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Schreibung der s-Laute im Deutschen

s-schreibung.jpgDie schriftliche Wiedergabe der s-Laute im Deutschen war und ist keinesfalls durchgehend konsequent. Diesbezügliche Änderungen haben (quantitativ) einen großen Teil der aktuell gültigen Rechtschreibreform (seit 2006) ausgemacht. Im Rahmen dieser Übersicht soll in aller Kürze ein möglichst umfassender Überblick über die gültigen amtlichen Regeln gegeben werden.

1. Einleitung

Die neue Regelung orientiert sich in besonderem Maße am Lautprinzip (Laute sollen durch entsprechende Buchstaben oder Buchstabenkombinationen wiedergegeben werden) und folgt der sogenannten heyseschen s-Schreibung. Die Schreibung soll durch die Lautung besser abgeleitet werden können.

Bei der Schreibung der s-Laute unterscheidet die deutsche Schriftsprache drei Fälle:

  • Den stimmhaften s-Laut, der immer als s geschrieben wird (Beispiel: sagen)
  • Den scharfen, stimmlosen s-Laut, der als ss geschrieben wird (Beispiel: muss)
  • Den scharfen, stimmlosen s-Laut, der als ß geschrieben wird (Beispiel: Straße)

Der scharfe, stimmlose s-Laut kann aus verschiedenen Gründen aber auch als s geschrieben werden (Beispiel: Maus).

Wann welcher Laut wie geschrieben wird, orientiert sich dabei am Laut selbst (stimmhaft oder stimmlos), an damit verbundenen Lauten (Beispiel: Ein langer Vokal vor einem s-Laut beeinflusst dessen Schreibung), an anschließenden Lauten (Beispiel: Ein folgender Konsonant beeinflusst die Schreibung eines s-Lauts), an phonologischen Regeln (Auslautverhärtung) oder an der Stammform eines Verbs. Da die Schreibung und die Aussprache meist ohne die Verinnerlichung der sprachwissenschaftlichen Zusammenhänge erlernt und beurteilt werden, erschließen sich Regeln gerade bei der Veränderung der herkömmlichen Schreibung oft nur schwer. Diese Übersicht stellt alle gültigen Regeln der Schreibung des scharfen, stimmlosen s-Lauts in Kurzform dar. Für die Schreibung des stimmhaften s-Lauts ergeben sich keine Veränderungen bzw. Besonderheiten (zu erwähnen ist vielleicht nur, dass seine schriftsprachliche Entsprechung s aufgrund phonetischer Regeln eben auch für den stimmlosen s-Laut stehen kann).

2. Wann schreibt man ss?

Man schreibt immer dann ss, wenn der scharfe, stimmlose s-Laut zwischen zwei Vokalen/Selbstlauten (zwischenvokalisch) oder nach einem kurzen Vokal steht.

Beispiele: Wasser, lassen, Trasse.

Auch im Auslaut am Ende eines Wortes oder einer Silbe steht nach einem kurzen Vokal grundsätzlich ss:

Beispiele: Verdruss, Abriss, Geschiss, Abschluss.

Ausnahme: Davon ausgenommen sind Substantive auf -nis: Ergebnis, Geheimnis, Verhältnis, Zeugnis, Gedächtnis, Hemmnis. Bei deren Plural- oder Genitivbildung werden die Konsonanten jedoch verdoppelt: Ergebnisse – Ergebnisses, Geheimnisse – Geheimnisses, Verhältnisse – Verhältnisses, Zeugnis – Zeugnisse. Diese Ausnahme gilt aber ebenfalls für Wörter mit der fremdsprachlichen Endsilbe –mus: Amerikanismus, Pessimismus, Realismus, Terrorismus, Kommunismus, Sadomasochismus (aber: muss von müssen). Sie gilt jedoch nicht für andere Endungen, die mit –iss schließen oder einsilbige Wörter, die auf –iss enden (s. o.): Kompromiss, gewiss, Schmiss, Abriss, Schiss, Fluss, Schuss, Biss, Schluss, Kuss.

Ausnahme: Für einsilbige Wörter mit grammatikalischer Sonderstellung, so wird es im Regelwerk im Abschnitt »Laut-Buchstaben-Zuordnungen« formuliert, können Ausnahmen gelten: das (Artikel/Pronomen), bis, des (aber: dessen), plus, was, wes (aber: wessen).

