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Kurz erklärt

Die Tücken der Gänsefüßchen und Möwchen

Es scheint so einfach zu sein: »Anführungszeichen stehen bei der direkten Rede und bei direkt wiedergegebenen Gedanken am Anfang und am Ende der Aussage«, so der Duden. Doch wie so oft wirft auch hier jede Frage zwei neue auf. Zunächst: Wie sieht ein Gänsefüßchen, wie der Volksmund das Anführungszeichen fast liebevoll nennt, genau aus?

Nun ja, wie die Füßchen einer Gans, ist man geneigt zu sagen, nämlich »so”. Hm, tatsächlich? Lassen Sie sich bitte nicht eine «Goose” für eine »Gans« verkaufen, ich habe Ihnen nämlich gerade ein englisches schließendes Anführungszeichen serviert. Das deutsche geht genau »andersherum«, auch wenn man den Unterschied oft nur mit der Lupe erkennen kann. Merkhilfe: Deutsche Gänsefüßchen folgen dem Schema »99-66«, englische dem Schema «66-99”, wobei die Ami-Gans vorne nach oben fliegt.

Wenden wir uns der Schwester der Gans zu, der Möwe. Die Verwandtschaft rührt daher, dass die sogenannten Guillemets landläufig auch als »Möwchen« bezeichnet werden. Es gibt sie wiederum in zwei Varianten: einmal »so« und einmal «so». Während »diese Form« hierzulande üblich ist, bevorzugen die Schweizer und die Franzosen «diese Form». Grafiker lieben Möwchen, da sie sich homogener ins Schriftbild einfügen. Generell gilt jedoch: Ob Sie »diese« oder »jene« Anführungszeichen nutzen, bleibt ganz Ihrem Gusto überlassen – nur richtig herum sollten sie sein.

Bevor es an die unvermeidliche Kollision der Anführungszeichen mit anderen Satzzeichen geht, seien noch schnell die kleinen Brüder der bislang erwähnten Varianten aufgezählt. Einfach statt doppelt, heißt hier die Devise, und das sieht dann ‚so‘ aus oder ›so‹. Erliegen Sie im Fall der ›einfachen Möwchen‹ bitte nicht der Versuchung, spitze Klammern zu verwenden, die sehen >anders< aus. Einfache Anführungszeichen werden verwendet, um ein Zitat oder ein hervorgehobenes Wort im Zitat kenntlich zu machen: »Mir gefallen die ‚Gänsefüßchen‘ besser als die ‚Möwchen‘«, sagte er. »Ich finde die ›Möwchen‹ viel schöner als die ›Gänsefüßchen‹!«, antwortete sie entschieden.

Das letzte Beispiel habe ich genutzt, um Ihnen gleich ein paar weitere Regeln unterzujubeln: Wird nach der wörtlichen Rede der Sprecher genannt, so schließt diese Nennung mit einem Komma nach dem schließenden Anführungszeichen an. Ein Punkt fällt dann weg, andere Satzzeichen wie Frage- oder Ausrufezeichen werden hingegen vor das schließende Anführungszeichen gesetzt. Ein extremes Beispiel: »Warum fragen wir uns nicht viel häufiger: ›Wie wirken wir auf andere?‹?«, fragte die Motivationstrainerin. Alles klar? Ein Fragezeichen reicht hier nicht, denn die Motivationstrainerin zitiert eine Frage und packt diese ihrerseits in eine Frage.

Ein häufiger Fehler im Umgang mit Satzzeichen betrifft die Reihenfolge von Anführungszeichen und Punkt. Wird ein kompletter Satz zitiert, gehört der Punkt zum Zitierten und wird innerhalb der Anführungszeichen gesetzt. Der Minister sagte: »Die Verhandlungen sind leider gescheitert.« Zitiert man hingegen nur Teile des Gesagten, gehört der Punkt zum übergeordneten Satz: Die Verhandlungen bezeichnete der Minister als »leider gescheitert«.

Nicht nur in wörtlicher Rede bzw. bei Zitaten finden Anführungszeichen Anwendung, auch wenn es darum geht, etwas besonders hervorzuheben oder Eigennamen kenntlich zu machen, sind sie nützlich: Sowohl »Der Spiegel« als auch die »FAZ« brachten das Unglück als Titelstory. Wichtig zu wissen: Der bestimmte Artikel wird nur in die Anführungszeichen eingeschlossen, wenn er explizit zum Titel des Mediums gehört, und auch nur dann, wenn er unflektiert ist. Gegenbeispiel: Die Redaktion des »Spiegels« traf sich am Mittwoch.

Zu guter Letzt ein Appell: Geht es darum, Worte herauszustellen oder zu betonen, sollten Sie Anführungszeichen bitte sparsam verwenden. Ein Beispiel: Das Essen war »exquisit«. Wenn Sie sich so schriftlich bedanken und das »exquisit« mit Anführungszeichen noch ein wenig aufwerten und betonen wollen, könnte der Empfänger meinen, dass Sie es ironisch meinen und das Essen in Wirklichkeit ziemlich mäßig war. Denn auch zum Kenntlichmachen von Ironie (der Fachmann spricht von uneigentlicher Rede) verwendet man Anführungszeichen: »Danke« für diese zusätzliche Arbeit. Schließlich sind Anführungszeichen auch dort unnötig, wo der Kontext schon die gewünschte Hervorhebung besorgt, etwa durch Fettdruck, Kursivdruck oder die Voranstellung von »sogenannt«. Also nicht: die sogenannte »Abgeltungssteuer«, sondern entweder die sogenannte Abgeltungssteuer oder die »Abgeltungssteuer«.

