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Re: Indirekte Rede bei mehreren Teilsätzen

Autor:Pumene
Datum: Fr, 26.6.2020, 18:48

Hallo Dieter

> Wenn der Winter
> anbricht, sei zu kurze Kleidung besonders unangenehm.

Die indirekte Rede müsste ja von einem Satz eingeleitet werden:

https://deutsch.lingolia.com/de/grammatik/satzbau/indirekte-rede

Die indirekte Rede wird durch Wendungen eingeleitet.

Beispiele:
Er sagt(e), …
Sie meint(e), …
Er behauptet(e), …
Sie gibt/gab an, …
Er erklärt(e), …
Sie erzählt(e), …
Er stellt(e) fest, …
Sie fragt(e), …
Er berichtet(e), …

Er (A) sagte, zu kurze Kleidung sei besonders unangenehm, wenn der Winter ausbricht.

Gruß

Pumene

Kleine Ergänzung:

https://grammatikfragen.de/showthread.php?848-Indirekte-Rede-in-Nebens%E4tzen-Schriftsprache

Ergebnis 1 bis 2 von 2
Thema: Indirekte Rede in Nebensätzen Schriftsprache
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25.06.2015 00:03 #1 Herbert Herbert ist offline
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Standard Indirekte Rede in Nebensätzen Schriftsprache
Wie ich auf die Frage gestoßen bin:
Beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit

Hallo,

stehen neben Hauptsätzen auch Nebensätze in der indirekten Rede im Konjunktiv? Gibt es eine Regel?

Beispiel:
Sie sagt: "Wenn es morgen regnet, fahre ich mit der Bahn."
Sie sagt, dass sie mit der Bahn fahre, wenn es morgen regnet/regne. Was ist hier korrekt?

Sind folgende Regeln außerdem richtig?

In der indirekten Rede steht Konjunktiv I. Falls Konjuntiv I und Indikativ gleich sind, steht Konjuntiv II. Falls Konjunktiv II und Präteritum gleich sind, steht die Ersatzform des Konjunktivs II (würden...). Falls man starken Zweifel an einer Aussage in der indirekten Rede widergeben möchte, nutzt man außerdem grundsätzlich Konjunktiv II.

Vielen Dank und Gruß
Herbert
07.09.2015 19:24 #2 Nilüfer Cakmak Nilüfer Cakmak ist offline
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77
Standard Konjunktiv in indirekter Rede
Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

In Ihrer Frage geht es darum, ob der Konjunktiv in Nebensätzen der indirekten Rede obligatorisch ist oder ob auf den Indikativ zurückgegriffen werden kann. Darüber hinaus möchten Sie sich über Regeln des Gebrauchs von Konjunktiv I,II und würde-Konjunktiv informieren.

Sprachsystem[Text ausblenden]

Zunächst einmal möchte ich mich auf den Teil Ihrer Frage bezüglich der indirekten Rede konzentrieren.
Allgemein kann man die indirekte Rede durch drei Merkmale kennzeichnen. Diese formalen Mittel der Kennzeichnung sind:
1. Der Konjunktiv
2. Redeeinleitende Verben
3. Die Nebensatzform

Wichtig ist, dass keines dieser Mittel obligatorisch für die Kennzeichnung der indirekten Rede ist. Jedoch ist gewöhnlich mindestens eines der Mittel vorhanden, um die indirekte Rede als solche zu kennzeichnen.
Hieraus resultiert logischerweise, dass auch nicht alle drei Mittel gleichzeitig bedient werden müssen.

1. Der Konjunktiv
In der indirekten Rede wird in der Regel der Konjunktiv I gebraucht. Aber auch der Konjunktiv II kann für die indirekte Rede verwendet werden, insbesondere dann, wenn die Form des Konjunktiv I nicht eindeutig (=gleichlautend mit dem Indikativ) ist.
Beispiel
Ich habe ihm gesagt: „Ich arbeite bis 16 Uhr.“
Ich habe ihm gesagt, ich arbeite bis 16 Uhr. --> Konjunktiv I und Indikativ sind gleichlautend
Ich habe ihm gesagt, ich würde bis 16 Uhr arbeiten. --> Ausweichung auf würde-Konjunktiv

2. Redeeinleitende Verben
Gewöhnlich ist die indirekte Rede von einem übergeordneten Verb des Sagens abhängig. Diese Verben des Sagens werden als „redeeinleitende Verben“ bezeichnet.
Beispiel
Er sagte, dass er mein Freund ist/sei.
Ein Mann vor meiner Haustür behauptete, er sei von der Polizei.
Die Angeklagte betonte, dass der Tod ihres Mannes nicht ihre Schuld ist/sei.
Der Augenzeuge berichtet, dass die Angeklagte zur Tatzeit in das gemeinsame Haus gegangen ist/sei.
Der Richter fragt, ob der Zeuge mit der Angeklagten verwandt oder verschwägert ist/sei.

