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Kurz erklärt

freigebig versus freigiebig

Wie schon bei »vorwiegend / überwiegend« scheiden sich auch hier die Geister: Ist freigebig oder freigiebig die korrekte Form? Und auch hier gilt: Richtig ist beides, aber aus etymologischer Sicht kann es eigentlich nur eine Form geben.

Tatsächlich ist freigebig die ältere Form. Als Kompositum ist es seit dem 16. Jahrhundert belegt, wobei der zweite Bestandteil »-gebig« auf das heute nicht mehr gebräuchliche Adjektiv »gebig / gäbig« in der Bedeutung »gerne gebend« (zu »Gabe«) zurückgeht. Im Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart von Johann Christoph Adelung liest sich das (orthografisch leicht modernisiert) so:

freigebig, -er, -ste, zum Geben oder Schenken bereit und willig. Ein freigebiger Mann. Freigebig gegen jemanden sein. Von frei, sofern es unentgeltlich bedeutet. Figürlich sagt man auch, mit Worten, mit Komplimenten, mit Titeln u.s.f. sehr freigebig sein. (Lemma freygebig)

Und freigiebig? Hierbei handelt es sich um eine neuere Wortschöpfung, die in Analogie zu Wörtern wie ergiebig, ausgiebig oder nachgiebig gebildet wurde. Allerdings handelt es sich bei den drei letztgenannten Adjektiven ausnahmslos um Ableitungen von Verben: ergiebig zu ergeben, ausgiebig zu ausgeben, nachgiebig zu nachgeben. Zu freigiebig existiert hingegen kein Verb »freigeben« im Sinne von »gern geben«.

Aus etymologischer Sicht ist also nur freigebig richtig. Rein orthografisch besehen hat man allerdings die freie Wahl zwischen den beiden Varianten, da sich freigiebig längst eingebürgert hat und entsprechend auch im Duden verzeichnet ist. Dennoch: Wer Wert auf hohe Sprachgenauigkeit legt, wird sicherlich eher der Form freigebig zugeneigt sein.

Julian von Heyl am 15.04.16 | Kommentare (0) | Visits: 3401

Rubrik Kurz erklärt:

Die deutsche Sprache ist gespickt mit Fallstricken. Hier gehen wir auf ausgewählte Problemfälle ein und liefern kurze Erklärungen und Definitionen zu Schreibweise, Grammatik und praktischer Anwendung.

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