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Rezensionen

Duden, Band 8: Das Synonymwörterbuch (2014)

Duden, Band 8: Das Synonymwörterbuch (2014)Neben dem Rechtschreibduden und vielleicht noch einem Fremdwörterbuch auch ein Synonymwörterbuch zu besitzen, gilt vielen als verzichtbarer Luxus. Doch hat man es einmal angeschafft, will man es nach kurzer Zeit nicht mehr missen – insbesondere, wenn das Werk so wohldurchdacht ist wie der Duden Band 8, der nun schon in sechster Auflage vorliegt.

Das »Wörterbuch sinnverwandter Wörter«, wie sich das Synonymwörterbuch im Untertitel nennt, erschien erstmals 1972, auch damals schon als Band 8 der Dudenreihe. Der etwas sperrige Titel der Erstausgabe, »Sinn- und sachverwandte Wörter und Wendungen: Wörterbuch der treffenden Ausdrücke«, weist auf den Sinn eines solchen auch als Thesaurus bekannten Nachschlagewerks hin: Es soll als Hilfe dienen, in der Textarbeit jederzeit das treffende Wort, den treffenden Ausdruck zu finden, sei es zur Eliminierung von Wiederholungen oder zur Präzisierung eines Sachverhalts. Zwar gibt es im Internet durchaus brauchbare kostenlose Verzeichnisse mit Synonymen, die für den gelegentlichen Gebrauch sicher ausreichen – insbesondere der verdienstvolle OpenThesaurus von Daniel Naber sollte hier erwähnt werden –, doch in der professionellen Textarbeit gelangt man schnell an deren Grenzen. So ist deren größter Vorteil, die Erweiterbarkeit durch jedermann, gleichzeitig ihr größter Nachteil, wenn es um die Verlässlichkeit der Informationen und Schreibweisen geht (beispielsweise sind »inwieweit« und »inwiefern« keineswegs synonym verwendbar).

Mit mehr als 20.000 Stichwörtern erschließt das Duden-Synonymwörterbuch über 300.000 Synonyme, womit auch komplexere Anwendungsfälle abgedeckt sind. Zum Vergleich: Der aktuelle Duden 1 »Die deutsche Rechtschreibung« hat rund 140.000 Einträge. Besonders hilfreich sind die mannigfaltigen Markierungen und Zuordnungen. So wird stilistisch unter anderem zwischen gehoben und salopp unterschieden, oder es wird auf Wertungen wie verhüllend, emotional, ironisch oder nachdrücklich aufmerksam gemacht. Hinzu kommen regionale Markierungen wie süddeutsch oder landschaftlich und historische Zuordnungen, wobei der Duden feinsinnig zwischen veraltet, veraltend und altertümelnd unterscheidet. Nicht zuletzt werden fachsprachliche Zuordnungen getroffen, wobei die Palette von der Alpinistik bis hin zur Zoologie reicht. Weiter ausgearbeitet wurden auch die »Gebrauchshinweise zu brisanten Wörtern«, die der gestiegenen gesellschaftlichen Sensibilität für als diskriminierend empfundene Bezeichnungen Rechnung tragen.

Äußerlich fügt sich das Synonymwörterbuch in Hellblau schön in die Farbpalette der Dudenreihe 1–12 ein, wobei die etwas unmotiviert wirkenden »Zierquadrate« in der Einbandgestaltung dankenswerterweise wieder abgeschafft wurden. Stattdessen erkennt man die neueren Auflagen der Dudenreihe nunmehr an einem dezenten weißen Streifen im Fußbereich des Einbands. Ein alphabetisches Register im Vorderschnitt erleichtert das Aufschlagen direkt im richtigen Buchstabenbereich.

