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Die Auslassung vor den Auslassungspunkten

auslassungspunkte.jpgAuslassungspunkte sind ein Satzzeichen; ein sehr beliebtes Satzzeichen, das heutzutage anscheinend immer beliebter wird. Es ist wohl oft einfacher, etwas auszulassen, als etwas auszuschreiben. Außerdem dienen Auslassungspunkte bevorzugt als stilistisches Mittel, gerade in der Werbung. Die dafür geltenden Regeln sind komischerweise aber nahezu unbekannt.

Die Regeln: Auslassungspunkte kennzeichnen Auslassungen von Textteilen. Ein wichtiges Detail: Vor und auch nach Auslassungspunkten steht ein Wortzwischenraum, wenn sie als Platzhalter für ein Wort oder mehrere Wörter stehen. Nur bei der Auslassung eines Wortteils schließt man sie unmittelbar an den Rest des Wortes an. Grundsätzlich werden Auslassungspunkte so behandelt, als würde der ausgelassene Satzteil stehen.

Aber hinter Auslassungspunkten, die für den Rest des Ganzsatzes stehen, wird kein (weiterer) Punkt gesetzt:

Er sagte, er liebe sie ...

Heute ist ein unendlich schöner Tag ... Aber wer weiß schon, was morgen ist.

Der Schlusspunkt eines vorangegangenen Satzes (oder der Abkürzungspunkt einer vorangehenden Abkürzung) wird nicht mit einbezogen und Klammern schließen unmittelbar an:

Er verschwand im Wald. ... bis heute hat man ihn nicht wieder gesehen.

So ein Ärger. ... Endlich möchte ich das hinter mir lassen.

Sie dachte an die alten Zeiten (mit ihrem verstorbenen Mann ...).

Auch Anführungszeichen schließen direkt an die Auslassungspunkte an:

Er sagte: »Ich sollte wirklich ...«

Jeden störte sein ständiges »Wer anderen eine Grube gräbt, ...«.

Exkurs: Wenn man Zitate oder Redewendungen abkürzt (Beispiel: »Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein«), dann sollte das vorausgehende Satzzeichen (hier: Komma) auch stehen. Wenn man unbestimmte Satzteile auslässt, dann kann es wegfallen, selbst wenn es (höchstwahrscheinlich) gesetzt werden müsste.

Folgen Ausrufezeichen, Fragezeichen oder Komma, dann schließen sie direkt an

Er hat sich so lange Zeit gelassen ...!

Wieso hat er das getan ...?

Er kann unmöglich erwarten, dass wir akzeptieren ..., denn es ist ein unfaires Angebot

Die Realität: Kaum ein »moderner« Text kommt mehr ohne Auslassungspunkte aus – in kaum einem stehen sie nach den richtigen Zeichensetzungsregeln. Mal ganz ohne Wortzwischenräume, mal mit einem nur davor oder nur dahinter.

In Zeitungen, auf Websites, in Foren und sogar in der Werbung, falsch gesetzte Auslassungspunkte sind eher die Regel. Anders als die Kommaregeln ist das Satzzeichen »Auslassungspunkte« meist recht unproblematisch zu handhaben; aber die entsprechenden Regeln haben sich offensichtlich nicht schnell genug herumgesprochen.

Wo hier auf einen Wortzwischenraum verzichtet wird, bürgert er sich für andere Satzzeichen offensichtlich immer mehr ein. Zum Beispiel findet man in Blogs und Foren immer häufiger Wortzwischenräume vor Ausrufezeichen: Ja, ich komme ! Gerne auch mal mit mehreren Satzzeichen aufgemotzt: Ja, ich komme !!!!

Wer hätte es gedacht, auch das ist falsch. Anders als etwa im Französischen stehen im Deutschen vor Ausrufezeichen und Fragezeichen, die zu den Schlusszeichen zählen, keine Wortzwischenräume. Es mutet komisch an, dass sich solche Marotten ohne offensichtlichen Grund einbürgern. Wobei: Die Erfinder dieser »Regeln« bemühen sich offensichtlich gerade um differenzierten Ausdruck; jedoch vergeblich, wenn man das Geschriebene an gültigen Regeln messen lassen möchte.