Ausnahme: Auch für andere einsilbige Wörter (insbesondere aus dem Englischen) kann hier eine Ausnahme gelten. Zur s-Schreibung finden sich folgende Beispiele: Bus, Eros (siehe zur Begründung der fehlenden Konsonantenverdoppelung aber auch die nächste Ausnahme hinsichtlich der Fremdworteigenschaft). Für andere Konsonanten findet sich hier zahlreiche Beispiele: Chip, Slip, fit. Für Ableitungen gilt dann aber wiederum grundsätzlich die Konsonantenverdoppelung: Busse, Busses. Der Plural von Eros im Sinne von »Gott der Liebe« ist Eroten, der Genitiv Singular unverändert Eros, Genitiv Plural Eroten. Eros in der Bedeutung »sinnliche Liebe« bildet keinen Plural und die Genitivform steht unverändert. Das Gleiche gilt auch für den erdnahen Asteroiden Eros.

Ausnahme: Auch für mehrsilbige Wörter finden sich Ausnahmen: Globus, Atlas, Iltis, Epidermis, Bazillus und Ananas werden trotz vorangehendem kurzem Vokal mit nur einem s geschrieben. Laut Regelwerk kann die Abkehr vom Lautprinzip hier in folgenden Fällen gerechtfertigt sein: Fremdwörter (Ananas, Atlas, Globus, Epidermis) oder Wörter mit unklarem Wortaufbau oder Bestandteilen, die nicht selbstständig vorkommen (Iltis – hier müsste bei stringenter Befolgung des Lautprinzips zusätzlich der Konsonant l verdoppelt werden). Auch in den hier genannten Fällen gilt bei der Plural- bzw. Genitivbildung, also bei Ableitungen, die Verdoppelung: Globusse (auch: Globen) – Globusses (auch: Globus), Atlasse (auch: Atlanten) – Atlasses (auch: Atlanten), Iltisse – Iltisses, Ananasse (auch Ananas) – Ananas (Genitiv Plural: Ananas oder Ananasse, Dativ Plural: Ananas oder Ananassen). Der Plural von Epidermis ist Epidermen, der von Bazillus ist Bazillen und die Genitivform ist in beiden Fällen unverändert.

Auch die Umlaute ä, ö, ü sind in diesem Sinne Vokale. äu ist ebenfalls ein Umlaut, aber daneben ein Doppellaut und kein Vokalbuchstabe.

Beispiele: küssen, äußerst.

Folgt auf einen kurzen Vokal ein s-Laut, der wiederum vor einem Konsonanten steht, wird nicht mit Doppel-s geschrieben.

Beispiele: Mast, Last, Rast, Brust, Bast, lastet, rastet.

Ausnahme: Das Doppel-s bleibt aber im Auslaut von Wortstämmen auch in abgeleiteten und gebeugten Formen, also auch wenn es in solchen Fällen vor einem Konsonanten steht, erhalten.

Beispiele: müssen – musst, lassen – lasst, passen – passt.

3. Wann schreibt man ß?

Das ß steht im Auslaut (Laut, mit dem ein Wort oder eine Silbe endet) von Wortstämmen dann, wenn ein langer Vokal oder ein Doppellaut (Diphthong, Zwielaut, Zweilaut) vorausgeht. Es steht dann für den scharfen, stimmlosen s-Laut.

Beispiele: Gruß, Maß, groß, hieß, Strauß, Fleiß, beißt, scheußlich, Straße, Ruß.

Exkurs: Die Diphthonge (Doppellaute aus zwei verschiedenen Vokalen) in der deutschen Sprache sind: ei, au, äu, eu, ai und ui.

Ausnahmen: aus, hinaus, heraus, raus usw.

Gemäß dieser Regel gilt also, dass dann kein ß steht, wenn im Wortinneren der s-Laut stimmhaft ist.

Beispiele: leise, riesig, tausend, Nase, Pause, Musik, Person, Rose, Lösung, Felsen, rasen, losen, reisen.

Im gleichen Wortstamm kann bei einer Flexion oder Ableitung die Länge oder Kürze des Vokals vor dem s-Laut wechseln - entsprechend wechselt dann auch die Schreibung zwischen ß und ss.