3. Die Nebensatzform
Die indirekte Rede steht in Form von eingeleiteten Nebensätzen (dass, ob, etc.)…
Beispiel
Er sagte mir, dass er sie besucht habe.

..oder in Form von uneingeleiteten Nebensätzen
Beispiel
Er sagte mir, er habe sie besucht.

Auf Ihr Beispiel angewandt,
Beispiel
Sie sagt: „Wenn es morgen regnet, fahre ich mit der Bahn.“

kann man also von den oben genannten Mitteln der Kennzeichnung von indirekter Rede Gebrauch machen. In Ihrer vorgeschlagenen Variante sind alle Mittel der Kennzeichnung bedient worden:
Beispiel
Sie sagt, dass sie mit der Bahn fahre, wenn es morgen regnet/ regne.

Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name: KonjunktivinNebensätzen.jpg
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ID: 37
Wie oben schon erklärt, sind die Mittel nicht obligatorisch. Durch das redeeinleitende Verb und die Nebensatzform ist bereits hinreichend deutlich, dass es sich um eine Redewiedergabe handelt. Daher kann theoretisch ganz auf den Konjunktiv verzichtet werden.
Beispiel
Sie sagt, dass sie mit der Bahn fährt, wenn es morgen regnet.

Sie können den Konjunktiv natürlich auch gebrauchen.
Beispiel
Sie sagt, dass sie mit der Bahn fahre, wenn es morgen regnet/regne.

In der Variante mit Konjunktiv sind Sie sich unsicher, ob Sie den Konjunktiv auch im Nebensatz
Beispiel
„wenn es morgen regnet“

realisieren müssen.
Dies kann in Abhängigkeit von dem übergeordneten Satz betrachtet werden: Verwenden Sie im übergeordneten Satz Indikativ
Beispiel
Sie sagt, dass sie morgen mit der Bahn fährt

ist auch im untergeordneten Satz der Indikativ (stilistisch) vorzuziehen.
Beispiel
Sie sagt, dass sie mit der Bahn fährt, wenn es morgen regnet.

Verwenden Sie im übergeordneten Satz Konjunktiv
Beispiel
Sie sagt, dass sie mit der Bahn fahre

sollte im untergeordneten Satz auch der Konjunktiv verwendet werden.
Beispiel
Sie sagt, dass sie mit der Bahn fahre, wenn es morgen regne

Insgesamt mögliche Varianten Ihres Beispielsatzes wären also:
Beispiel
a) Sie sagt, dass sie morgen mit der Bahn fährt, wenn es morgen regnet.
b) Sie sagt, dass sie morgen mit der Bahn fahre, wenn es morgen regne.

Nun möchte ich auf den zweiten Teil Ihrer Frage, wann welcher Konjunktiv gebraucht wird, zurückzukommen.

Wie weiter oben schon zum Konjunktiv I beschrieben, ist sein Funktionsbereich die indirekte Rede. Aber auch der Konjunktiv II kann für die indirekte Rede verwendet werden, insbesondere dann, wenn die Form des Konjunktiv I nicht eindeutig (= mit dem Indikativ gleichlautend) ist.
Beispiel
Die Professorin meinte, dass es gut sei / wäre, wenn man übe, bevor man eine Klausur schreibe / schriebe.

Der Funktionsbereich des Konjunktiv II ist Irrealität / Potenzialität.
Beispiel
Wenn ich ein Vöglein wär und auch zwei Flügel hätt, flög ich zu dir…
Hätte der Hund nicht… pausiert, hätte er den Hasen gehabt.

