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Cartoons

Litfaßsäule und Schüßler-Salze

1996 nach Inkrafttreten der Rechtschreibreform soll es so manchen Herrn Voß oder so manche Frau Wißmann gegeben haben, die besorgt beim Einwohnermeldeamt nachfragten, ob sie ihren Namen nun »Voss« respektive »Wissmann« schreiben müssten. Mussten sie nicht. Denn Eigennamen waren und sind von der Rechtschreibreform ausgeschlossen.

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Cartoon © Nico Fauser

So wird auch die Litfaßsäule weiterhin wie vor der Reform geschrieben, obgleich sie nach der neuen ß-Regelung – nach langen Vokalen und Diphthongen (ei, eu, au ...) ß, nach kurzen Vokalen ss – eigentlich zur »Litfasssäule« hätte werden müssen. Doch ihr Name geht nicht etwa auf die an ein Fass gemahnende Form zurück (was sollte dann auch das »Lit« bedeuten?), sondern auf den Buchdrucker und Verleger Ernst Litfaß. Dieser erfand nicht nur 1855 die runde Anschlagsäule, sondern vollendete bald darauf auch die Krünitz’sche »Encyklopädie« – ein lexikografisches Mammutwerk seiner Zeit.

Von der Rechtschreibreform ausgeschlossen bleiben übrigens nur Eigennamen und Zusammensetzungen mit Eigen- oder Markennamen – Litfaßsäule, Schüßler-Salze, Meßmer-Tee – sowie Ortsnamen wie Wißmar, nicht aber z. B. Länderbezeichnungen: Rußland wird zu Russland. Und auch Straßennamen werden der neuen Rechtschreibung angepasst: Die Schloßstraße wird zur Schlossstraße. Es sei denn, die Straße wurde nach einer berühmten Persönlichkeit benannt, wie etwa die Litfaßstraße in Wien.

Julian von Heyl am 21.10.09 | Kommentare (8) | Visits: 14101

Rubrik Cartoons:

In unserer Rubrik »Cartoons« widmen wir uns den eher belustigenden Aspekten der neuen Rechtschreibung, indem wir in Zusammenarbeit mit dem Cartoonisten Nico Fauser knifflige Zweifelsfälle unter ganz neuen Blickwinkeln visualisieren.

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Kommentare

1  Wolfgang Hoffmann

Hallo,
was hab' ich denn da gelesen ? Wißmar?
Sollte das wohl ein Witz sein? Oder gibt es tatsächlich noch ein Minikaff,
dass sich tatsächlich so schreibt ?
(Für eine Rechtschreibungs-Seite doch wohl eine kleine Blamage (!))
Übrigens, wenn Ihr einen Korrektor braucht ...

Geschrieben von Wolfgang Hoffmann am 22.10.09 21:52

2  Julian von Heyl

Wißmar liegt in Hessen und hat rund 5000 Einwohner; nicht zu verwechseln mit Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. So sieht die Kirche aus:

In unserem Team schätzen wir besonders die Kollegen, welche in der richtigen Verwendung von "das"/"dass" sattelfest sind ...

Geschrieben von Julian von Heyl am 22.10.09 22:22

3  Tom S. Fox

Ganz zu schweigen von der richtigen Verwendung von Apostrophen.

Übrigens, den Herrn Voß hast du doch nur meinetwegen eingebaut, stimmt’s?

Geschrieben von Tom S. Fox am 23.10.09 19:25

4  Julian von Heyl

Irgendwo muss man seine Inspirationen ja herkriegen ... ;)

Geschrieben von Julian von Heyl am 23.10.09 19:28

5  Tom S. Fox

Stimmt es jetzt also wirklich oder war es nur ein Witz?

Geschrieben von Tom S. Fox am 23.10.09 19:33

6  Julian von Heyl

Ein direkter bewusster Bezug war es nicht. Es war einfach der erste Personenname mit kurzem Vokal und ß, der mir eingefallen ist – was aber durchaus damit zusammenhängen mag, dass ich ihn vor nicht allzu langer Zeit irgendwo gelesen habe.

Geschrieben von Julian von Heyl am 23.10.09 19:39

7  Tom S. Fox

Du hättest ihn eigentlich schon aus meinen E-Mails kennen müssen. Tatsächlich wurde „Voß“ ursprünglich statt mit einem ß mit einem Buchstaben geschrieben, den es heute nicht mehr gibt.

Geschrieben von Tom S. Fox am 23.10.09 19:50

8  Frau Strauß

das 'ß' war doch schon immer ein armes, benachteiligtes Wesen. Löst oft Verwirrungen aus, muss sich im Internet als 'ss' tarnen und trägt einen Namen, der von den Eltern willkürlich gewählt scheint. Und so ein psychisches Wrack ist mein ständiger Begleiter...wenn wir nicht gerade im Netz unterwegs sind..

Frau Strauß

Geschrieben von Frau Strauß am 07.12.09 16:29

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