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Kurz erklärt

verschütt- und flöten gehen

»Wat fott es, es fott«, pflegt der Kölner zu sagen und meint damit, dass man verschwundenen Dingen nicht nachjammern soll, wenigstens nicht übertrieben lange. Dass uns das Abhandenkommen von Dingen allerdings doch sehr zusetzen kann, sieht man schon an den vielen Ausdrücken, die wir für das haben, was »fott«, also fort bzw. weg ist.

Haben wir etwas verloren, dann ist es futsch oder futschikato, während Freunde des gehobenen Ausdrucks das betrauern, was perdu ist. Doch auch der Vorgang des Verlorengehens selbst kennt viele Wörter, und ebendiese respektive ihre Schreibweisen sollen das Thema dieses Beitrags sein. Im Speziellen geht es um die Verbverbindung verloren gehen und die umgangssprachlichen Synonyme abhandenkommen, flöten gehen und verschüttgehen. Im Wandel der Rechtschreibreform blieben diese umgangssprachlichen Begriffe keineswegs unangetastet, wie die folgende aus unserer Wortliste zusammengestellte Tabelle zeigt:

abhandenkommen.jpg

Die Tabelle mit ihren wild changierenden Schreibweisen zu den verschiedenen Zeitpunkten lässt einen zunächst schwindeln. Über die Schreibweisen 1996 bis 2004/2006 wollen wir den gnädigen Mantel des Schweigens breiten bzw. es bei dem Hinweis belassen, dass damals eben alles auseinandergerissen wurde, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Doch wie sieht es heute aus?

abhandenkommen

Der DUDEN – Deutsches Universalwörterbuch in seiner 2. Auflage von 1989 führt abhanden noch als Adverb auf, wobei die Bedeutung klar sein sollte: »von den Händen weg«. Die Bildung folgt dem bekannten vorhanden, welches ursprünglich eigentlich »vor den Händen« hieß, und dem fast nur in der Schweiz gebräuchlichen zuhanden im Sinne von »zu Händen«. Nach neuer Rechtschreibung werden allerdings Adverbien, die nur noch in festen Verbindung mit bestimmten Verben genutzt werden, mit diesen zusammengeschrieben: »Die Brieftasche ist mir abhandengekommen.« Allerdings handelt es sich um eine unfeste Verbindung: »Die Brille kam mir abhanden.«

flöten gehen

Ein wenig komplizierter sieht es schon mit flöten gehen aus. Hier folgt die neue Rechtschreibung der Regel, dass Verbindungen aus zwei Verben stets getrennt geschrieben werden – Ausnahmen sind kennenlernen und einige Sonderfälle mit bleiben oder lassen als zweitem Bestandteil. Allerdings liegt die ursprüngliche Bedeutung von flöten gehen reichlich im Dunklen – wer denkt, dass sich die verloren gegangenen Dinge irgendwo zum Flötenspiel versammeln, nimmt sicher auch an, dass der Zitronenfalter Zitronen faltet. Im Niederländischen hieß es noch fleuten gahn; der KLUGE hält hier eine Herleitung aus dem Jiddischen über das Rotwelsche für denkbar und legt einen Ursprung im jiddischen pleite nahe, das neben »bankrott« auch schlicht »fort; weg« heißen konnte.

Die Verantwortlichen für die Rechtschreibreform sind hier leider nach der Ententestmethode vorgegangen: »When I see a bird that walks like a duck and swims like a duck and quacks like a duck, I call that bird a duck« – kurz, wenn etwas aussieht wie ein Verb, dann ist es auch ein Verb und wird von einem zweiten Verb getrennt geschrieben. Der KLUGE entzieht sich solchen Simplifizierungen in stillem Widerstand, indem er das Wort weiterhin zusammenschreibt.

verlorengehen / verloren gehen

Die Schreibweise von verloren gehen bzw. verlorengehen folgt der Grundregel, dass Verbindungen aus Partizipien (verloren ist das Partizip II zu verlieren) in der Regel getrennt geschrieben werden, jedoch zusammengeschrieben werden können, wenn sich eine neue Gesamtbedeutung ergibt. Ob dies im Falle von verlorengehen zutrifft, liegt im Auge des Betrachters; die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen haben sich hier jedenfalls der Duden-Empfehlung angeschlossen, die Verbindung getrennt zu schreiben.

verschüttgehen

Wie flöten gehen ist auch verschüttgehen auf die »Gaunersprache« Rotwelsch zurückzuführen. Ursprünglich hieß es »verhaftet werden«, zurückgehend auf das Verb schütten in der alten Bedeutung »einsperren«, später veränderte sich die Bedeutung zu »verloren gehen« im allgemeinen Sinne. Nach neuer Rechtschreibung wird es – wieder – zusammengeschrieben, da verschütt als eigenständiges Wort nicht mehr vorkommt, weshalb es nunmehr als reiner Verbbestandteil angesehen wird.

Julian von Heyl am 17.11.11 | Kommentare (0) | Visits: 8146

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Die deutsche Sprache ist gespickt mit Fallstricken. Hier gehen wir auf ausgewählte Problemfälle ein und liefern kurze Erklärungen und Definitionen zu Schreibweise, Grammatik und praktischer Anwendung.

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