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Re: gleichrangige Adjektive

Autor:Pumene
Datum: Do, 3.9.2020, 00:13
Antwort auf: Re: gleichrangige Adjektive (Gernot Back)

> In der F2-Generation entstehen aus der Kreuzung zwischen Erbsen mit reinerbigem gelben runden und reinerbigem grünen eckigen Genotyp Erbsen mit gelbem runden, gelbem eckigen, grünem runden und grünem eckigen Phänotyp im Verhältnis 9 : 3 : 3 : 1

Ich bevorzuge beim Terminus „Genotyp“ eher Gen-/Allelsymbole anstelle von Eigenschaftswörtern:

reinerbiger gelber runder Genotyp —> Genotyp YYRR
reinerbiger grüner eckiger Genotyp —> Genotyp yyrr

In den meisten Lehr- und Schulbüchern wird das Gen „Y“ für die Farbe der Erbsensamen verantwortlich gemacht, wobei YY und Yy für gelb und yy für grün steht. Die Form und Oberflächenbeschaffenheit wird in der Regel mit dem Gen „R“ (glatt) und „r“ (runzelig) in Verbindung gebracht. Hier steht RR und Rr für „glatt“ und rr für „runzelig“.
Diese Bezeichnung „Y“ (Yellow) ist heute in der Erbsen-Genetik nicht mehr gültig und die genetischen Ursachen der Samenfarbe komplexer als in Schulbüchern dargestellt. Beim Gen „R“ (rugosus) hat man in jüngster Zeit ein mitwirkendes zweites, „rb“ genanntes Gen gefunden. Alles in allem ist der genetische Hintergrund der Mendel-Experimente noch lange nicht so gut aufgeklärt wie es beispielsweise bei Labormäusen, Mais oder der Drosophila der Fall ist. Derzeit gibt es unter den 7 von Mendel betrachteten Merkmalspaaren nur drei halbwegs aufgeklärte genetisch-biochemische Pfade: Die Farbe der Samen, die Oberfläche/Form der Samen und die Wuchshöhe.
Vor etwa 80 Jahren wurden rezessive gelbe Erbsensorten entdeckt (Goldkönig) und die Entstehung der Samenfarbe mittels dreier Genloci erklärt, Y, G und I. Die gelbe Farbe der Erbsen wird durch die durch die durch die halbtransparente Samenschale durchscheinende Farbe der Kotyledonen (Keimblätter) bestimmt und nicht, wie Mendel noch annahm, durch das Endosperm. Verantwortlich ist nach heutiger Erkenntnis das Gen „I“ (auf dem Chromosom I) und einem zweiten epistatisch wirkenden Gen „O“ (früher als „G“ bezeichnet) zurückzuführen sein, das den Abbau von Chlorophyll steuert. Grüne Erbsen sind Erbsen, bei denen der natürliche Abbau des Chlorophylls bei der Reifung unterbleibt.
Nach Ansicht einiger Autoren ist hier ein spezielles, „sgr“-Gen (stay-green) verantwortlich, wahrscheinlich ist nach Ansicht anderer Autoren, dass das „sgr“-Gen mit dem „I“-Gen identisch ist.
Das Annahme eines Y-Gens gilt heute als überholt. (Pisum News Letter, Bd. 21).
Das “R” (rugosus) Gen (und sein Mitspieler rb) steuern die Stärkesynthese (debranching enzyme). Rugose (runzelige) Samen enthalten überdurchschnittlich viel verzuckerte und damit wasserlöslich gewordene Stärke. Beim Trocknen fällt der Samen in sich zusammen.
In dieser Darstellung möchten wir um unnötige Verwirrung dennoch bei der traditionellen Darstellung bleiben, aber darauf hinweisen, dass in einigen Lehrbüchern und Aufsätzen statt „Y“ auch „Y(I)“ oder einfach nur „I“ gebraucht wird.

