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Rezensionen

Der Duden-Korrektor 13 für MS Office

Mit der Anfang 2019 veröffentlichten Version 13.0 des Duden-Korrektors ist die Rechtschreib- und Grammatikprüfung laut Hersteller EPC »noch effizienter und leichter« geworden. Neu hinzugekommen sind eine Füllwortanalyse, die Erkennung möglicher Eigennamen und der Anzeigemodus »Nur aktuellen Fehler anzeigen«, der die Durchsicht der potenziellen Fehlerstellen erleichtern soll. Jürgen Hahnemann stellt die neuen Funktionen vor – und stößt auf zweifelhafte Korrekturvorschläge.

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Links das Textdokument, rechts der Duden-Korrektor-Aufgabenbereich

Neue Funktionen

Schon bisher bot der Duden-Korrektor im Rahmen einer »Stilprüfung« die Möglichkeit, wahlweise dialektale, umgangssprachliche oder veraltete Begriffe sowie Fremd- und Fachwörter zu markieren. Die sogenannte Füllwortanalyse findet nun auch Vokabeln wie »eigentlich« und »nämlich«, aber auch »natürlich« und »vielleicht«, und fordert zur Prüfung auf, ob man diese streichen möchte. Möglicherweise wissen nicht stilsichere Schreiber/innen diese Funktion zu schätzen, ansonsten ist ihr Nutzen eher fraglich – schließlich sind Füllwörter nicht unbedingt negativ zu beurteilen, sondern dienen häufig der besseren Verständlichkeit und atmosphärischen Tönung von Texten. Von den »Füllwörtern« zum Beispiel, die der Duden-Korrektor in diesem Text gefunden hat, scheint uns kein einziges unnötig oder verzichtbar.

Neu ist auch die Erkennung möglicher Eigennamen, mit der sich die Anzahl der potenziellen Fehlerstellen vor der Durchsicht reduzieren lässt. Vor der Anzeige der Fehlerstellen zeigt der Duden-Korrektor nun eine Liste möglicher Eigennamen, die sich ins Wörterbuch aufnehmen lassen und dann nicht mehr als Fehler markiert werden – eine höchst sinnvolle Funktion zum Beispiel bei wissenschaftlichen Arbeiten, deren Literaturverweise ansonsten fast ausnahmslos als Fehler markiert werden. Allerdings zeigen sich die Grenzen dieser Funktion in unserem Praxistest, den wir anhand einer erziehungswissenschaftlichen Studie durchgeführt haben: Zum einen werden zahlreiche Eigennamen nicht als solche erkannt, zum anderen hält der Duden-Korrektor auch Begriffe aus englischen Zitaten wie »Pedagogic« oder »Pragmatism« für Eigennamen. Eine Prüfung der vorgeschlagenen »Eigennamen« ist also unumgänglich, so dass der Aufwand hierfür nicht etwa eingespart, sondern nur nach vorne verlagert wird.

Mit der neuen Auswahl verschiedener Anzeigemodi nach der Korrektur wurde eine lästige Eigenschaft der Vorgängerversion behoben. Wie bisher ist es möglich, die gefundenen Fehlerstellen entweder in Textreihenfolge oder aber sortiert nach Fehlerkategorien durchzusehen und die Korrekturvorschläge jeweils per Mausklick anzunehmen oder abzulehnen. Bei der Durchsicht in Textreihenfolge wird immer nur ein Fehler angezeigt, was der Hersteller als »ablenkungsarmen Korrekturmodus« bewirbt. Viel wesentlicher erscheint uns allerdings die Tatsache, dass die aktuelle Fehlerstelle nun auch bei der Durchsicht nach Fehlerkategorien immer ganz oben im Duden-Korrektor-Aufgabenbereich angezeigt wird, was das zügige »Abarbeiten« der potenziellen Fehlerstellen deutlich erleichtert.

