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Komma nach »hoffe« und »denke« vor Infinitivgruppen

komma_nach_hoffe_denke_finde_infinitivgruppen.jpgFolgt einem umgangssprachlich verkürzten übergeordneten Satz ein nicht eingeleiteter Nebensatz, muss ein Komma gesetzt werden. Wenn stattdessen jedoch eine Infinitivgruppe anschließt, ist das Komma in vielen Fällen nur fakultativ. Zur Gliederung oder zur Verdeutlichung der Satzaussage kann ein Komma in solchen Fällen geboten sein – oder sollte gerade nicht gesetzt werden.

Zur Kommasetzung nach umgangssprachlich verkürzten Sätzen und vor (uneingeleiteten) Nebensätzen wie »Hoffe, dir geht’s gut«:

Komma nach »hoffe« und »denke« vor Nebensätzen

Nicht zu verwechseln sind derartige Satzgefüge aus Haupt- und Nebensatz mit Konstellationen, bei denen das Verb (stellvertretend für den vollständigen Hauptsatz) mit einer Infinitivgruppe auftritt:

Denke[,] heute abzufahren.
Ich denke[,] morgen abzufahren.

Hier steht »denke« im Sinne von »beabsichtigen, gedenken« und man kann fakultativ ein Komma setzen. Die Vollwertigkeit des nur aus einem Prädikat bestehenden übergeordneten Satzes ist hier meist weniger deutlich als bei den anfangs genannten Konstruktionen mit einem nicht eingeleiteten Nebensatz, der durch Umstellung einfach gegen einen eingeleiteten Nebensatz ausgetauscht werden könnte.

Geboten kann das Komma zur Gliederung besonders dann sein, wenn der Satz andernfalls missverständlich wäre oder der Lesefluss behindert wird:

Hoffe wirklich, überzeugt zu haben.
Hoffe, wirklich überzeugt zu haben.

Funktion: Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Aussagen »wirklich hoffen« oder »wirklich überzeugt zu haben«.

Denke, dir wird es gut ergehen.
Funktion: Das Komma signalisiert die Pause vor »dir«, die im Lesefluss ansonsten unter Umständen nicht direkt zu erkennen wäre.

Hängt die Infinitivgruppe von einem Verweiswort ab, dann muss ein Komma gesetzt werden:

Denke daran, am nächsten Sonntag zu scheitern.
Meint: Ich denke daran, dass ich am nächsten Sonntag scheitern werde.

Folgt dem übergeordneten Satz ein einfacher Infinitiv mit zu (also ohne weitere Bestandteile), könnte man das Komma auch weglassen. Im angeführten Fall oder vergleichbaren Fällen ist das Komma aber schon deshalb zu setzen, weil die Satzaussage nicht eindeutig ist. Die Schreibung ohne Komma (»Denke daran zu scheitern.«) sollte man vermeiden, da hier auch Folgendes gemeint sein könnte:

Denke, daran zu scheitern.
Meint: Ich denke, dass ich daran scheitern werde.

Zwingend ist das Komma in solchen Sätzen in den meisten Fällen jedoch nicht; insoweit gelten die allgemeinen Regeln für die Kommasetzung bei Infinitivgruppen. Als Anhaltspunkt für die Kommasetzung können jeweils die Satzaussage und der Textzusammenhang mit Blick auf die Verständlichkeit des Satzes dienen.

Hoffe[,] morgen zu gewinnen.
Hoffe[,] diese Sache aufzuklären.
Meine[,] zu gefallen.
Meinte[,] zu stören.

Wenn die Infinitivgruppe eng mit dem anderen Teilsatz verknüpft ist, besonders wenn sie ohne weitere Ergänzungen steht, kann meist unproblematisch auf das Komma verzichtet werden. In den hier genannten Beispielen gilt das verstärkt, da der übergeordnete Teilsatz umgangssprachlich verkürzt ist, was eine enge Verbundenheit mit der Infinitivgruppe zusätzlich nahelegen kann. Daneben wird man bei einem Satz mit insgesamt umgangssprachlichem Charakter die Messlatte bei den Feinheiten der Kommasetzung weniger hoch ansetzen.

Wird mit dem übergeordneten Satz jedoch eine vollwertige Aussage verbunden, dann sollte auch hier ein Komma gesetzt werden. In der Regel weist schon die gedachte Länge der Pause zwischen dem übergeordneten Satz und der Infinitivgruppe darauf hin, wie der Satz verstanden werden soll. Entscheidend ist letztlich die Vollwertigkeit des Prädikats (das als übergeordneter Satz steht). Tritt es in den Hintergrund und hat eher einen die Infinitivgruppe modifizierenden Charakter (ähnlich dem Gebrauch von Modalverben), dann steht kein Komma und die Satzaussage lässt sich häufig auf andere Weise umschreiben.

Hoffe geholfen zu haben.
Meint: Hoffentlich habe ich dir geholfen.

Hoffe, geholfen zu haben.
Meint: Ich hoffe, dass ich dir geholfen habe.

Wenn man Beispiele anführt, in denen der übergeordnete Satz nicht nur aus einem Prädikat besteht, wird besonders deutlich, wie unterschiedlich die Satzaussage in solchen Fällen sein kann:

Er denkt, die Prüfung bestanden zu haben.
Meint: Er denkt, dass er die Prüfung bestanden hat.

Er denkt die Prüfung bestanden zu haben.
Meint: Er ist wirklich der irrigen Ansicht, die Prüfung bestanden zu haben.

Wenn eine Infinitivgruppe als Einschub steht und (fakultativ) mit Komma abgegrenzt wird, dann muss auch vor dem folgenden, zum übergeordneten Satz gehörenden und ein Komma stehen:

Hoffe, überzeugt zu haben, und stehe jederzeit zur Verfügung.
Oder ganz ohne Kommata: Hoffe überzeugt zu haben und stehe jederzeit zur Verfügung.

Ruwen Schwerin am 28.07.11 | Kommentare (2) | Visits: 94810

Rubrik Sprach|zeichen:

Die Sprache wird durch Zeichen zusammengehalten; doch die Zeichensetzung ist mehr als bloße Lückenfüllerei, sie strukturiert und erschließt oft erst den Sinn. Der eine hasst das Komma, der andere steht mit Anführungszeichen auf Kriegsfuß, der dritte schreibt und spricht gleich ganz ohne Punkt und Komma. Dabei kann die Interpunktion ganz überschaubar sein und sogar Spaß machen.

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Kommentare

1  Gernot

Meint bedeutet nicht bedeutet, sondern einer Meinung sein. Als Srachpurist sollte man Anglizismen nicht zum Opfer fallen.

Geschrieben von Gernot am April 21, 2014 12:22 PM

2  Alex

Meint kann auch im sinne von bedeutet verwendet werden, nämlich im Sinne kreativen Umgangs mit der Sprache - als Stilmittel. Dem Wort wird eine menschliche Eigenschaft zugesprochen etwas zu "meinen" ;)

Geschrieben von Alex am June 5, 2015 3:15 PM

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