Beispiele: fließen – er floss; Fluss – das Floß; genießen – er genoss – Genuss; wissen – er weiß – er wusste.

Ausnahme: Die Regel, dass ein ß dann steht, wenn im Auslaut von Wortstämmen ein langer Vokal vorausgeht, gilt nur dann, wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt.

Beispiele: Schuster, Trost, trösten, Wüste, Meister, meist, räuspern.

Folgt der Konsonant also nicht im Wortstamm, steht ein ß auch dann, wenn ein Konsonant folgt.

Beispiele: fließen – fließt; reißen – reißt; aber: reisen – reist.

Hierbei handelt es sich um die Endung des Verbstamms. Das s der regulären Endung -st wird in diesem Fall nach dem s-Laut ß weggelassen.

Ausnahme: Kein ß steht bei einer Auslautverhärtung. Die Verhärtung von bestimmten Konsonanten am Silbenende sowie vor anderen Konsonanten innerhalb der Silbe wird in der Schreibung nicht berücksichtigt. Bei s-Lauten führt das dazu, dass scharfe, stimmlose s-Laute auch nach langen Vokalen nicht immer als ß geschrieben werden. Ableiten kann man die Schreibung dann aus aus Ableitungen oder erweiterten Formen, in denen der entsprechende Konsonant am Silbenanfang steht.

Beispiele: Haus, häuslich, Häuser; Maus, Mäuse; Preis, preislich, Preise; Eis, Eises; Ausweis, ausweisen; Reis, Reises.

Verben, die regulär mit einen stimmhaften s-Laut gebildet werden, sind in allen Formen mit einem einfachen s zu schreiben. Man kann die Schreibung hier auf den Verbstamm zurückführen.

Beispiele: niesen – niest – geniest; reisen – reist – gereist.

4. Ausnahme: Eigennamen

Die neuen Regeln verändern nicht die Schreibung von Eigennamen. So wird die Litfaßsäule auch weiterhin mit ß geschrieben, weil sich deren Name nicht vom Fass (das mit ss geschrieben wird) ableitet, sondern von ihrem Erfinder, dem Berliner Drucker Ernst Litfaß.

5. dass/das/daß

Die Unterscheidung zwischen dass und das ist eine rein grammatikalische und richtet sich nicht nach dem Lautprinzip; beide Wörter werden gleich ausgesprochen. Die Konjunktion dass (vorher daß) wird mit ss geschrieben. Dadurch wird sie vom Artikel bzw. vom Pronomen das abgegrenzt. Die vor der Rechtschreibreform gültige Unterscheidung zwischen das und daß (jetzt: das und dass) bleibt also die Gleiche, man schreibt nun lediglich dass statt daß.

Die Abgrenzung zwischen der Konjunktion dass und dem Artikel bzw. Pronomen das kann so gelingen: Die Konjunktion dass verbindet Nebensätze meist mit Hauptsätzen, in denen Verben wie behaupten, bestätigen, denken, glauben, hoffen, meinen, sagen, versprechen, wissen usw. vorkommen. Sie kann nicht durch die Pronomen dieses oder welches ersetzt werden, welche bei Unsicherheiten zur Probe eingesetzt werden können.

6. Fehlendes ß und Schreibung in Großbuchstaben

Steht einem der Buchstabe ß nicht zur Verfügung, so schreibt man stattdessen ss. Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS (Beispiel: Straße – STRASSE). Ursprünglich hatte der Duden für die Großschreibweise die Ersetzung durch SZ vorgesehen, diese aber später zugunsten der Schreibung mit SS auf die wenigen Fälle begrenzt, in denen Verwechslungen möglich sind (z. B. Maße – MASZE gegenüber Masse – MASSE). In der reformierten Rechtschreibung wurde die Ersetzung durch SZ ganz abgeschafft, obwohl diese zumindest aus dem genannten Grund der Verwechselung sinnvoll wäre. Dazu kommt, dass die Schreibung von SS in vielen Fällen (gefühlsmäßig) andeutet, dass man den vorausgehenden Vokal kurz sprechen muss. Am Rande: Am 4. April 2008 wurde das große ß im Unicode-Standard Version 5.1 veröffentlicht.

