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Nachgefragt

Ist statt „o. k.“ auch „ok“ okay?

Das Kürzel o. k. alias okay kann sehr vielseitig als Adverb oder in Großschreibung auch als Substantiv eingesetzt werden: Zu etwas sein Okay geben ist eben griffiger als sein Einverständnis geben. Mehr Griffigkeit fordert die Sprachgemeinschaft offenbar auch von der Kurzform: Gegenüber dem simplen ok tritt die Duden-Schreibweise o. k. zunehmend zurück.

Frage:
In meinem Lektorat mache ich immer wieder die Erfahrung, dass sich das Kürzel o. k. für okay nur schwer vermitteln lässt: Die meisten schreiben einfach ok – ohne Punkt. Und wenn man darüber nachdenkt, ist es tatsächlich schwer einzusehen, warum das Kürzel o. k. nach Duden zweiteilig sein soll, denn im Gegensatz zu k. o. für knock-out bezieht es sich ja nur auf ein Wort. Können Sie das erklären – und vielleicht auch etwas zum etymologischen Hintergrund des Wörtchens okay sagen?
Julian von Heyl, korrekturen.de

Antwort:
Bei den Formen „O. K.“ und „o. k.“ handelt es sich um Übernahmen aus dem Englischen zu einer Zeit, als das große Oxford English Dictionary das Hauptstichwort als „O. K.“ ansetzte und auch die Mehrzahl der dort angegebenen Belege diese Schreibung zeigte. Der erste Eintrag im Rechtschreibduden erfolgte 1954 nur in dieser Schreibweise. Im Jahr 1967 wurde die Schreibung mit Kleinbuchstaben ergänzt, wohl unter dem Aspekt, dass das ausgeschriebene „okay“ den Wortklassen Adjektiv und Adverb zuzurechnen ist.

Die englischen Wörterbücher sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, Abkürzungspunkte mehr und mehr wegzulassen (z. B. heute auch Mr statt früher Mr.). Im Advanced Learner’s Dictionary zum Beispiel wird jetzt nur noch „OK“ als einzige Schreibung angegeben. Das macht sich auch hierzulande bemerkbar, wo im Dudenkorpus etwa 20 Prozent der Belege punktlos sind. Allerdings beharrt man generell auf der möglichen Kleinschreibung, die häufiger zu finden ist als die Großschreibung. Im Augenblick sehe ich noch keinen Anlass, den Dudeneintrag zu ändern, aber unter Beobachtung sollte der Fall bleiben.

Über die Herkunft von „O. K.“ ist schon viel diskutiert worden, und der Etymologie-Duden sagt bis heute schlicht, dass sie nicht zuverlässig geklärt sei. In der englischen Lexikografie verweist man auf den einen Beleg von 1839, wo „o. k.“ mit „all correct“ gleichgesetzt wird, und führt das auf eine scherzhafte Schreibvariante „orl korrect“ zurück. 1940 wurde die Übereinstimmung des Ausdrucks mit den Initialen eines Kandidaten im amerikanischen Wahlkampf genutzt: „Old Kinderhook“ war der Spitzname des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Martin van Buren. Dies soll zur Verbreitung von „O. K.“ beigetragen haben und kann auch die zweiteilige Schreibung noch zusätzlich begründen. Im Wikipedia-Eintrag zu „okay“ (das erst später aus der Abkürzung entstanden ist) sind noch weitere Ursprungstheorien aufgelistet.
Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Leiter der Dudenredaktion

Julian von Heyl am 19.10.11 | Kommentare (0) | Visits: 9970

Rubrik Nachgefragt:

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