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Komma nach „hoffe“ und „denke“ vor Nebensätzen

komma_nach_hoffe_denke_finde.jpgIn der gesprochenen Sprache sind umgangssprachliche Sätze wie „Hoffe, dir geht es gut“ oder „Denke, das wird klappen“ aus Gründen der Sprachökonomie weit verbreitet – und auch in der Schriftsprache sind solche Verkürzungen teilweise anzutreffen. Hier folgt einem eingliedrigen Hauptsatz ein nicht eingeleiteter Nebensatz und es stellt sich die Frage nach der Kommasetzung.

Lässt man vom ersten Teilsatz des Satzes „Ich hoffe, dass es dir gut geht“ das Personalpronomen ich weg, besteht er nur noch aus dem Verb: „Hoffe, ...“. Man kürzt ihn um das Satzglied Subjekt und erhält einen Satz, der aus einem einteiligen Prädikat gebildet ist (mit einer ergänzungsbedürftigen Auslassung: Ellipse / Auslassungsatz). Diese Verkürzung ist umgangssprachlich und auch nur bei bestimmten Prädikaten denkbar – in den genannten Fällen bei Verben der persönlichen Haltung.

Den zweiten Teilsatz kann man ebenfalls verknappen, indem man die den Nebensatz einleitende Präposition dass ausspart und die Satzbestandteile umstellt: „Ich hoffe, dir geht es gut.“ Man erhält einen vom Satzbau atypischen, nicht eingeleiteten Nebensatz.

Verkürzt man zugleich auch den ersten Teilsatz, hat man einen an umgangssprachlicher Effizienz kaum noch zu überbietenden Satz, der aus einem eingliedrigen Hauptsatz und einem nicht eingeleiteten Nebensatz besteht: „Hoffe, dir geht’s gut“.

Im ersten Beispiel muss unproblematisch ein Komma stehen, da ein mit dass eingeleiteter Nebensatz folgt. Das gilt auch dann, wenn der Hauptsatz auf ein einziges Wort reduziert wurde:

Hoffe, dass es dir gut geht.

Im zweiten und dritten Beispiel ist die Kommasetzung nicht mehr so eindeutig. Es gilt, die Satzfunktion des nur aus einem Verb bestehenden ersten Teilsatzes und die Nebensatzqualität des zweiten Teilsatzes zu klären. Da in diesem Fall ein (nicht eingeleiteter, vom Aufbau her einem Hauptsatz vergleichbarer) Nebensatz einem (eingliedrigen) Hauptsatz folgt, gilt aber grundsätzlich die Regel, dass der Haupt- vom Nebensatz durch Komma getrennt wird:

Ich hoffe, dir geht’s gut.
Hoffe, dir geht’s gut.

Anders kann man das handhaben, wenn man verkürzte Nebensätze als formelhaft begreift. Das gilt bei verkürzten Sätzen, bei denen zum Beispiel falls, wenn oder wie mit einem Adjektiv oder Partizip verbunden sind:

Ich komme falls erwünscht.
Ich nehme wenn möglich teil.
Ich habe wie gesagt keine Zeit.

Hier könnten die Hauptsätze (umgestellt) auch alleine stehen, die formelhaften Nebensätze kann man als einfache Umstandsbestimmungen begreifen; sie müssen dann nicht zwingend mit Komma abgetrennt werden. Ausnahmen gelten auch bei Infinitiv-, Partizip- oder Adjektivgruppen, bei denen das Komma unter bestimmten Umständen ebenfalls fakultativ ist.

In den Ausgangsbeispielen liegen derartige Ausnahmen jedoch nicht vor, die Hauptsätze in den angeführten Satzgefügen haben eine übergeordnete Funktion. Es handelt es sich somit schlicht um einen (wenn auch zweigliedrigen oder umgangssprachlich verkürzten eingliedrigen) Hauptsatz, dem ein (nicht eingeleiteter) Nebensatz folgt. Gleiches gilt auch für andere Verben: (ich) meine ..., finde ..., vermute ..., bezweifle ... usw.

(Ich) finde, wir sollten ganz von vorne anfangen.
(Ich) hoffe, ihr könnt das noch ausgleichen.
(Ich) meine, das ist falsch.
(Ich) vermute, das wird klappen.
(Ich) bezweifle, dass wir es schaffen.