Alte Schwächen

Allerdings zeigt sich in diesem Punkt auch die grundsätzliche Schwäche des Duden-Korrektors ab Version 12 (Rezension der Vorgängerversion): Aus technischen Gründen kann sich dieser nicht mehr in die Word-Korrekturfunktion einklinken, wie dies bei älteren Versionen der beiden Programme der Fall war, hat also keinen Einfluss auf die Rechtschreib- und Grammatikprüfung, die bei Word schon während der Texteingabe im Hintergrund läuft. Stattdessen erfordern die Korrektur und anschließende Durchsicht einen separaten Arbeitsschritt, der je nach Umfang und Komplexität des Textes recht zeitintensiv ausfallen kann. Zudem ist die Anzahl der »Fehlalarme«, also der zu Unrecht markierten Fehlerstellen, nach wie vor hoch, wie unser Praxistest zeigt: Um 75 echte Fehler zu finden, mussten wir uns durch sage und schreibe 2.500 potenzielle Fehlerstellen klicken – die Trefferquote scheint also auch mit der neuen Programmversion nicht besser geworden zu sein.

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Ein typischer »Fehlalarm«

Nun könnte man einwenden, dass unser Praxistest ein unrealistischer Härtefall war, weil der Duden-Korrektor doch eher für die Unternehmenskommunikation als für umfangreiche geisteswissenschaftliche Texte konzipiert sei. In der Tat nennt der Hersteller EPC in seinem »Factsheet« die gesteigerte Effizienz von Arbeitsabläufen und Kosteneinsparungen durch den Wegfall manueller Korrekturen als »geschäftlichen Nutzen«. Wer allerdings hofft, der Duden-Korrektor könne das Nachschlagen im Wörterbuch oder gar ein Korrektorat ersetzen, wird weiterhin enttäuscht: Zum einen sind manche Fehlermeldungen nur mit guten Grammatikkenntnissen verständlich und dürften sprachlich weniger beschlagene Mitarbeiter/innen vor neue Probleme stellen; zum anderen führt der Duden-Korrektor mitunter falsche Regeln und sogar Schreibweisen an, die dem eingestellten Prüfstil nicht entsprechen.

Fazit

Deshalb bleibt das Fazit dasselbe wie bei der Vorgängerversion: Ob der Einsatz des Programms sinnvoll ist, hängt weiterhin von den zu korrigierenden Texten und der persönlichen Arbeitsweise ab. Wenn man mit fehlerintensiven und sprachlich nicht allzu komplexen Texten zu tun hat, kann der Duden-Korrektor durchaus zur Effizienzsteigerung von Arbeitsabläufen beitragen. Aber bei zu vielen »Fehlalarmen« oder verwirrenden Grammatikregeln droht die Gefahr, dass der zusätzliche Arbeitsschritt »Durchsicht der Fehlermeldungen« so zeitintensiv ausfällt, dass er die Vorteile wieder zunichtemacht. Dennoch bleibt festzuhalten, dass der Duden-Korrektor nach wie vor das beste grammatiksensible Korrekturprogramm auf dem Markt ist, auch wenn er weiterhin viele Wünsche offenlässt. Dass man sich allerdings nicht uneingeschränkt auf seine Ratschläge verlassen sollte, zeigt die folgende Aufstellung.

Zweifelhafte Hinweise

• »Am Anfang steht immer das gemeinsame Nachdenken und der kommunikative Austausch«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Falls das Subjekt aus mehreren Teilen besteht, muss das Prädikat in den Plural gesetzt werden« (also »stehen« statt »steht«). – Korrekt wäre: »Falls das Subjekt aus mehreren Teilen besteht, kann das Prädikat in den Plural gesetzt werden, wenn die beiden Subjektteile nicht als Einheit aufgefasst werden« (also »stehen« oder »steht«).

• »die Ausgrenzung Anderer«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Falls dieses Wort nicht als Substantiv gebraucht wird und auch kein Teil eines Eigennamens ist, muss es kleingeschrieben werden« (also »anderer« statt »Anderer«). – Korrekt wäre: »Im Allgemeinen wird dieses Wort kleingeschrieben. Wenn sein substantivischer Charakter hervorgehoben werden soll, kann es auch großgeschrieben werden« (also »anderer« oder »Anderer«).

• »das Bahnhofs-Bauprojekt ‚Stuttgart 21‘«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Dieses Wort enthält bereits ein Fugen-s. Bitte prüfen Sie, ob der Bindestrich gelöscht werden kann« (also »Bahnhofsbauprojekt« statt »Bahnhofs-Bauprojekt«). – Aber: Dass sich Fugen-s und Bindestrich nicht vertrügen, wird immer mal wieder kolportiert, aber eine entsprechende Regel gibt es nicht, das heißt: »Bahnhofs-Bauprojekt« ist ebenso korrekt wie »Bahnhofsbauprojekt«.