Gruß

Pumene

http://www.schulbiologiezentrum.info/AH%2010.10%20Erbsen%20Kreuzungen%20Me%20150309.pdf

Gregor Mendel hat auch nie 9:3:3:1 formuliert.

http://www.mendelweb.org/MWGerText.html

Er hat Zahlenverhältnisse wie 4:2:2:1:2:1:2:1:1, die man auch zu ((4:2):(2:1)):(2:1):(2:1):1 zusammenfassen könnte, benutzt, die für die Genotypen gelten. Außerdem hat er nicht von F2 (eigentlich müsste die 2 klein tiefgestellt geschrieben werden) geschrieben, sondern diese Generation „die erste Generation der Hybriden“ genannt.

Nachdem die Mendelschen Erkenntnisse 35 Jahre lang in ihrer Tragweite nicht richtig gewürdigt wurden, wurden sie wiederentdeckt und auch dann erst die Mendelschen Regeln (damals: Gesetze) genannt.

Außer diesen sachlichen Fehlern finde ich es schwierig, dieses als Beispiel, ob Adjektive „gleichrangig“ (und so mit Kommas voneinander abzutrennen sind), heranzuziehen.

Mendel kreuzte Erbsenpflanzen, die aus Erbsensamen mit grünen und runzligen Keimblättern bzw. mit gelben und runden Keimblättern herangewachsen waren (und die in Bezug auf diese Merkmale reinerbig waren) (der Hintergrund dieser Reinerbigkeit ist die Tatsache, dass bei diesen Schmetterlingsblütlern das Schiffchen geschlossen bleibt und so eine Fremdbestäubung normalerweise unterbleibt), miteinander, indem er bei den erwachsenen Pflanzen die Narbe der Blüte der einen Erbsensorte mit dem Pollen aus den Staubblättern der anderen Erbsensorte fremdbestäubte und erhielt noch in der gleichen Vegetationsperiode die Samen (ein Ruhe- und Transportstadium) der nächsten Generation (eigentlich ist es die übernächste Generation, denn die Samenpflanzen machen einen Generationswechsel zwischen einer ungeschlechtlichen Generation, den eigentlichen Samenpflanzen, und einer geschlechtlichen Generation, die hier extrem reduziert ist (Wachstum des Pollenschlauches — zwischen Bestäubung und Befruchtung und entsprechend vergleichbare Vorgänge bei dem „stillgelegten“ weiblichen Pendant im Fruchtknoten der Narbe)).
Die Merkmale der Keimblätter dieser Samen (Erbsen) waren — auch wegen der transparenten Samenschale — sofort sichtbar, die anderen 5 Untersuchungsreihen (Blütenfarbe er cetera) konnte er erst erkennen, als diese Erbsensamen wieder ausgesät und zu vollständigen Pflanzen herangewachsen waren.

In den Folgegenerationen säte Mendel die Samen der Hybriden und ihrer Nachkommen nur aus und machte hier keine „Kreuzungsexperimente“.

Er untersuchte auch schon einen trihybriden Erbgang und formulierte dabei genotypische Zahlenverhältnisse.

Sind die Eigenschaften der Erbsen/-pflanzen so, dass man sie wie „gleichrangige Adjektive“ mit Kommas voneinander trennen sollte?

Bei der Unabhängigkeitsregel, bei dem es sich um Genorte handelt, die auf verschiedenen Chromosomen liegen, welche bei der Meiose und anschließenden Befruchtung neu kombiniert werden können, werden Genotypen erzeugt, die ein phänotypisches Gesamtbild ergeben.

Die Anwesenheit aller Genorte ist zwingend erforderlich, damit ein Lebewesen entsteht, das Fehlen von Genorten ist „mit dem Leben nicht vereinbar“.

Die Eigenschaften sind nicht „gleichrangig“ bzw. ins Belieben gestellt, sondern von jeder Eigenschaft muss eine (und darf nicht mehr als eine) vorhanden sein.

grüne runzlige Erbsen
grüne runde Erbsen
gelbe runzlige Erbsen
gelbe runde Erbsen

Mit Kommas wäre der Sinn der notwendigen Kombination dieser zwei betrachteten Eigenschaften nicht adäquat dargestellt.

 

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gleichrangige Adjektive
Jules11 -- Mi, 2.9.2020, 13:16
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Pumene -- Mi, 2.9.2020, 13:34
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Pumene -- Do, 3.9.2020, 00:13