Julian von Heyl am 08.05.10 | Kommentare (10) | Visits: 7264

Rubrik Kurz erklärt:

Die deutsche Sprache ist gespickt mit Fallstricken. Hier gehen wir auf ausgewählte Problemfälle ein und liefern kurze Erklärungen und Definitionen zu Schreibweise, Grammatik und praktischer Anwendung.

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Kommentare

1  Edgar

Im Computeralltag fällt es schwer, die Anführungsstriche unten zu setzen - von Textverarbeitungssoftware einmal abgesehen. Überhaupt fühlen sich Smart Quotes (“”) nur bei Word & Co. richtig wohl. Alle sonstigen Schreibumgebungen bedienen sich der Straight Quotes (""), was zumindest die angesprochene Verwechslungsgefahr entschärft.

Geschrieben von Edgar am 09.05.10 15:53

2  AndreR

Ich habe mein Tastaturlayout dahingehend angepasst, dass ich beide Formen der Anführungszeichen bequem tippen kann. Verwender von Mac und Linux haben es da noch einfacher, da diese Systeme bei der richtigen Einstellung die richtigen Anführungszeichen überall automatisch setzen.

Geschrieben von AndreR am 12.05.10 15:41

3  Ina

Zitat:
»Warum fragen wir uns nicht viel häufiger: ›Wie wirken wir auf andere?‹?«, fragte die Motivationstrainerin.

Hier gehe ich an zwei Stellen nicht konform, lieber Julian. Sowohl das zweite Fragezeichen als auch der Doppelpunkt innerhalb der direkten Rede müssen verschwinden. Welches der beiden Fragezeichen man nun löscht, ist sicher Geschmacksache. Ich ziehe diese Version vor:

»Warum fragen wir uns nicht viel häufiger ›Wie wirken wir auf andere‹?«, fragte die Motivationstrainerin.

Viele Grüße
Ina

Geschrieben von Ina am 18.02.11 13:51

4  Alexa

"nur dann, wenn er unflektiert ist. Gegenbeispiel: Die Redaktion des »Spiegels« traf sich am Mittwoch." - damit hab ich ein Problem.
Wieso müsste es dann nicht heißen: Spiegel - ohne s?
LG Alexa

Geschrieben von Alexa am 15.11.13 21:34

5  Objekt klein a

Ich finde das zweite Fragezeichen unschön, bin aber der Ansicht, dass der Doppelpunkt sein muss. Bei mir sähe dieser Satz somit wiederum anders aus:

»Warum fragen wir uns nicht viel häufiger: ›Wie wirken wir auf andere?‹«, fragte die Motivationstrainerin.

Geschrieben von Objekt klein a am 15.11.13 21:50

6  Julian von Heyl

@Alexa: Weil der Titel der Zeitschrift im Genitiv durchaus flektiert wird, also ein -s angehängt bekommt. Die Anführungszeichen dienen der Kennzeichnung als Titel und beziehen sich nicht notwendigerweiser auf den genauen Wortlaut im Nominativ.

Geschrieben von Julian von Heyl am 15.11.13 22:24

7  Sophie

Aaaargh! Heißt es nicht "Abgeltungsteuer"?
(gesendet von meinem Mobilfon, das nur eine Form von Gänsefüßchen kennt)

Geschrieben von Sophie am 15.11.13 23:27

8  Julian von Heyl

@Sophie: Beides ist richtig. Im allgemeinen Sprachgebrauch setzt man eher ein Fugen-s, während im behördlichen Sprachgebrauch die Varianten ohne Fugen-s verwendet werden: Abgeltung[s]steuer, Vermögen[s]steuer, Schaden[s]ersatz etc.

Geschrieben von Julian von Heyl am 16.11.13 01:03

9  Michael Wassenberg

Wer echte Gänsefüßchen (66 oben) setzen will, sollte allerdings um die Systemschrift Verdana einen Bogen machen. Das gilt auch für Tahoma und Courier.

Geschrieben von Michael Wassenberg am 16.11.13 08:07

10  Thomas

Die sehr hilfreichen Ausführungen lasen leider eine Frage offen, die ich auch nirgendwo anders beantwortet finde.
Wo steht der abschließende Punkt bei einer Anführung innerhalb einer Anführung?

(1) "Hans sagte: 'Es regnet.'"
(2) "Hans sagte: 'Es regnet'."

Der Punkt gehört zum angeführten Satz "Es regnet", beim unmittelbaren Begleitsatz kann man also wie in (1) den Punkt weglassen, könnte man meinen.
Allerdings steht der unmittelbare Begleitsatz selbst in Anführung. Ist daher doch (2) korrekt?

Geschrieben von Thomas am 15.01.17 17:17

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