• »bewusst machen«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Bei übertragener Bedeutung werden diese beiden Wörter zusammengeschrieben, nur bei konkreter Bedeutung ist auch die Getrenntschreibung richtig. Dem eingestellten Prüfstil ‚Presse‘ entspricht die Zusammenschreibung.« – Korrekt wäre: »Bei konkreter Bedeutung werden diese beiden Wörter getrennt geschrieben, bei übertragener Bedeutung ist Getrennt- und Zusammenschreibung richtig. Dem eingestellten Prüfstil ‚Presse‘ entspricht bei übertragener Bedeutung die Zusammenschreibung.« Offizielle Duden-Empfehlung ist übrigens Getrenntschreibung auch bei übertragener Bedeutung, was laut Duden-Korrektor nicht richtig ist.

• »Druckerzeugnisse«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Diese Schreibweise entspricht nicht dem gewählten Prüfstil ‚Presse‘ und muss entsprechend korrigiert werden«, und schlägt die Schreibweise »Druck-Erzeugnisse« mit Bindestrich vor. – Aber: Eine entsprechende Empfehlung der Nachrichtenagenturen gibt es nicht, sinnvoll wäre unabhängig vom gewählten Prüfstil der entsprechende Hinweis aus dem Duden: »Um Missverständnissen vorzubeugen, sollte in dieser Zusammensetzung ein Bindestrich gesetzt werden.«

• »entgegen bringen«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Diese Wörter werden je nach ihrer Verwendung und Betonung zusammengeschrieben.« – Aber: »entgegenbringen« wird immer zusammengeschrieben.

• »tiefgehend«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Diese Schreibweise entspricht nicht dem gewählten Prüfstil ‚Presse‘ und muss entsprechend korrigiert werden«, und schlägt die Schreibweise »tief gehend« vor. – Aber: Die Schreibweise der Nachrichtenagenturen lautet »tiefgehend«, während die vorgeschlagene Schreibweise der Duden-Empfehlung entspricht.

• »Diese Studie geht von der Annahme aus, dass die betrachteten Konzepte es erlauben die genannten Fragestellungen zu verknüpfen.«
Hier behauptet der Duden-Korrektor: »Um die Satzgliederung zu verdeutlichen, kann der (erweiterte) Infinitiv mit ‚zu‘ hier in Kommas eingeschlossen werden.« – Korrekt wäre: »Wegen des hinweisenden Wortes ‚es‘ muss der Infinitiv mit ‚zu‘ durch ein Komma abgetrennt werden. Falls es sich um einen bloßen Infinitiv mit ‚zu‘ handelt, ist das Komma freigestellt.« Wie an anderen Stellen auch zeigt sich hier, dass demjenigen, der die Kommaregeln nicht beherrscht, auch der Duden-Korrektor nicht unbedingt weiterhilft.

Desiderata

Wünschenswert wäre bei künftigen Programmversionen außerdem eine Funktion, mit der sich die Hinweise des Duden-Korrektors abspeichern lassen – sonst kann man den Computer nämlich erst herunterfahren, wenn man alle Fehlermeldungen durchgesehen hat. Mit der sogenannten Kommentarkorrektur ist ein Speichern der Fehlermeldungen zwar möglich, aber dann zeigt der Duden-Korrektor die Hinweise nicht im Aufgabenbereich an, sondern fügt sie als Kommentare ins Dokument ein. Bei der Kommunikation mit anderen kann das zwar hilfreich sein, nur fehlen in den Kommentaren die Korrekturvorschläge, die im Aufgabenbereich angezeigt werden und bequem durch Mausklick übernommen werden können.

Bezugsquelle: Der Duden-Korrektor 13 ist als Download-Software bei EPC erhältlich.

Jürgen Hahnemann am 13.05.19 | Kommentare (0) | Visits: 5698

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Welches Wörterbuch bietet den besten Mehrwert, welche lexikalische Software sollte man in jedem Fall auf seinem Computer haben? Hier finden Sie einige Besprechungen ausgewählter Fachliteratur.

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