Auch hier wird auf den würde-Konjunktiv zurückgegriffen, wenn die Konjunktiv-Form nicht eindeutig ist.
Beispiel
Hätten wir als Kinder keine Erziehung, würden wir verwahrlosen.

statt
Beispiel
Hätten wir als Kinder keine Erziehung, verwahrlosten wir. (verwahrlosten= Indikativ Präteritum und Konjunktiv II)

Abschließend möchte ich noch auf Ihre These eingehen, man verwende den Konjunktiv II in der indirekten Rede, um starke Zweifel an der Aussage zu markieren.
Hierzu zunächst ein paar Beispiele:
Beispiel
1. Ihr Ehemann behauptet, er habe sie nicht betrogen.
Ihr Ehemann behauptet, er hätte sie nicht betrogen.

2. Die Angeklagte sagt aus, sie habe zum Tatzeitpunkt ihre Mutter besucht.
Die Angeklagte sagt aus, sie hätte zum Tatzeitpunkt ihre Mutter besucht.

3. Die Angeklagte betonte, dass eine solche Tat für sie unvorstellbar ist.
Die Angeklagte betonte, dass eine solche Tat für sie unvorstellbar sei.
Die Angeklagte betonte, dass eine solche Tat für sie unvorstellbar wäre.

4. Der Verdächtige gibt an, er habe keinen Zugang zu den Datenbanken der Geheimorganisation.
Der Verdächtige gibt an, er hätte keinen Zugang zu den Datenbanken der Geheimorganisation.

Im Informationsportal des Instituts für deutsche Sprache "Grammatik in Fragen und Antworten" findet sich zu dem funktionalen Gebrauch des Indikativs, Konjunktiv I und II in der indirekten Rede Folgendes: (vgl. http://hypermedia.ids-mannheim.de/ca...icht?v_id=3540)
1. Indikativ
Mittels Indikativ werde die Glaubwürdigkeit der Originaläußerung und damit auch der jeweiligen Quelle als unangezweifelt dargestellt.
Beispiel
Eine wissenschaftliche Untersuchung legte dar, dass die Krankheit ADHS endogene und exogene Ursachen hat.
Die Richterin beanstandete, dass die Stellenausschreibung nur an Frauen gerichtet war.

2. Konjunktiv I
Der Konjunktiv I sei die Standardform der indirekten Rede. „Mit der Wahl der Konjunktiv-Präsens-Form wird dabei, eben weil sie dem Standard genügt, keineswegs eine Distanzierung vom Inhalt des Wiedergegebenen zum Ausdruck gebracht. Man äußert sich einfach neutral und unauffällig.“
Beispiel
Der Zeuge behauptet, er habe die Angeklagte zum Tatzeitpunkt am Tatort gesehen.
Die Mutter der Angeklagten versichert, ihre Tochter sei zum Tatzeitpunkt mit ihr zusammen gewesen.

3. Konjunktiv II
Mittels Konjunktiv II stelle man ausdrücklich klar, dass man keinerlei Verantwortung für die Richtigkeit des Wiedergegebenen zu übernehmen gedenkt. Dies könnte mit einer stärkeren Distanzierung einhergehen.
Beispiel
Schalom räumte indes ein, dass die Autonomiebehörde stärker gegen die antiisraelische Hetze vorginge. [die tageszeitung, 16.07.2003, S. 10]
Der Staatssekretär gab aber auch zu, daß nicht genügend Polizeikräfte zur Verfügung gestanden hätten, um ein solches Verbot durchzusetzen.[Frankfurter Allgemeine, 1993]

Es ist jedoch zu bemerken, dass nicht jeder Konjunktivbeleg auf diese Weise funktioniert. Die redeeinleitenden Verben in den o.g. Beispielen (z.B. einräumen, behaupten, zugeben, etc.) unterstützen von Vornherein eine stärkere Distanzierung zum wiedergegebenen Inhalt. In diesen Fällen ist Ihre These vertretbar.
Jedoch besteht nach wie vor die Regel, dass die Form gewählt werden muss, die klar als Konjunktiv erkennbar ist. Wenn in der indirekten Rede der Konjunktiv I nicht eindeutig erkennbar ist, wird auf den Konjunktiv II zurückgegriffen. Der Konjunktiv II drückt in diesem Falle keine weitere Distanzierung aus. Dementsprechend kann nicht jede Konjunktiv II Form distanzierender funktionieren als jede Konjunktiv I Form.

 

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Dieter -- Fr, 26.6.2020, 17:57
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Pumene -- Fr, 26.6.2020, 18:48