7. Die frühere Rechtschreibung der s-Laute

Nach der traditionellen Rechtschreibung schrieb man ein ß nach einem gedehnten Vokal oder Diphthong und am Ende einer Silbe oder vor einem Konsonanten (also auch am Wortende und vor der Wortfuge). Das ß wurde also immer geschrieben, wenn ss aufgrund seiner Position im Wort nicht getrennt werden kann oder darf. Beispiel: muß – mußte – müssen. Die Unterscheidung zwischen dem Pronomen das und der Konjunktion daß war die gleiche wie die nach der neuen deutschen Rechtschreibung, nur wurde daß statt dass geschrieben.

8. Die gute alte bayrische Maß

In der Bedeutung Messgerät, Einheit zum Messen; richtige Größe, Menge; Angemessenes; Mäßigung wird Maß immer mit ß geschrieben (nach dem langen Vokal a). Da das Wort in Bayern und Österreich (auch) mit kurzem a gesprochen wird, ist die Schreibung mit Doppel-s gemäß Duden ebenfalls zulässig. Vielleicht kann man hier eine sympathische Ausnahme von der Regel sehen: In Bayern bestellt man seine Maß immer mit einem kurzen a – geschrieben wird sie gemeinhin trotzdem weiterhin mit ß.

Übersicht zur Schreibung der s-Laute im Deutschen
Übersicht zur Schreibung der s-Laute im Deutschen

Ruwen Schwerin am 04.01.11 | Kommentare (15) | Visits: 15683

Rubrik Sprach|regeln:

Sprache lebt von Regeln – und Regeln sind nicht immer einfach. Doch wenn man einen zweiten Blick riskiert, dann ist es oft gar nicht so schwer, den eigenen Texten ein korrektes Gewand zu geben. Wenn Rechtschreibregeln klar und übersichtlich daherkommen, dann ist mit deren Hilfe der fehlerlose Text meist nicht mehr gar so weit entfernt ...

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Kommentare

1  Werner

"Auch im Auslaut am Ende eines Wortes oder einer Silbe steht nach einem langen Vokal grundsätzlich ss:"
ist natürlich nicht korrekt, es muss heißen "nach einem kurzen Vokal".

Geschrieben von Werner am April 19, 2011 12:04 PM

2  Ruwen Schwerin

Vielen Dank für den Hinweis! Ich habe den Satz korrigiert.

Geschrieben von Ruwen Schwerin am May 2, 2011 10:40 PM

3  anna

lesen-er liest-sie la_ =was kommt bei _ rein???

Geschrieben von anna am November 28, 2011 12:14 PM

4  Ruwen Schwerin

Präteritum: Sie las.

Für alle Fragen zur Rechtschreibung empfehle ich das Rechtschreibforum von korrekturen.de:

https://www.korrekturen.de/forum.pl

Geschrieben von Ruwen Schwerin am December 16, 2011 6:29 PM

5  Kneubühler Samuel

Und ein Hinweis für alle nicht-Deutschen:

In der Schweiz und in Liechtenstein benutzt man das Eszett überhaupt nicht - ausser ein bis zwei Tageszeitungen und Verlage. Wir haben auch eine andere Computertastatur mit deutsch-französischen Zeichen (auch in Luxembourg verwendet) - das Eszett fehlt. Man muss die Tastenkombination kennen.

Geschrieben von Kneubühler Samuel am July 17, 2012 1:16 PM

6  Graphitteller

Noch mal zu Schweiz (Liechtenstein eingeschlossen). Die Nichtverwendung des „ß“ führt dazu, dass zwei physikalisch unterschiedliche Größen identisch geschrieben werden:

Beispiel:
Man kauft eine Plane, welche die Masse von 5 m x 7 m hat, die Masse beträgt 23 kg.

Jetzt könnte man ja versuchen dieses Kuriosum fachlich zu umgehen, in dem man das Wort "Masse" gegen das Wort "Gewicht" austauscht, dazu müsste man aber die Maßeinheit kp, diese ist aber veraltet und nicht mehr zugelassen, verwenden. Tut man es trotzdem, sind diese beiden Maßeinheiten zahlenmäßig aber nur gleich, wenn die Normfallbeschleunigung gN = 9,80665 m/s² vorliegt, was für die Schweiz leider nicht zutrifft.

