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Nachgefragt

sich Beispiele[n] bedienen

Einige Verben werden mit Genitivobjekt verbunden: »sich eines Beispiels bedienen«, »der Opfer gedenken«. Speziell im Plural kann es dabei durchaus tückisch werden, wenn weder Artikel noch Attribut vorhanden sind …

Frage:
Bekanntlich gibt es eine Handvoll Verben, die mit Genitivobjekt stehen, etwa »sich ausgewählter Beispiele bedienen«. Nun hatte ich neulich den Fall, dass das Objekt ohne Artikel oder Attribut im Plural stand, was zu der Form führte: »Wir bedienten uns Beispiele.«

Rein vom Sprachgefühl her klingt das falsch in meinen Ohren. Hier hätte ich, wenn überhaupt, die Form »Wir bedienten uns Beispielen« gewählt. Aber was ist nun grammatisch richtig? Oder muss man in solchen Fällen auf eine gänzlich andere Formulierung – wie etwa: »wir gebrauchten Beispiele« – ausweichen?
Julian von Heyl, korrekturen.de

Antwort:
Weder »Wir bedienten uns Beispiele« noch »Wir bedienten uns Beispielen« sind grammatisch zulässig. Es gilt die sogenannte Genitivregel, nach der eine Nominalphrase ohne bestimmten Artikel nur dann im Genitiv stehen kann, wenn sie mindestens ein adjektivisch flektiertes Wort und mindestens ein Wort mit der Endung -s oder -r enthält.

Die folgenden Beispiele zur Verdeutlichung:

  • Nicht: Das sieht man nur innerhalb Städte.
    Sondern: Das sieht man nur innerhalb der Städte.
    Oder: Das sieht man nur innerhalb größerer Städte.
  • Nicht: Der Verbrauch Wassers nimmt ständig zu.
    Sondern: Der Verbrauch des Wassers nimmt ständig zu.
    Oder: Der Verbrauch frischen Wassers nimmt ständig zu.

Korrekt ist auch der Ersatz des Genitivs durch eine »von«-Konstruktion:

  • Das sieht man nur innerhalb von Städten.
  • Der Verbrauch von Wasser nimmt ständig zu.

Letzteres funktioniert aber nicht bei den Genitivobjekten von Verben. Hier geht entweder »Wir bedienten uns der Beispiele, die ...« oder »Wir bedienten uns einiger Beispiele« – wenn das nicht der intendierten Aussage entspricht, muss man in der Tat auf ein anderes Verb ausweichen.
Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Leiter der Dudenredaktion

Julian von Heyl am 25.04.13 | Kommentare (0) | Visits: 7027

Rubrik Nachgefragt:

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