>substantivisch</strong><br />
Das Substantiv betreffend, wie ein Substantiv oder als Substantiv gebraucht, durch ein Substantiv ausgedrückt; haupt- oder dingwörtlich. Kann also für Substantive genauso wie für substantivierte Wörter gebraucht werden.</p>

<h4>9. Sonstiges</h4>

<p>Adjektive, die nur prädikativ und adverbial gebraucht werden können, müssen (wenn sie vor dem Substantiv stehen sollen) mit dem Verb zusammen- bzw. mit Bindestrich geschrieben werden. Die (getrennte) attributive Verwendung ist nicht möglich.</p>

<p>Beispiele: <em>die Gratis-Eintrittskarte, das Umsonst-Kommen (oder: Umsonstkommen)</em></p>

<p>Siehe auch: <a href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibfehler/der_gratis_supersnack_fuer_jeden.shtml">Der gratis SuperSnack für jeden ...</a></p>

<p>Bei Verbindungen wie Riesenangst oder Riesenauswahl steht Riesen- als verstärkender Zusatz und es muss mit dem Substantiv zusammengeschrieben werden. Eine attributive Verwendung ist nicht möglich, denn es handelt sich dabei nicht um ein Adjektiv (riesig), sondern um ein Kompositionsglied (Affixoid).</p>

<p>So schwer ist es doch gar nicht ... Auf den Erhalt der Zusammenschreibung in der deutschen Sprache!<br />
</p>]]>
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<title>Dass das das das dass ersetzt, willst Du das?</title>
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<modified>2011-01-03T22:28:57Z</modified>
<issued>2010-12-09T20:04:26Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2177</id>
<created>2010-12-09T20:04:26Z</created>
<summary type="text/plain">Ein absoluter Dauerbrenner auf dem weiten Feld der deutschen Rechtschreibung ist die Unterscheidung zwischen das und dass. Gar nicht schwer, für viele selbstverständlich – aber im Internet millionenfach falsch zu lesen. Manch einem mag es völlig egal sein, aber vielen ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|fehler</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="das_dass.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/das_dass.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Ein absoluter Dauerbrenner auf dem weiten Feld der deutschen Rechtschreibung ist die Unterscheidung zwischen <em>das </em>und <em>dass</em>. Gar nicht schwer, für viele selbstverständlich – aber im Internet millionenfach falsch zu lesen. Manch einem mag es völlig egal sein, aber vielen tut es schrecklich in den Augen weh:</p>]]>
<![CDATA[<p><em>„Das ich WordPress für eine flexible und mächtige Applikation halte, ist sicher bekannt. (...)"</em></p>

<p>Ein Auszug von der Website eines engagierten Bloggers. Klar, viele Menschen schreiben in ihrer freien Zeit und es steht eben kein privater Korrektor zur Verfügung – da können sich immer Tippfehler einschleichen und sind selbst auf den Websites namhafter Zeitungen an der Tagesordnung. Doch Fehler bei der Verwendung der so geläufigen Wörter <em>das </em>und <em>dass </em>hinterlassen einfach einen komischen Eindruck. Als Leser geht man wie selbstverständlich davon aus, dass der Autor eines Textes bereits in der Grundschule verinnerlicht haben müsste, was es mit den beiden Wörtern auf sich hat.</p>

<p>Natürlich ist Rechtschreibung nicht alles, natürlich macht es oft keinen Sinn, sich an einem Buchstaben aufzuhängen. Aber egal ist Rechtschreibung nie und eben besonders dann nicht, wenn man mit seinen Texten andere Menschen erreichen möchte. Viele Menschen lassen sich sicher nicht ohne Hintergedanken von jemandem über irgendetwas informieren, der die einfachsten Grundregeln seiner Muttersprache nicht beherrscht.<br />
</p>]]>
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<title>Anfang nächster Woche oder Anfang nächste Woche</title>
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<modified>2011-01-04T22:44:03Z</modified>
<issued>2010-11-27T18:28:03Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2170</id>
<created>2010-11-27T18:28:03Z</created>
<summary type="text/plain">Diese Woche schafft man es nicht mehr, aber Anfang nächster Woche schon. Letztens wurde mir die Frage gestellt, ob man stattdessen nicht auch schreiben könne, dass man etwas „Anfang nächste Woche“ schaffe, und ob diese Flexion nicht sogar die richtige ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|regeln</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="genitiv.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/genitiv.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Diese Woche schafft man es nicht mehr, aber Anfang nächster Woche schon. Letztens wurde mir die Frage gestellt, ob man stattdessen nicht auch schreiben könne, dass man etwas „Anfang nächste Woche“ schaffe, und ob diese Flexion nicht sogar die richtige sei. Zu diesem Beitrag wurde ich animiert, weil Google zum Problem mit diesem konkreten Ausdruck (Anfang diese/dieser Woche) keine direkte Antwort liefert.</p>]]>
<![CDATA[<p>Die Antwort vorweg: Natürlich ist nur <em>Anfang nächster Woche</em> richtig.</p>

