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Rezensionen

Kuriose Wortvorschläge für den Duden

woerter_die_es.jpgUngefähr alle drei bis vier Jahre erscheint der Duden Band 1 »Die deutsche Rechtschreibung« in neuer, aktualisierter Auflage, stets begleitet von einem großen medialen Interesse, welche Wörter neu in das Standardwerk aufgenommen wurden. In dem kleinen Bändchen »Wörter, die es vermutlich nie in den Duden schaffen werden« würdigt die Dudenredaktion nun Wortvorschläge, die oft kreativ und durchdacht sind – aus den verschiedensten Gründen aber nicht für eine Aufnahme in den Duden infrage kommen.

Ob ein Wort in den Duden kommt oder nicht, entscheidet die Dudenredaktion anhand des sogenannten Dudenkorpus. Dabei handelt es sich um eine mächtige Textbasis, die sich aus Print- und Online-Veröffentlichungen aller Art speist. Sehr gut erklärt wird das im Artikel »Wie kommt ein Wort in den Duden?« bzw. im gleichnamigen Video.

Viele Zeitgenossen stellen sich den Prozess der Neuaufnahme von Wörtern in den Duden sehr viel einfacher vor und nehmen an, man müsse nur eine aus ihrer Sicht überzeugende Wortneuschöpfung an die Dudenredaktion schicken, und schon käme das Wort eine Auflage später ins Wörterbuch. Dies ist natürlich nicht der Fall, jedoch sind die Wortvorschläge an die Dudenredaktion häufig so kurios, lustig, kreativ und originell, dass ihnen nun ein eigenes Büchlein gewidmet wurde.

Eine Frau Anja S. vermisst beispielsweise das »Gebäum«, was analog zu »Büsche – Gebüsch« eine kleinere Baumgruppe wäre – wozu die Dudenredaktion anmerkt, dass es das Wort sogar gebe, es aber einfach zu selten verwendet werde, um eine Aufnahme in den Duden zu rechtfertigen. Andere Leser vermissen Gegensatzwörter und fragen sich, warum es zu »Billigflieger« und »überwältigt« nicht längst die Antonyme »Teuerflieger« und »unterwältigt« gibt.

So manchem Klassiker der Wortfindung kann man hier erneut begegnen, so etwa der alten Frage, wie das Äquivalent zu »satt« lauten könnte, wenn man genug getrunken hat – das einst vorgeschlagene Wörtchen »sitt« hat sich ebenso wenig durchsetzen können wie der Vorschlag »schmöll«, den einst Robert Gernhardt unter dem Pseudonym Werner Schmöll zu lancieren versuchte. Und zur »Kundenwarentrennleiste« merkt die Dudenredaktion an, dass diese zumeist »Warentrenner« oder »Trennstab« genannt wird – beide Wörter finden sich mittlerweile im Duden.

Es macht viel Spaß, sich durch die häufig ausführlich begründeten Vorschläge zu lesen. Manche kommentiert die Dudenredaktion, andere lässt sie einfach für sich stehen, wie etwa das wortreiche Plädoyer dafür, der Ortsangabe »obige« ein »untige« zur Seite zu stellen. Nicht zuletzt ist der Dudenband »Wörter, die es vermutlich nie in den Duden schaffen werden« ein sympathischer Beleg für die hohe innovative und kreative Kraft, die die deutsche Sprache und ihre Benutzer auszeichnet.

DUDEN
Wörter, die es vermutlich nie in den Duden schaffen werden
Kuriose Wortvorschläge an die Dudenredaktion
2014, 1. Auflage, 80 Seiten, broschiert, Dudenverlag

Julian von Heyl am 04.10.14 | Kommentare (0) | Visits: 7832

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