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Kurz erklärt

Beutelschneiderei und Geldschneiderei

Nepper, Schlepper, Bauernfänger, Abzocker, windige Geschäftemacher: Wer ist nicht schon bei einem unvorteilhaften Geschäft über den Tisch gezogen worden? Man spricht dabei auch von Beutelschneiderei oder Geldschneiderei – zwei nur auf den ersten Blick ähnliche Begriffe, die doch auf ganz unterschiedliche Ursprünge zurückgehen.

Um zu erahnen, was ein Beutelschneider ist – der Duden hat politisch korrekt auch die Beutelschneiderin verzeichnet –, braucht es nicht viel Fantasie. In älteren Zeiten pflegte man sein Geld in zumeist ledernen Geldbeuteln bei sich zu tragen, die man außen an die Kleidung hing. Ein Dieb war damals entsprechend (noch) kein Taschendieb, sondern eben ein Beutelschneider: Mit einem Messer schnitt er flugs den Beutel ab und machte sich mit dem so erbeuteten Besitz aus dem Staub.

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Beutelschneider (Pieter Bruegel d. Ä., »Der Misanthrop«, um 1568 – Bild: Wikipedia)

Doch was ist ein Geldschneider? Auch dieser Begriff hat einen durchaus wortwörtlichen Ursprung und geht auf die Zeiten zurück, als man noch mit Goldmünzen bezahlte. Geldschneiderei betrieb man, indem man Goldmünzen am Rand abschabte – also beschnitt – und sie so unauffällig in ihrem Wert schmälerte. Das so gewonnene Gold konnte man einschmelzen und leicht wieder veräußern. Um den Geldschneidern – die häufig in den Wechselstuben saßen – ihr Treiben zu erschweren, gingen die Münzprägestätten schließlich mehr und mehr dazu über, Münzen mit einem geriffelten Rand zu versehen, so dass Beschädigungen leichter ersichtlich wurden.

Beide Begriffe, Beutelschneiderei und Geldschneiderei, werden heute praktisch nur noch in übertragener Bedeutung verwendet, um Formen der legalen oder illegalen Wucherei anzuprangern.

Julian von Heyl am 05.11.12 | Kommentare (2) | Visits: 9335

Rubrik Kurz erklärt:

Die deutsche Sprache ist gespickt mit Fallstricken. Hier gehen wir auf ausgewählte Problemfälle ein und liefern kurze Erklärungen und Definitionen zu Schreibweise, Grammatik und praktischer Anwendung.

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Kommentare

1  Istdochegal

Dürfte ich jemanden, der mit, meiner Meinung nach, illegitimen Mitteln sein Reichtum vergrößert als Geldschneider bezeichnen, und würde den Begriff in diesem Zusammenhang korrekt anwenden?

Gruß

Geschrieben von Istdochegal am 03.12.12 02:17

2  Julian von Heyl

Ja, der Begriff wäre so aus Ihrer Sicht korrekt angewendet. Der so Bezeichnete könnte das aber natürlich anders sehen und eine Beleidigungsklage anstrengen.

Geschrieben von Julian von Heyl am 03.12.12 02:25

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