<p><em>Nächste Woche</em> steht hier im Genitiv. Der Wesfall (Genitiv) verlangt natürlich eine entsprechende Flexion. Völlig selbsterklärend ist das auf den zweiten Blick vielleicht nicht, auch wenn die meisten Menschen schon vom Gefühl her <em>nächster Woche</em> schreiben würden. Die Gründe sind hier wohl die, dass man <em>nächste</em> bezüglich seiner Wortform nicht sofort einordnen kann und dass sich „Anfang nächste Woche“ gar nicht so falsch anhört.</p>

<h4>nahe, nähere, nächste</h4>

<p><em>Nächste</em> ist ein Adjektiv; genauer ist es die Superlativform des Adjektivs „nah/nahe“. Und hier ist die Form für den Genitiv (feminin, Singular) eben „nächster“. Wenn ein bestimmter Artikel vorangeht, dann ändert sich (in diesem Fall) aber auch die Endung des flektierten Adjektivs, weil statt der starken Flexion eine schwache steht: Anfang der nächsten Woche schaffe ich es.</p>

<p>Eine schöne <a href="http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=inflection&input=nahe&features=%28Cat+A%29&country=D&lookup=caseInSensitive">Übersicht zur Flexion von nahe/nah</a> findet man bei canoonet.</p>

<h4>Das hört sich nicht falsch an</h4>

<p>Einen <a href="http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,325940,00.html">Beitrag</a> zu diesem Thema hat Bastian Sick in seiner Reihe „Zwiebelfisch-Abc“ geschrieben. Darin ging es um den Ausdruck „Anfang dieses Jahres / Anfang diesen Jahres“. Hierbei hilft übrigens auch Google weiter und führt einen recht schnell zum genannten Artikel. In dieser Konstellation ist natürlich auch nur „Anfang dieses Jahres“ richtig. „Dieser“ ist ein Demonstrativpronomen und die Genitivendung, wenn es mit Jahr (sächlich, Singular) steht, ist „dieses“.</p>

<p>Die Besonderheit ist hier, dass die Endung bei „dieser“ nicht wechselt; es ist ein Demonstrativpronomen. Bei Adjektiven wechselt die Flexion, je nachdem, ob ein bestimmter Artikel oder ein Possesivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort: <em>mein, dein, sein, ihr, unser, euer, ihr</em>), das Indefinitpronomen „kein“ oder der unbestimmte Artikel „ein“ vorausgeht.</p>

<p>So wechselt die Flexion:</p>

<p>Starke Flexion (ohne Artikelwort): <em>Anfang vergangener Woche</em>.</p>

<p>Schwache Flexion (mit bestimmtem Artikel): <em>Anfang der vergangenen Woche</em>.</p>

<p>Wechselnde Flexion (mit sonstigem Artikelwort): „Der Anfang eines vergangenen Wochenendes (schwache Flexion) / Kein vergangenes Wochenende (starke Flexion, Singular, Neutrum – Genus, Numerus und Kasus sind nicht schon durch das Artikelwort bestimmt).</p>

<p>Fehler in diesem Bereich werden jedoch häufig gemacht, man findet sie auch in renommierten Zeitungen. Das muss aber nicht sein: Wenn man nicht sicher ist, welche Endung korrekt ist, dann hilft es immer weiter, wenn man den Genitiv mit einem anderen Bezugswort bildet:</p>

<p>Anfang nächste Woche – zu Beginn nächste Woche = falsch<br />
Anfang nächster Woche – zu Beginn nächster Woche = richtig</p>

<p>Sätze, bei denen diese Genitiv-Ungewissheit auftreten kann:</p>

<p>Anfang dieser Woche komme ich zu Dir.<br />
(Falsch: Anfang diese Woche komme ich zu Dir.)</p>

<p>Ich werde es Anfang dieser Woche erledigen.<br />
(Falsch: Ich werde es Anfang diese Woche erledigen.)</p>

<p>Anfang dieses Monats werde ich umziehen.<br />
(Falsch: Anfang diesen Monats werde ich umziehen.)</p>

<p>Im Sommer dieses Jahres erwarten die Wissenschaftler Rekordtemperaturen.<br />
(Falsch: Im Sommer diesen Jahres erwarten die Wissenschaftler Rekordtemperaturen.)</p>