Fazit: Welch ein Jammer?

Geschrieben von Graphitteller am July 22, 2012 10:01 PM

7  Antje Hindemith

Ich bin Legasthenie-Trainerin und beim Versuch einer Schülerin die s-Laut-Schreibung zu erklären, fiel uns das Wort "zumindest" auf. Wie kann man die s-Schreibung begründen? Ist der Wortstamm hier nicht "mind" oder doch "mindest"? Für letzteren Fall wäre die Begründung einfach. Für den ersten Fall weiß ich keine Begründung. Auch aus dem obigen Test geht sie nicht hervor. Vielen Dank für eine Antwort.

Geschrieben von Antje Hindemith am April 8, 2013 4:04 PM

8  Ruwen Schwerin

Der Wortstamm dürfte tatsächlich mind sein (ohne das nachgeschlagen zu haben). So auch: minder, mindern.

Folgendes findet sich oben in Ziffer 2:

Folgt auf einen kurzen Vokal ein s-Laut, der wiederum vor einem Konsonanten steht, wird nicht mit Doppel-s geschrieben.

Beispiele: Mast, Last, Rast, Brust, Bast, lastet, rastet.

Ausnahme: Das Doppel-s bleibt aber im Auslaut von Wortstämmen auch in abgeleiteten und gebeugten Formen, also auch wenn es in solchen Fällen vor einem Konsonanten steht, erhalten.

Beispiele: müssen – musst, lassen – lasst, passen – passt.

Geschrieben von Ruwen Schwerin am April 8, 2013 6:09 PM

9  Martin Beesk

Das Schaubild scheint mir nicht vollständig: Es fehlen Fälle wie "Kapsel", "Erbse"; "Rätsel" - also die Fälle wo der stimmlose ß-Laut nach anderen Konsonanten vorkommt. Zu beachten ist dabei, dass aber (selten) auch Fälle wie "Börßum" (Ortsname) auftreten können, deren Schreibung durchaus als regelmäßig einzuschätzen sind (da eine andere Schreibung abwegiger wäre: *Börssum oder gar *Börsum, und das ß also auch hier der eindeutigen Laut-Buchstaben-Zuordnung dient)!

Geschrieben von Martin Beesk am March 12, 2014 8:32 AM

10  Ruwen Schwerin

Das Schaubild gibt tatsächlich nur einen Überblick über die Grundregeln und ist nicht vollständig, die sonstigen Zusammenhänge und Ausnahmen werden im Beitrag benannt.

Geschrieben von Ruwen Schwerin am July 10, 2014 3:57 PM

11  Brigitte Häfner

Wer kann mir helfen ,ob folgende Wörter kurze oder lange
Laute sind.
Klasse,klettern,gießenbar,schicken,fließen,schließlich,leer

stoßen,kennen,draußen,dünn,nass.
Danke
Brigitte

Geschrieben von Brigitte Häfner am February 6, 2015 8:58 AM

12  Martin Beesk

Wenn ich die Frage richtig verstehe, geht es hier um die Frage, ob es sich bei den Selbstlauten (der betonten Silbe) um lange oder kurze Selbstlaute (= Vokale) handelt.
Zunächst die konkrete Antwort:
Selbstlaut "lang" (andere Bezeichnungen/Merkmale: "geschlossen", "gespannt", "mit losem Anschluss (an den folgenden Mitlaut = Konsonant)"):
*gießenbar (dies Wort gibt es nicht, es ist wohl gießbar oder gießen + bar gemeint), gießen, bar, fließen, schließlich, leer, stoßen.
Selbstlaut "kurz" (andere Bezeichnungen/Merkmale: "offen", "ungespannt", "mit festem Anschluss (an den folgenden Mitlaut = Konsonant)"):
Klasse, klettern, schicken, kennen, dünn, nass.

Als besondere Fälle werden meist die Diphthonge (Zwielaute) genannt (zwei verschiedene Selbstlaute in einer Silbe). Da sie sich, kurz gesagt, ähnlich wie lange Selbstlaute verhalten, gelten sie auch als "lang":
draußen, vgl. Auge, reiten, reißen, Eule, äußern, Boiler.