Nachdem der Dudenverlag lange auf die Trias Buch, Software und Kombiausgabe gesetzt hat, geht man nun publizistisch neue Wege: Mit dem Buch zu 24,99 EUR erwirbt man gleichzeitig das Recht, die elektronische Ausgabe, die sonst 19,99 EUR kostet, für nur 1 EUR herunterzuladen – ein im Buch abgedruckter Downloadcode macht es möglich. Ursprünglich war ein kostenloser Download für die Buchbesitzer angedacht; jedoch wurde der »symbolische Euro« notwendig, um steuerlichen Schwierigkeiten aufgrund der unverständlichen fiskalischen Ungleichbehandlung von gedruckten und elektronischen Büchern (7 % versus 19 % Mehrwertsteuer) aus dem Weg zu gehen (vgl. Artikel von »brand eins«).

Der Software-Download ist unter Windows nur als ausführbare Datei (*.exe) verfügbar und installiert das Synonymwörterbuch dann in der neuesten Version 6 der Duden-Bibliothek. Eine Integration in eine bestehende Version 5 ist also nicht möglich. Umgekehrt lassen sich aber fast alle aktuellen Bände (ab 2007) der Duden-Bibliothek in die Version 6 übertragen, wobei die etwas fummelige Vorgehensweise – eine 680 MB große Indexdatei muss vorher von der Duden-Website heruntergeladen und in das richtige Programmverzeichnis kopiert werden – technisch weniger versierte Nutzer schnell an ihre Grenzen führen dürfte. Immerhin, die Versionen 5 und 6 der Duden-Bibliothek lassen sich auch problemlos parallel betreiben.

Duden-Bibliothek 6
Optimiert für Touchscreens: die Duden-Bibliothek 6.

Bei der weiterentwickelten Software fällt vor allem das neue, über einen Button rechts oben erreichbare Symbolmenü auf, welches schnellen und praktischen Zugriff auf wichtige Funktionen und Einstellungen bietet. Die übertrieben große Darstellung der Symbole (siehe Screenshot) dient offenbar einer erleichterten Touchscreen-Bedienung auf Tablet-PCs. Kleinere Bugs (z. B. führt das Schließen des letzten offenen Tabs reproduzierbar zum Programmabsturz) sowie das neue Programmsymbol, welches aussieht, als hätte ein Praktikant einfach eine »6« ins alte Programmsymbol hineingemalt, lassen zwar auf eine gewisse Eile in der Entwicklung schließen, doch insgesamt sieht man hier einen guten Weg zu einer erweiterten Nutzbarkeit auch auf mobilen Geräten vorgezeichnet.

Fazit: Wer viel mit Texten zu tun hat, kommt am Duden-Synonymwörterbuch eigentlich kaum vorbei – nicht von ungefähr betrachtet man Rechtschreibwörterbuch, Fremdwörterbuch und Synonymwörterbuch häufig als starkes Triumvirat. Hierbei entfaltet vor allem die elektronische Ausgabe ihre Stärken: So kann man etwa in den Suchergebnissen mit einem Doppelklick auf eines der Ergebniswörter eine weitere Suche auslösen und so der gesuchten Bedeutung schrittweise immer näher kommen.

DUDEN, Band 8:
Das Synonymwörterbuch
2014, 6. Auflage, Dudenverlag
Buch / Download

Julian von Heyl am 08.11.14 | Kommentare (3) | Visits: 7218

Rubrik Rezensionen:

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Kommentare

1  Stephanie

Eine sehr schöne Besprechung. Ich fühle mich unweigerlich verleitet, sofort dieses Buch zu kaufen.
Viele Grüße aus Bonn
Stephanie

Geschrieben von Stephanie am 12.11.14 11:37

2  Bille

Danke! Hab ich sofort fürs Tochterkind zu Weihnachten gekauft.

Geschrieben von Bille am 12.11.14 16:04

3  Thomas

Scheint mit denen Angaben im Online-Duden wortwörtlich übereinzustimmen. Soll der Vorteil nun darin liegen, dass es haptisch verfügbar ist? Oder dass die Software auch offline verfügbar ist? Meines Erachtens ist sowohl die gedruckte als auch die elektronische Variante überflüssig.

Geschrieben von Thomas am 15.11.14 14:21

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