<p>Ende dieses Quartals werden wir rote Zahlen schreiben.<br />
(Falsch: Ende diesen Quartals werden wir rote Zahlen schreiben.)<br />
</p>]]>
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<title>Der gratis SuperSnack für jeden ...</title>
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<modified>2011-01-04T13:11:04Z</modified>
<issued>2010-11-25T13:03:00Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2169</id>
<created>2010-11-25T13:03:00Z</created>
<summary type="text/plain">Aral wirbt auf Facebook dafür, dass man gratis einen SuperSnack erhält, wenn man „Fan“ der PetitBistro-Seite in diesem sozialen Netzwerk wird. Dabei ist ein technischer Fehler aufgetreten, auf den prompt und inklusive eines netten Rechtschreibfehlers reagiert wurde. ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|fehler</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="gratis.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/gratis.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Aral wirbt auf Facebook dafür, dass man gratis einen SuperSnack erhält, wenn man „Fan“ der PetitBistro-Seite in diesem sozialen Netzwerk wird. Dabei ist ein technischer Fehler aufgetreten, auf den prompt und inklusive eines netten Rechtschreibfehlers reagiert wurde.</p>]]>
<![CDATA[<p><em>„Wir freuen uns, dass die Aktion bei Euch so regen Zuspruch findet. Leider sind unsere Server zurzeit überlastet. Wir versuchen das Problem so schnell wie möglich zu lösen und bitte Euch bis dahin um etwas Geduld, falls der Ausdruck mal nicht klappen sollte.</p>

<p>Wir können Euch aber beruhigen, die Aktion läuft noch 2 Wochen ...und jeder bekommt seinen gratis SuperSnack. Versprochen!“</em></p>

<p>Hoffentlich, ich würde jedenfalls gerne einen kostenlosen SuperSnack probieren.</p>

<p>Aber: Gratis ist zwar ein Adjektiv – kann aber nur prädikativ oder adverbial stehen (und ist nicht deklinierbar). Also: „der SuperSnack ist gratis“ oder „man erhält gratis einen Supersnack“. Ansonsten müsste es Gratis-SuperSnack heißen.</p>

<p>Hoffentlich ist das Warten nicht umsonst – auch für umsonst gilt übrigens das Gleiche: nicht deklinierbar, nur prädikativ oder adverbial. Ein umsonstes Warten und einen gratis (oder gratisen) SuperSnack gibt es nicht.</p>

<p>Übrigens: Mit <a href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/zeichensetzung/die_auslassung_vor_den_auslassungspunkten.shtml">Auslassungspunkten</a> kann man bei Aral auch nicht umgehen.</p>

<p>Guten Appetit!<br />
</p>]]>
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<title>Nicht mehr, nicht weniger, ofenfrisch!</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/sprachgeschehen/nicht_mehr_nicht_weniger_ofenfrisch.shtml" />
<modified>2011-01-03T13:39:59Z</modified>
<issued>2010-11-23T09:32:38Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2168</id>
<created>2010-11-23T09:32:38Z</created>
<summary type="text/plain">Es gibt eine kleine Bäckerei in München, die man noch als wirklichen Handwerksbetrieb bezeichnen kann. Jeden Morgen wird der Teig für die Brote, Brötchen, Brezeln und Kuchen frisch angesetzt, man bekommt gehaltvolle Vollkorn-Backwaren, knackige Brote und alles schmeckt frisch und ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|geschehen</dc:subject>
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<![CDATA[<p><img title="" alt="ofenfrisch.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/ofenfrisch.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Es gibt eine kleine Bäckerei in München, die man noch als wirklichen Handwerksbetrieb bezeichnen kann. Jeden Morgen wird der Teig für die Brote, Brötchen, Brezeln und Kuchen frisch angesetzt, man bekommt gehaltvolle Vollkorn-Backwaren, knackige Brote und alles schmeckt frisch und gut. Zwei Bäckermeister, die ihre eigenen Rezepte hüten, ein Familienbetrieb, der auch ausbildet.</p>]]>
<![CDATA[<p>Doch im ganzen Geschäft findet sich nirgendwo das Wort „ofenfrisch“ – ein Wort, das man heutzutage in nahezu jeder anderen Bäckerei findet. Was für ein Segen! Mir war noch nie ganz klar, weshalb dieses Wort von Bäckereien so selbstverständlich und energisch als Werbung verwendet wird und die Kunden es (scheinbar) ohne Widerspruch als positive Werbebotschaft akzeptieren. Wirkt es sogar verkaufsfördernd?</p>