Ein Komma muss auch dann stehen, wenn man dem nicht eingeleiteten Nebensatz den Hauptsatz nachfolgen lässt (wobei selbst mit dem Anspruch höchster Sprachökonomie in diesen Fällen das nun nachgestellte Subjekt des Hauptsatzes nicht entfallen kann):

Das war eine reife Leistung, finde ich.
Meint: Ich finde, dass das eine reife Leistung war.

Sie hätte das ohne Aufforderung nie gemacht, vermute ich.
Meint: Ich vermute, dass sie das ohne Aufforderung nie gemacht hätte.

Sätze wie „Denke, das wird klappen“ sind sicher nicht die Lieblinge strenger Grammatiker und standardsprachlich nicht korrekt – aber da sie in Zeiten knapper elektronischer Kommunikation oft anzutreffen sind, könnte sich dieser Blick auf die auch für sie geltenden Kommaregeln vielleicht doch gelohnt haben. Ein Komma kann zur Abgrenzung der in einem Über-/Unterordnungsverhältnis stehenden Teilsätze sinnvoll oder, wie die abschließenden Beispiele zeigen, sogar nötig sein.

(Ich) finde, ihn sollten wir überzeugen.
Meint: Ich finde, dass wir ihn überzeugen sollten.

(Ich) finde ihn, sollten wir überzeugen.
Meint: Ich finde ihn, wenn wir überzeugen sollten.

Als zwingend muss man das Komma in nicht zweideutigen Sätzen aber nicht begreifen – denn wo könnte man besser fünf gerade sein lassen, als in der Umgangsprache.

Zur Kommasetzung bei nachfolgenden Infinitivgruppen siehe:

Komma nach „hoffe“ und „denke“ vor Infinitivgruppen

Ruwen Schwerin am 08.07.11 | Kommentare (6) | Visits: 41998

Rubrik Sprach|zeichen:

Die Sprache wird durch Zeichen zusammengehalten; doch die Zeichensetzung ist mehr als bloße Lückenfüllerei, sie strukturiert und erschließt oft erst den Sinn. Der eine hasst das Komma, der andere steht mit Anführungszeichen auf Kriegsfuß, der dritte schreibt und spricht gleich ganz ohne Punkt und Komma. Dabei kann die Interpunktion ganz überschaubar sein und sogar Spaß machen.

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Kommentare

1  Marco M.

Gewiß läßt sich über eine solche Verknappung hinwegsehen. Erheblicher stoße ich mich daran, daß glauben zu oft mit denken gleichgesetzt wird. Doch es ist nicht ein und dasselbe, ob man etwas glaubt oder (sich) etwas denkt.

Geschrieben von Marco M. am July 20, 2011 9:26 PM

2  And-Y

...ebenso, wie zu glauben, dass "dass" noch wie "daß" (also daaas) geschrieben und so auch gesprochen werden würde, und lääääääßt auch das "lässt" nicht von der Leine, genau wie "gewiiiiiß" gewiss geschrieben wird, um eine Differenzierung zwischen kurzem oder langem Vokal vornehmen zu können.
Der Unterschied wird bei Massen von Maßen nur allzu deutlich, oder bei Strasssteinen in Straßen....

Geschrieben von And-Y am July 22, 2011 9:28 AM

3  azzteke

So ein Unfug!
"Daß" wurde noch nie wie "daaas" ausgesprochen,
sondern genauso wie "dass".

Geschrieben von azzteke am July 22, 2011 10:44 PM

4  Ruwen Schwerin

Die Verben glauben und denken werden beide in der Bedeutung „annehmen, meinen“ verwendet. Hier wird im Einzelnen nicht (mehr) unterschieden, auch wenn eine Unterscheidung grundsätzlich möglich ist.

Ich glaube, wir werden das schaffen.
Ich denke, wir werden das schaffen.

Je nach Gebrauch haben sie jedoch unterschiedliche Bedeutungen bzw. können in unterschiedlichen Konstellationen verwendet werden:

sich etwas denken
etwas glauben
etwas denken
jemanden glauben machen
jemanden etwas glauben lassen
an etwas glauben
an etwas denken

Der Gebrauch von „sich etwas denken" und „denken“ kann je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung haben, beides ist standardsprachlich aber korrekt bzw. steht nebeneinander:

Sie dachte sich, dass er kommt.
Sie dachte, dass er kommt.

