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Vermischtes

Orthografische Bevormundung durch Google

Schon seit längerer Zeit gibt es bei Google die Funktion »Meinten Sie: ...«, bei der pedantische Zeitgenossen zwar das Fragezeichen vermissen, die aber bei Vertippern oder Unkenntnis der genauen Schreibweise durchaus praktisch sein kann. Nun gibt es aber auch Situationen, in denen man eben nicht das meinte, was Google vorschlägt, sondern das, was man eingetippt hat. Und hier macht Google einem neuerdings das Leben – bzw. die Suche – schwer.

Nehmen wir als Beispiel die »Aschenwolke«. In einem Beitrag unter »Nachgefragt« hatten wir geklärt, dass dies eine durchaus korrekte Variante zur ungleich verbreiteteren »Aschewolke« ist. Interessant wäre es doch, einmal festzustellen, welche Medien diese Schreibvariante nutzen. Doch nach Eingabe von »Aschenwolke« kommt nicht nur – wenig überraschend – prompt die »Meinten Sie«-Belehrung von Google, sondern auch die Suchergebnisse entsprechen so gar nicht dem, was man erwartet. Unter vielen »Aschewolken« blitzt nur selten einmal eine »Aschenwolke« auf. Besonders ärgerlich: Vorneweg unter den Treffern paradiert die Bildzeitung mit ihrer proprietären Deppenbindestrich-Schreibweise »Asche-Wolke«, was mit dem genau Gesuchten ja nun gar nichts mehr zu tun hat.

google_aschenwolke.jpg
Google: Meinten Sie "Aschewolke"? Nicht? Egal, wir machen eh, was wir wollen ...

Und tatsächlich: Zwar unterscheiden sich die Suchtreffer je nach Schreibweise in ihrer Gewichtung, aber wirklich nur nach »Aschenwolke« sucht Google erst, nachdem man das Wort in Anführungszeichen eingeschlossen und der Suchmaschine so signalisiert hat, dass man wirklich ohne Wenn und Aber genau das suchen will, was man eingegeben hat. Andernfalls wohnt Googles »Meinten Sie«-Nachfrage eine gewisse Scheinheiligkeit inne, denn auch wenn man die Option nicht nutzt, präsentiert Google keineswegs die zum Eingetippten passenden Suchergebnisse, sondern bevormundet den Suchenden orthografisch und verbiegt die Suchtreffer nach eigenem Gutdünken.

Man muss sich das so vorstellen, als wenn man beim Bäcker drei Sesambrötchen verlangt und dieser fragt: »Meinten Sie Bienenstich?« Man verneint dies und besteht auf Sesambrötchen, woraufhin der Bäcker einem stillschweigend drei Rosinenbrötchen in die Tüte packt, weil er der Meinung ist, dies sei der beste Kompromiss zwischen Sesambrötchen und Bienenstich. Würden Sie bei so einem Bäcker weiterhin einkaufen?

Julian von Heyl am 12.05.10 | Kommentare (14) | Visits: 2576

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Kommentare

1  Elchverleiher

Ich empfehle clusty.com, die Suchmaschine ist zwar noch auf Englisch, strukturiert die Ergebnisse aber besser und ist kein bisschen bessergooglerisch.
Clusty findet: "at least 18,299 retrieved for the query Aschenwolke"

Und zeigt die dann tatsächlich auch...

Geschrieben von Elchverleiher am 13.05.10 10:43

2  Josef Tura

"Man muss sich das so vorstellen, als wenn man beim Bäcker..." was soll denn das für ein Deutsch sein, bitte ?

Geschrieben von Josef Tura am 13.05.10 12:17

3  Julian von Heyl

@Josef Tura: „Es gibt so vielerlei Husten, trockenen und losen, und der lose ist eher noch vorteilhafter ..., als wenn man so bellt.“ – Th. Mann, Der Zauberberg

Geschrieben von Julian von Heyl am 13.05.10 13:15

4  Fritz Weisshart

und was spricht dagegen, den Suchbegriff in Anführungszeichen einzuschließen? (Ist das nicht so, als wenn man beim Bäcker die Stimme anhebt, während man "Rosinen" spricht. ;-)

Geschrieben von Fritz Weisshart am 13.05.10 16:29

5  Julian von Heyl

@Fritz Weisshart: Ja, kann man natürlich. Aber erstens muss man das wissen, und zweitens sperrt sich etwas in mir dagegen, eine Suchmaschine mit spezieller Syntax davon abbringen zu müssen, meine Eingaben auf ihre Weise zu interpretieren.

Geschrieben von Julian von Heyl am 13.05.10 16:36

6  Josef Tura

@Julian von Heyl: das Thomas-Mann-Zitat ist doch eine völlig andere Satzkonstruktion. Sich etwas vorzustellen oder zu träumen, ist oder mutet an "wie wenn" - bei der Textstelle von Thomas Mann gehts um einen direkten Vergleich: loser Husten ist besser "als" bellender.

Geschrieben von Josef Tura am 13.05.10 21:27

7  Julian von Heyl

@Josef Tura: Meiner Meinung nach ist hier beides richtig, "als wenn" oder "wie wenn". Die Diskussion sollten wir aber per Mail oder im Forum fortsetzen; es hat ja eher wenig mit dem Thema des Blogbeitrags zu tun ...

Geschrieben von Julian von Heyl am 13.05.10 21:55

8  David

Google hat wohl gelernt :o

Nun wird schön säuberlich nach Aschenwolke gesucht... Ohne Anführungszeichen

Geschrieben von David am 14.05.10 14:16

9  Julian von Heyl

@David: Leider nein.

Geschrieben von Julian von Heyl am 15.05.10 02:45

10  David

Ach stimmt... Wenn ich Google manuell aufrufe, dann klappt es nicht mehr.

Wenn ich aber bei Firefox oben rechts „Aschenwolke“ eingebe, wird auch nach Aschenwolke gesucht...

Geschrieben von David am 15.05.10 16:00

11  Edgar

@David: Das hängt wohl damit zusammen, dass in deinem Firefox-Google Englisch als Standardsprache festgelegt ist. Dort gibt es anscheinend keine Bevormundung für deutsche Begriffe.

Geschrieben von Edgar am 17.05.10 12:03

12  Chrizi

@alle,
versucht doch einfach mal, euren x-beliebigen Suchausdruck in selbstgewählter Schreibweise bei Google in Anführungszeichen eizugeben (z.B. "Aschnewolke"). Google sucht auf diese Weise nach dem exakten Ausdruck (und zwar immer und nur nach diesem Ausdruck).

Beste Grüße
Chrizi

Geschrieben von Chrizi am 30.05.10 12:27

13  Simon

Möglich ist bei Google auch, ein Pluszeichen vor das Wort zu setzen, dessen Veränderung man nicht wünscht.

Gruß
Simon

Geschrieben von Simon am 29.06.10 11:30

14  Werbeagentur

Google nennt das ganze im Übrigen latent semantische variable Suche, also eine Suche die versucht neben Text-Dateien auch andere Medien und eben Synonyme wie auch andere Schreibweisen mit einzubeziehen.

@ Simon: Das mit dem Pluszeichen wusste ich noch nicht, aber Anführungszeichen, z.B. "Werbeagentur Berlin" funktionieren auch.

Daniel Knappe
Werbeagentur Berlin

Geschrieben von Werbeagentur am 01.08.10 01:44

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