<p>Ein moderner „Bäcker“ nimmt tiefgekühlte Teiglinge (schon geformte, backfertige Teigstücke) aus Plastikverpackungen und schiebt sie in einen Ofen. Er bäckt sie auf. Bei Bäckereiketten mit mehreren Filialen werden Brote und andere größere Backwaren jeden Morgen angeliefert. Wohl, weil in den Filialen kein Platz für genügend Öfen ist oder das ausgelagerte Aufbacken insgesamt preiswerter ist. </p>

<p>Was ist also die Werbeaussage des Wörtchens „ofenfrisch“? Es ist doch wohl selbstverständlich, dass das Brot oder die Brötchen, die man beim Bäcker kauft, vor kurzem im Ofen waren. Maschinell hergestellt, irgendwo, nicht vom Bäcker um die Ecke, mit Zusatzstoffen und aufgeblasen – aber aus dem Ofen!</p>

<p>Nicht mehr, nicht weniger, ofenfrisch!</p>

<p>Interessant: Der Tiefkühl-Lieferant apetito wirbt mit dem netten Wörtchen "tiefkühlfrisch" ...</p>]]>
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<title>Dies ist eine Webseite einer Website</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.korrekturen.de/sprachleben/sprache_im_internet/dies_ist_eine_webseite_einer_website.shtml" />
<modified>2011-01-05T23:46:32Z</modified>
<issued>2010-11-20T06:19:28Z</issued>
<id>tag:www.korrekturen.de,2010:/sprachleben//9.2167</id>
<created>2010-11-20T06:19:28Z</created>
<summary type="text/plain">Es kann nie schaden, wenn man die wichtigsten Begrifflichkeiten eines Bereichs richtig schreiben und verwenden kann, der (mittlerweile) den Alltag der meisten Menschen bestimmt: des Internets. Man denke auch an die E-Mail, aber heute dreht sich alles um Websites. ...</summary>
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<name>Ruwen</name>

<email>rs@sprachleben.de</email>
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<dc:subject>Sprach|netz</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="en-us" xml:base="http://www.korrekturen.de/sprachleben/">
<![CDATA[<p><img title="" alt="website.jpg" src="http://www.korrekturen.de/sprachleben/img/website.jpg" width="145" height="145" style="float:left; margin-right:15px; margin-bottom:5px; border:0" />Es kann nie schaden, wenn man die wichtigsten Begrifflichkeiten eines Bereichs richtig schreiben und verwenden kann, der (mittlerweile) den Alltag der meisten Menschen bestimmt: des Internets. Man denke auch an die E-Mail, aber heute dreht sich alles um Websites.</p>]]>
<![CDATA[<p>Eine <strong>Website</strong> sind alle hinter einer Internetadresse stehenden Webseiten, dieser Begriff umfasst also den gesamten Internetauftritt.</p>

<p>Eine <strong>Webseite</strong> ist eine einzelne Seite einer Website, also die kleinste Einheit. Eine <strong>Internetseite</strong> ist ebenfalls nur eine Seite bzw. ein Dokument im Internet, wobei dieser Begriff teilweise auch den gesamten unter einer Internetadresse zu erreichenden Internetauftritt bezeichnet. Im Duden werden beide Wörter nur in der Bedeutung einer einzelnen Seite bzw. eines einzelnen Dokuments auf einer Webpräsenz geführt, wobei neben <em>Internetseite </em>auch <em>Webseite</em> gemeinhin oft für eine gesamte Internetpräsenz verwendet wird. Es besteht für die Verwendung dieser Begriffe offenbar noch keine gefestigte Regel.</p>

<p><strong>Homepage</strong> kann sowohl in der Bedeutung „Startseite“ (also eine Übersichts- oder Leitseite, die man meist direkt beim Zugriff auf eine bestimmte Internetadresse erreicht oder die zumindest die Kernseite ist, von der aus man mittel- oder unmittelbar alle anderen Seiten erreichen kann) benutzt werden, als auch für die Bezeichnung eines gesamten Internetauftritts stehen.</p>

<p><strong>Internetauftritte</strong> werden unstrittig immer wichtiger für Unternehmen. Man kann sie auch Webpräsenzen, Webauftritte, Netzauftritte oder Internetpräsenzen nennen, wobei keiner der alternativen Ausdrücke im Duden zu finden ist.</p>

<p>Als Kurzform für <em>Internetseite </em>und <em>Webseite </em>wird auch oft <strong>Seite </strong>verwendet. Damit ist dann ebenfalls die kleinste Einheit einer Webpräsenz gemeint, eine einzelne Seite. Besonders umgangssprachlich kann jedoch auch dieser Begriff für die gesamte Website verwendet werden: „Das ist eine grausame Seite!“</p>

<p><strong>Site</strong> ist die Kurzform von <em>Website</em>.<br />
</p>]]>
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