Die schriftsprachliche Unterscheidung von das und dass dient der Unterscheidung von Artikel und Konjunktion bzw. Pronomen. Eine lautsprachliche Unterscheidung ist hier (nahezu) nicht gegeben. Die gültigen amtlichen Rechtschreibregeln orientieren sich ansonsten weitgehend am Lautprinzip (heysesche s-Schreibung). Trotzdem wird die herkömmliche s-Schreibung bzw. Rechtschreibung noch von vielen verwendet und ist nicht „falsch“.

Dazu auch:

Schreibung der s-Laute im Deutschen

Dass das das das dass ersetzt, willst Du das?

Und zur Verwendung von Auslassungspunkten:

Die Auslassung vor den Auslassungspunkten

Geschrieben von Ruwen Schwerin am July 24, 2011 11:20 PM

5  Kathy

Sehr geehrter Herr Ruwen Schwerin,
das ist ein sehr interessanter Artikel zu einem Thema, das mich häufig beschäftigt. Wie sieht es denn aus, wenn man mehrere solcher Sätze aneinanderkettet, z.B.: "Hoffe, es geht Dir gut, und freue mich, Dich morgen zu sehen." Ich denke, beim Wechsel vom Neben- zum Hauptsatz sollte man auch noch einmal ein Komma setzen, auch wenn es mit einem "und" weitergeht. Aber ist es nicht ein bisschen albern, in einem so kurzen Satz so viele Kommata unterzubringen?
Beste Grüße
Kathy

Geschrieben von Kathy am July 31, 2012 10:48 PM

6  Ruwen Schwerin

Grundsätzlich ist ein Komma zu setzen, wenn ein untergeordneter Satz (ein Nebensatz, hier ein nicht eingeleiteter) eine Stellung zwischen Hauptsätzen einnimmt:

Hoffe, es geht Dir gut, und freue mich, Dich morgen zu sehen.

Zwar drängt sich nach meinem Empfinden in diesem Beispiel das Komma nicht unbeschränkt auf, gerade wegen des umgangssprachlichen Satzbaus, setzen würde ich es aber in jedem Fall. Deutlicher wird die dahinterstehende Regel, wenn man die Sätze vollständig fasst und sich bewusst macht, dass ein untergeordneter Satz auf einen anderen Hauptsatz trifft:

Ich hoffe, dass es Dir gut geht, und ich freue ich mich darauf, Dich morgen zu sehen.

Dass im genannten Beispiel dem zweiten Hauptsatz eine Infinitivgruppe folgt, die wiederum nicht zwingend mit Komma vom Bezugssatz abgegrenzt werden muss (obwohl freuen Vollverb ist; das darauf wird weggelassen), ändert daran nichts, da der Hauptsatz dieser vorangeht und Gleiches auch gelten würde, wenn er ohne Infinitivgruppe stünde. Bei einer umgekehrten Konstellation könnte man die weitergehende Frage nach dem Komma aber berechtigt stellen: Freue mich(, ) Dich zu sehen(,) und hoffe, dass es Dir gutgeht. Hier müsste man ein Komma vor dem und als fakultativ betrachten, wenn man die Infinitivgruppe nicht mit Komma abtrennt (enge Zugehörigkeit zum Hauptsatz). Wenn man aber die Infinitivgruppe mit Komma abtrennt, stellt sich die Frage, welche Wirkung sie auf den nachfolgenden Hauptsatz bezüglich der Kommasetzung vor dem und hat. Mithin, ob sie mit der vergleichbar ist, die ein echter (auch nicht eingeleiteter) Nebensatz hat. Aber das geht über die eigentliche Fragestellung hinaus.

Bei Gefügen mit nach dem und anschließendem Nebensatz kann man auf das Komma verzichten:

Mir geht es gut und wenn Du morgen kommst, zeige ich Dir meine neue Wohnung.

Aber das ist eben auch eine andere Konstellation.

Insgesamt kann man sich bei derartigen verkürzten, umgangssprachlichen Sätzen nicht uneingeschränkt an grammatikalischen Regeln orientieren. Hier macht es einem ein Blick in Bücher zur Zeichensetzung oft auch nicht einfacher, da diese sich in der Regel an vollständigen Sätzen orientieren und bei unüblichen Satzfolgen, formelhaftem Gebrauch oder unüblicher Verbfunktion nur selten definitive Aussagen treffen; insbesondere, wenn markierende Einleitungswörter weggelassen werden oder Infinitivgruppen nicht klar einzuordnen sind.

Geschrieben von Ruwen Schwerin am August 15, 2012 11:40 PM

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