Die Leseregel ist übrigens durchschaubar.
Immer als "lang" erkennbar sind Selbstlaute, wenn vor dem nächsten Selbstlaut im Wort höchstens ein Buchstabe für Mitlaute folgt: Strafe, Straße, trafen, aßen, Ofen, blöken, duzen, eben.
Dies gilt auch für einsilbige Wörter aus Wortarten, in denen regelmäßige Verlängerungen möglich und üblich sind: z.B. Hut (vgl. Hüte), groß (vgl. große), Kran (vgl. Kräne), Typ (vgl. Typen). Außerdem sind die Selbstlaute "lang", wenn sie als "lang" gekennzeichnet sind: durch "Dehnungs-h", "Dehnungs-e" im Falle von ie, oder durch doppelte Darstellung (aa, ee, oo): Zahl, ihm, gießen, schließlich, leer.

Wenn mehrere Buchstaben für Mitlaute folgen, ist der Selbstlaut in den meisten Fällen "kurz" (aber nicht notwendigerweise): Kante, Akte, Hefter, Wespe, Küste, sondern, klatschen. (Aber "lang": Wüste, Mond, latschen.)

Immer "kurz" ist der Selbstlaut aber, wenn der Mitlaut, der dem Selbstlaut unmittelbar folgt, zweimal mit Mitlautbuchstaben dargestellt wird (meist mit zwei gleichen Buchstaben, aber im Falle von ck und tz auch mit verschiedenen): Kanne, dünn, klettern, straff, Trasse, treffen, essen, offen, Blöcke, Dutzend, Ebbe.

Geschrieben von Martin Beesk am February 6, 2015 12:31 PM

13  Waitl Gärtner

Diese Regelung ist mit Abstand die größte Sünde der neuen Rechtschreibung.

Jeder der sich auch nur ein wenig mit der deutschen Sprache auskennt weiß, daß das ß eine Buchstabenverbindung aus dem langen ſ (langen-Es), welches nur am Anfang oder in der Mitte eines Wortes steht, und dem s (Schluß-Es), das nur am Silben-/Wortende steht, ist.

Das ß ist durch die jahrhundertelange deutsche Schreibtradition natürlich gewachsen.
Aber wenn kümmert das schon. Dank der "Reform" haben wir jetzt so hübsche Buchstabenhaufen wie "Schlussstrich", "Flussschifffahrt" oder "Küsschen".

Nein danke, ich bleibe bei der
traditionellen (d.h. vernünftigen) Schreibweise.

Geschrieben von Waitl Gärtner am August 11, 2017 10:42 PM

14  Frank Bishop

Es wird bei dieser Regelitis auch übersehen, daß in der heutigen deutschen Typografie die ß-Form als Kompromiß auf der Tastatur verankert wurde. Leider wird, dank amerikanischem WORD und Co. Jedem heute das Satz-Geschäft in die Hände gelegt, ohne man davon eine Ahnung haben muß. Da macht es nichts aus, 3x s hintereinander auf die Tasten zu hauen und daraus unsinnige Regeln abzuleiten. Visuell ist es ein Unding und die daraus resultierenden Schreibregeln ein absoluter Quatsch. Wer sich mit den alten deutschen Handschriften auskennt, die bis in die zwanziger Jahre gelehrt wurden, weiß das es für die vielen deutschen s-Laute verschiedene Sonderzeichen gab, und die Regel: Es gibt keine sss. Mit der Verwendung der anglophilen, lateinischen Schrift in der heutigen deutschen Typografie entfielen diese, leider aus technischen Gründen. Daraus hat man dann eine NEUE Handschrift gezimmert, die man den Kindern beibringt und die der deutschen Sprache zuwider läuft. Es wird einfach geDE-EN-lischt. Dieser Text wurde online proofreaded.

Geschrieben von Frank Bishop am March 28, 2018 9:33 AM

15  Graphitteller

Frank Bishop schreibt: "Daraus hat man dann eine NEUE Handschrift gezimmert, die man den Kindern beibringt und die der deutschen Sprache zuwider läuft." Meiner Meinung fehlt in dem Satz zwischen den Wörtern "eine" und "NEUE" noch das Wort "töricht" oder "albern"!

Geschrieben von Graphitteller am March 28, 2018 10:58 AM

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