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Ergänzung, ursprünglich aus einer Forumsdiskussion zu weitergehenden Fragen zu Auslassungspunkten und anderen Satzzeichen (teilweise mit den ursprünglichen Bezügen auf vorangegangene Beiträge, die sich jedoch im Verlauf erklären):

Ich halte das [Bezug: Komma und Auslassungspunkte] für eine Frage, die sich aufgrund der Unbestimmtheit der durch die Auslassungspunkte gekennzeichneten Auslassung nicht eindeutig oder anhand einer festen Regel beantworten lässt.

Wenn ein gedachter Satzteil ausgelassen wird, der durch ein Satzzeichen abgetrennt werden müsste, dann erscheint es sachgemäß, dieses als mit in die Auslassungspunkte inbegriffen zu betrachten. Auch wenn die Auslassungspunkte hier immer durch ein Leerzeichen vom vorangehenden Satz getrennt werden, können sie ein (eigentlich) direkt anschließendes Satzzeichen mit einbeziehen.

Beispiel: Glück im Spiel ...

Allerdings ist das nicht zwingend, eine feste Regel drängt einen nicht dazu. Insbesondere dann, wenn man einen durch die Umstände recht deutlich bestimmbaren Satzteil auslässt (zum Beispiel in Sprichwörtern). Hier kann man als bewusstes Mittel durchaus auch das Komma setzen.

Beispiel: Glück im Spiel, ...

Das Beispiel »Wenn das meine Mutter wüsste …« ist hier nicht so eindeutig. Man spart einen Teilsatz aus, der gerade nicht näher bestimmt oder bestimmbar ist, der bewusst offengelassen wird. Ich würde eher kein Komma setzen (wie aus »Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen« zitiert) – jedoch würde ich es auch hier nicht als falsch bezeichnen, wenn man es je nach Bezug setzt. Zwar ist es recht wahrscheinlich, dass ein Nebensatz folgt, der ein Komma erfordert – aber selbst das muss nicht notwendig so sein. Wenn man gerade das verdeutlichen möchte, kann man auch hier ein Komma setzten. Weshalb auch nicht – die Auslassungspunkte umfassen genau das, was man sie umfassen lassen möchte.

Zum Ausgangsbeispiel (»Ich weiß … äh … nicht …(,) ob sie kommt«): Das ist eine ziemlich umgangssprachliche Konstruktion. Es werden ja nicht unbedingt, wie sonst typisch, Wörter oder Satzteile ausgespart, sondern es werden wohl eher Sprechpausen signalisiert:

Ich weiß … äh … nicht …(,) ob sie kommt.

In jedem Fall muss das Komma, wenn man es setzt, direkt auf die Auslassungspunkte folgen – frei im Satz steht es, auch eingeklammert, nie. Wenn man den Nebensatz (..., ob sie kommt) als direkt an ein vorheriges »Gestammel« anschließend begreift, dann würde ich das Komma setzen – und auf die letzten (dritten) Auslassungspunkte ganz verzichten. Denn es ist ja bereits geklärt, dass man nicht weiß, ob sie kommt:

Ich weiß … äh … nicht, ob sie kommt.

Wenn man dagegen kennzeichnen möchte, dass vorher noch mehr ausgelassen wird, dann spricht nichts dagegen, noch mal Auslassungspunkte zu setzen und je nach Kontext zu entscheiden, ob man ein Komma setzt oder nicht. Zwar erfordert der Nebensatz in jedem Fall ein vorangehendes Komma, wenn er direkt (also nicht etwa durch ein ausgelassenes und) angeschlossen wird. Aber das kann man eben nicht feststellen und auch wenn man das könnte, gibt keinen Grund, das Komma hier zwingend nicht zu setzen. Folgt man der Meinung, dass die Einbeziehung des Kommas bei einem Satzabbruch nach einem Komma obligatorisch ist, wie in »Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen« ausgeführt, müsste man das in diesem Beispiel wohl ebenfalls vertreten. Es ist nicht ersichtlich, warum man unterscheiden sollte, ob vor oder nach dem entsprechenden Teilsatz abgebrochen wird:

... dann würde sie mich zur Rechenschaft ziehen.

Zu Aufzählungen: Hier würde ich grundsätzlich wie von Andreas beschrieben verfahren. Wobei auch in dieser Konstellation nichts dagegen spricht, ein Komma zu setzen – etwa dann, wenn man deutlich machen möchte, dass ein bestimmtes bzw. einzelnes Wort fehlt:

Blond, blöd, ...

Will man jedoch eine nicht konkrete Auslassung andeuten – es folgen möglicherweise noch einige Aufzählungspunkte und genau das will man ausdrücken –, dann ist das Setzen eines Kommas wohl nicht sinnvoll.

