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Reichsbürger und Personal(!)-Ausweise

Autor:Ivan Panchenko –
Datum: Mo, 20.04.2026, 12:47

Es gibt so genannte Reichsbürger, die meinen, das Wort «Personalausweis» sei aus dem Nomen «Personal» zusammengesetzt – wir seien Personal der BRD. Wolfgang Schäuble erklärte jemandem einst: «[…] dass die Bezeichnung gewählt wurde, da auf diesem die Personalien, also die Personendaten, des Ausweisinhabers aufgeführt sind.» Nun könnte darauf entgegnet werden (Originalzitat mit den fünf Fragezeichen):

Müßte dann nicht der „PERSONAL“Ausweis laut Schäubles Definition „PERSONALIEN“Ausweis heißen?????

Versuchen wir also, der Sache noch präziser auf den Grund zu gehen. Es ist nicht so, dass das Wort «Personalien» in «Personalausweis» steckt, es gibt aber das lateinische Adjektiv «personalis» ‘persönlich’ mit dem Beugungsstamm «personal-», und solche «-al»-Stämme werden in Zusammensetzungen gebraucht, um einen Bezug auszudrücken. Manchmal kommt «personal» auch als eigenständiges Adjektiv vor, aber darauf kommt es nicht an, zum Beispiel heißt es normalerweise «experimentell» (selten «experimental»; das «-ell» ist französischen Ursprunges), aber «Experimentalphysik», hingegen wäre «Experimentellphysik» ähnlich unelegant wie «Technischinformatik» (statt «technische Informatik»). Weitere Beispiele: «Generalsekretär» (nicht vom Nomen «General», gemeint ist schließlich nicht der Sekretär eines Generals), «Individualverkehr», «Kriminalroman», «Spezialgebiet».

Aus der Reihe fällt «Reellität» (reelles Wesen, Redlichkeit), wo die Bedeutungsdifferenzierung zwischen «real» und «reell» aufrechterhalten wird. Bei «Realteil» (trotz «reelle Zahl») besteht im Zusammenhang mit einer komplexen Zahl die Verwechslungsgefahr nicht, möglich ist «-ell» in Zusammenbildungen wie «reellwertig» (zu «reeller Wert»). Es gibt auch französische Wörter wie «nouvelleté»/«nouveauté» und «cruelté» (im Gegensatz zu Latinismen wie «réalité»), da tritt aber das lateinische «i» nicht ein.

Bemerkenswert ist die Situation bei «-är»: Das lateinische «-ar(is)» ist eine Variante von «-al(is)», die an dessen Stelle oft steht, wenn im Grundwort ein «l» vorangeht. Dann gibt es noch «-ari(us)», was mit «-arisch» (vergleichbar mit «-anisch») oder dem kürzeren «-är» (französischen Ursprunges) übertragen wird – oder auch «-ar», wo es aber nicht viele allgemein geläufige Adjektive gibt. So lässt sich vielleicht erklären, wieso sich «-ar» nicht derart als Bindeglied in Zusammensetzungen gefestigt hat. Entsprechend «disziplinarisch» und «dokumentarisch» gibt es «Disziplinarverfahren» und «Dokumentarfilm», aber «-är» wird in Zusammensetzungen nicht ebenso gemieden wie «-ell»: «Komplementärfarbe», «Primärenergie» etc.

 

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Beiträge zu diesem Thema

Reichsbürger und Personal(!)-Ausweise
Ivan Panchenko – -- Mo, 20.4.2026, 12:47
Re: Reichsbürger und Personal(!)-Ausweise
Ivan Panchenko – -- Sa, 25.4.2026, 19:34