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Vermischtes

VDS wählt Duden zum Sprachpanscher des Jahres

Bereits seit 1997 wählt der Verein Deutsche Sprache (VDS) den »Sprachpanscher des Jahres« für »besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache« – die aus Sicht des VDS insbesondere in der übermäßigen Verwendung von Anglizismen bestehen. Mit der diesjährigen Entscheidung, diese zweifelhafte Auszeichnung ausgerechnet dem Duden zu verleihen, dürfte sich der Verein aber um einiges verhoben haben.

Negativauszeichnungen sind stets eine Gratwanderung: So hatte der VDS noch 1997 durchaus viele Sympathien auf seiner Seite, als er den damals noch etwas bieder-altertümelnd »Sprachschuster des Jahres« genannten Preis erstmals an Jil Sander vergab, die in einem Interview im schönsten Denglisch schier Unverständliches kauderwelschte (»Mein Leben ist eine giving-story«). Doch in den letzten Jahren kippte das Bild immer mehr zuungunsten des Vereins, die Verleihungen des »Sprachpanschers« wirkten zunehmend kleinlich und sprachnörglerisch.

Mit seiner Entscheidung, den »Sprachpanscher des Jahres« ausgerechnet dem Duden zu verleihen, dürfte der VDS endgültig den Bogen überspannt und ein veritables Eigentor geschossen haben – im Gegensatz zu früheren Nominierungen sind die Reaktionen eher verhalten bis kritisch; und im renommierten Forum linguisten.de wird sogar bereits über eine Gegenaktion »Sprachnörgler des Jahres« nachgedacht. Schon im Vorfeld der Nominierung war der Vereinsvorsitzende Walter Krämer durch unangenehme Stammtischpolemik aufgefallen, als er öffentlich bedauerte, dass »dieses einstmals respektierte Nachschlagewerk […] zum billigen Handlanger von Modefuzzis und Amitümlern aller Art verkommen« sei. Ja, früher™ war natürlich alles besser. Jetzt legt er nach: Der Duden trage dazu bei, »dass sich sprachliches Imponiergehabe im Glanze einer quasi amtlichen Zustimmung sonnen dürfe«.

Mit seiner Nachfrage, warum es der »Klapprechner« nicht in den Duden geschafft habe, obgleich dieser doch »immerhin über 34.000 Treffer bei Google« aufweise, beweist Krämer gleichzeitig eine erschreckende Ahnungslosigkeit, was die Arbeitsweise einer Wörterbuchredaktion angeht – zumal die meisten Suchtreffer auf Forderungen des VDS und prominenter VDS-Mitglieder wie des unvermeidlichen Bastian Sick verweisen, ebendieses Wort doch bitteschön dem »Laptop« oder »Notebook« vorzuziehen.


Nachhilfe für Krämer: Wie kommt ein Wort in den Duden?

Tatsächlich maßt sich der Duden natürlich keinerlei reglementierende Rolle an, wenn es um den deutschen Sprachschatz geht, sondern dokumentiert diesen nur. Entsprechend knapp fiel die offizielle Reaktion seitens einer Duden-Sprecherin aus: »Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab.« Und mehr gibt es dazu tatsächlich nicht zu sagen. Außer vielleicht, dass die Bemühungen des VDS, seinerseits »die Sprache« zu »machen«, zunehmend ins Peinliche und Lächerliche laufen.

Julian von Heyl am 02.09.13 | Kommentare (4) | Visits: 4159

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Kommentare

1  Werner G

„Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab.“
Damit macht man es sich aber etwas zu einfach, denn der Duden wird ja als Referenz herangezogen. Was da drinsteht ist quasi Gesetz.

Würde man solche Unwörter wie "Pizzas" nicht aufnehmen, würde deren Verbreitung wahrscheinlich eingedämmt. So ist aber praktisch eine Legitimierung vorhanden, und man kann selbst ungehemmt derartig verhunzte Begriffe verwenden und damit noch weiter verbreiten.

Zwar stimme ich nicht zu, den Duden als Sprachpanscher zu bezeichnen. Etwas kritischer bei der Auswahl der aufzunehmenden Begriffe zu sein, wäre dennoch kein Fehler.

Geschrieben von Werner G am 04.09.13 08:19

2  Axel K.

Im Gegensatz zu dem Verfasser dieses Artikels kann ich den VDS zu seiner Entscheidung nur beglückwünschen. Wolf Schneider, der Leiter der Hamburger Journalistenschule, hat schon 1984 in seinem Buch "Deutsch für Profis" festgestellt: "Der Duden ist zu einer Hure geworden". Vom Wächter der deutschen Sprache ist der Duden zu einem reinen Registrierwerk verkommen, das offenbar alle fragwürdigen Begriffe aufnimmt, die irgendwo und irgendwann einmal in Deutschland geäußert wurden. Jeder der Normen setzt, unterliegt der Kritik. Das sollte sich die Dudenredaktion vielleicht noch einmal vor Augen führen.

Geschrieben von Axel K. am 11.09.13 09:18

3  Rainer L.

Auch ich muss feststellen, dass der Duden mit seiner Politik der "Sprachabbildung" einen falschen Weg geht. Es werden auch Wörter aufgenommen, die einfach sprachlicher und logischer Unsinn sind.

Ein Beispiel dafür ist "lohnenswert". Ja, es wird inzwischen von vielen Sprechern und Schreibern benutzt. Aber was soll es bedeuten? Die Erklärungen setzen es gleich mit "lohnend" - aber warum bleibt man dann nicht dabei? Irgendwer hat das ähnlich klingende Wort "lobenswert" im Ohr gehabt und, als er eigentlich "lohnend" meinte, diesen Quatsch generiert.

Was könnte es denn bedeuten? Ich sehe nur Möglichkeiten:
1. Etwas ist "(es) wert, dass man es lohnt"?
2. Etwas ist "wert, dass es sich lohnt?"
Beide ergeben keinen Sinn!

Geschrieben von Rainer L. am 21.07.16 14:11

4  Hajo Schneider

Alle drei vorstehend aufgeführten Kommentare finden meine Zustimmung - ich erspare mir deshalb viel weitere DUDEN-Kritik. Dieses Werk mit der bald erscheinenden 27. Auflage ist längst nicht mehr das, was es mal war.
Es soll die "deutsche" Rechtschreibung abbilden - viele der Anglizismen sind da fehl am Platz ...
Ihre Schelte des verdienstvollen VDS ist kleinlich und weit überzogen. Schade, dass Sie so wenig für unsere Sprache übrighaben und nicht erkennen (wollen und können), worum es dem VDS geht.

Geschrieben von Hajo Schneider am 07.07.17 12:42

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