Zusammenfassend: Bricht ein Satz da ab, wo ein Komma nötig wäre, können es die Auslassungspunkte umfassen und tun das in der Regel und sinnvollerweise auch. Setzen kann man es aber, wenn man gerade dadurch dem ausgelassenen Satzteil zusätzliche Kontur geben möchte. Das kann (muss aber nicht) zweckmäßig sein, wenn der ausgesparte Satzteil sich aus dem Kontext bereits ergibt – ist aber auch dann nicht falsch, wenn er unbestimmt ist und man ihn durch das Komma trotzdem besonders kennzeichnen möchte. Das liegt in den Händen des Schreibenden; hier eine Regel zu »erschaffen«, halte ich für überflüssig. Sie würde einen ohne Not einer Differenzierungsmöglichkeit berauben:

Wenn meine Mutter wüsste ...
Wenn das meine Mutter wüsste ...

Eher allgemein: Meine Mutter soll so etwas nicht wissen, sie ist generell empfindlich und würde es nicht akzeptieren.

Wenn meine Mutter wüsste, ...
Wenn das meine Mutter wüsste, ...

Schon konkreter: Es wäre nicht gut, wenn meine Mutter genau das erfährt oder in diesem Fall würde sie auf eine bestimmte Art und Weise reagieren.

Ruwen Schwerin am 10.11.10 | Kommentare (9) | Visits: 19314

Rubrik Sprach|zeichen:

Die Sprache wird durch Zeichen zusammengehalten; doch die Zeichensetzung ist mehr als bloße Lückenfüllerei, sie strukturiert und erschließt oft erst den Sinn. Der eine hasst das Komma, der andere steht mit Anführungszeichen auf Kriegsfuß, der dritte schreibt und spricht gleich ganz ohne Punkt und Komma. Dabei kann die Interpunktion ganz überschaubar sein und sogar Spaß machen.

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Kommentare

1  ChrisE

Obwohl ich weiss, dass vor einem Ausrufezeichen kein Leerschlag zu setzen ist, setze ich manchmal bewusst trotzdem einen. Der Grund: Wenn dieser schlanke Strich z.B. auf zwei l folgt, ist er von diesen kaum noch zu unterscheiden. Die Wirkung, die dieses Zeichen eigentlich erzeugen soll, geht unter. Bsp.: Er ist überall! Im Vergleich: Überall ! Abgesetzt und von Raum umgeben kann dieses Zeichen viel mehr seine Wirkung entfalten und wird besser wahrgenommen. Diese neue "Regel" ist somit weniger ortho- denn typographischer Natur.

Geschrieben von ChrisE am May 23, 2012 10:39 PM

2  Kathy

Sehr geehrter Herr Ruwen Schwerin,
in Ihren interessanten Artikel hat sich ein (weit verbreiteter) Fehler eingeschlichen: die Dame, die an alte Zeiten dachte, hatte dabei nämlich keinesfalls meinen verstorbenen Mann im Sinn. Ich bin gar nicht verheiratet! Mir ist auch aufgefallen, dass Sie das Wort "scheinbar" nicht so verwenden, wie ich es für richtig halte.
Ich habe heute erst diese Homepage mit ihren und Ihren Rubriken entdeckt und finde sie sehr interessant.
Beste Grüße
Kathy

Geschrieben von Kathy am July 31, 2012 10:39 PM

3  Ruwen Schwerin

Dank für die Hinweise, wurde korrigiert!

Zu anscheinend und scheinbar: Ich verwende diese Wörter (jedenfalls fast immer) in differenzierender Weise, auch in der Alltagssprache. Manch ein Sprachkenner hält die Unterscheidung (etwa wegen der eigentlichen Wortherkunft) für nicht zwingend oder grenzt nur ab, um sich gerade nicht dem Verdacht der Unkenntnis der üblichen Differenzierung auszusetzen. Mein Grund: ich empfinde die Differenzierungsmöglichkeit als schön und sinnvoll; völlig unabhängig davon, wie lange es sie schon geben mag.

Geschrieben von Ruwen Schwerin am August 7, 2012 10:38 PM

4  Peter

Wie ChrisE im Hinblick auf das Ausrufezeichen anmerkt, spielen typographische Aspekte beim Auslassungszeichen ebenfalls eine Rolle. In der Textverarbeitung kann es nämlich vorkommen, dass das Zeichen automatisch auf die nächste Zeite rückt. Durch Auslassen des Leeranschlags kann das ggf. vermieden werden.

Geschrieben von Peter am January 26, 2013 6:06 PM

5  Bob Lüder


"An Anführungszeichen schließen sie direkt an:

Er sagte: 'Ich sollte wirklich ...'"

... meint doch die Anführungszeichen, welche sich anschließen:

"Anführungszeichen schließen direkt an sie an:

Er sagte: 'Ich sollte wirklich ...'"


Die Kathy hatte sich schon durch die versehentliche Großschreibung des Sie angesprochen gefühlt. Mir geht das hier so:

"Kaum ein 'moderner' Text kommt mehr ohne Auslassungspunkte aus – in kaum einem stehen Sie nach den richtigen Zeichensetzungsregeln."

Bob


Geschrieben von Bob Lüder am December 16, 2013 2:58 AM

6  Julian von Heyl

@Bob:
Vielen Dank, beides ist jetzt korrigiert!

Geschrieben von Julian von Heyl am December 16, 2013 9:44 AM

7  Lena

Vielen Dank für Ihren interessanten Artikel!

Ich bin dabei den Text einer Website zu übersetzen und bin auf Grund einer Unklarheit meinerseits auf den Artikel gestoßen.

Es geht um einen Satz, der aus ästhetischen Gründen auf der Website unterteilt ist. Sie hatten ja schon angesprochen, dass das oft bei Werbetexten der Fall ist. Ich frage mich, ob Auslassungspunkte hier angebracht wären.

Der Satz lautet in etwa so:

"Suchen Sie sich mehrere Produkte aus

[Grafik]

und gestalten Sie etwas Einzigartiges!"

Falls Auslassungspunkte hier angebracht wären, sollte ich sie dann nach den ersten Teil des Satzes oder vor den zweiten Teil setzen? Oder müssen gar keine Zeichen dazwischen? Ich möchte gerne vermeiden, "und" großschreiben zu müssen.

Ich bin für jede Antwort dankbar.

Lena

Geschrieben von Lena am February 13, 2014 4:27 PM

8  Ruwen Schwerin

@Lena: Ich meine, hier kann man keine feste Regel zugrundelegen. Vornehmlich dürfte es eine gestalterische und eine Geschmacksfrage sein, wie man hier verfährt. Zudem werden hier gerade keine (klassischen) Auslassungen bezeichnet (wozu Auslassungspunkte ansonsten typischerweise dienen), sondern es soll darauf hingewiesen werden, dass der Satz an anderer Stelle fortgeführt wird. Es handelt sich sozusagen um einen Fortsetzungshinweis. Diese Verwendung ist zum Beispiel in der Werbung recht verbreitet, oft soll dadurch wohl auch Spannung oder eine besondere Verstärkung des folgenden Satzteils erreicht werden. Herkömmliche Regeln versagen hier, da diese sich mit Trennungen aus gestalterischen Gründen (also über einen Zeilenumbruch hinaus) nicht beschäftigen. Von keinen bis hin zu Auslassungspunkten am Anfang bzw. Ende eines oder beider Satzteile ist hier grundsätzlich alles möglich.

Geschrieben von Ruwen Schwerin am July 10, 2014 3:12 PM

9  Mara

Lieber Ruwen,

ich freue mich sehr, deine wissenschaftliche Abhandlung zu diesem Thema gefunden zu haben!

Es gibt seit einiger Zeit eine Unsitte vor allem in sozialen Medien, Blogs und Foren, die mir tierisch gegen den Strich geht.

Deine Site erschien mir geeignet, um dort nach Informationen darüber zu suchen. Du fragst dich, welche "Unsitte" ich denn nun meinen könnte?

Nun, es handelt sich um ein einziges kleines Pünktchen, das immer mehr abhanden kommt..
Viele, wenn nicht gar die meisten, verzichten immer mehr auf das dritte Pünktchen bei den Auslassungszeichen.

Das nervt..
macht aggressiv..
ist viel schlechter lesbar..

Ich gehe davon aus, dass du das Phänomen kennst.
Was denkst du darüber, wo kommt es her?

Bei amerikanischen Usern sehe ich es auch, war es da zuerst und ist dann zu uns rübergeschwappt?

Und das schlimme ist: außer mir stört das niemanden!!

Es würde mich sehr interessieren, ob du etwas dazu weißt und sagen kannst :)

Liebe Grüße,
Mara

Geschrieben von Mara am October 9, 2016 12:57 AM

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