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Nachgefragt

wehtun und guttun

In der alten Rechtschreibung schrieb man »weh tun« getrennt, aber »guttun« zusammen. Ab 1996 war es dann genau umgekehrt: Die Rechtschreibreform legte für »wehtun« Zusammenschreibung fest, sah bei »gut tun« hingegen Getrenntschreibung vor. Unterdessen sind die Schreibweisen »weh tun« (neben der empfohlenen Schreibweise »wehtun«) und »guttun« (nur so!) allerdings in den Duden zurückgekehrt. Dr. Scholze-Stubenrecht erklärt den feinen Unterschied.

wehtun.jpg

Frage:
Bei »wehtun« erlaubt der Duden die Varianten »weh tun« und »wehtun«, empfiehlt aber die als neu gekennzeichnete Zusammenschreibung, bei »guttun« ist hingegen nur die Zusammenschreibung angegeben, die bis 2006 geltende Reformschreibung »gut tun« gilt offenbar nicht mehr als zulässige Variante. Wie kommt es zu dieser auf den ersten Blick doch etwas inkonsequenten Regelung? Ich kann eigentlich formal zwischen beiden Ausdrücken keinen Unterschied entdecken, oder übersehe ich etwas?
Julian von Heyl, korrekturen.de

Antwort:
Bei »weh tun/wehtun« gibt es eine Vorgabe im amtlichen Wörterverzeichnis, nach der Getrennt- und Zusammenschreibung korrekt sind. Dort sind »guttun« oder »gut tun« leider nicht aufgeführt, sodass man auf die Regelformulierung in § 34 (2.2)* angewiesen ist.

Die Entscheidung der Wörterbuchverlage, hier eine »neue, idiomatisierte Gesamtbedeutung« zu sehen, ist wohl zum einen dadurch beeinflusst worden, dass der Duden vor der Reform bei »guttun« (im Gegensatz zu »weh tun«) Zusammenschreibung vorschrieb, und zum anderen mag auch die Parallelität zu »wohltun« eine Rolle gespielt haben. Bei Letzteren kann man auch Unterscheidungen wie die folgenden konstruieren, die mit »weh« nicht möglich sind:

  • Das kann er genauso gut tun. Das wird ihm guttun.
    (Ähnlich: Das kann er gut machen. Er wird seinen Fehler gutmachen.)
  • Das wird er wohl tun. Das wird ihm wohltun.


Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Dudenredaktion

———
* § 34: »Partikeln, Adjektive, Substantive oder Verben können als Verbzusatz mit Verben trennbare Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie nur in den Infinitiven, den Partizipien sowie im Nebensatz bei Endstellung des Verbs zusammen.« (2.2): »Es wird zusammengeschrieben, wenn der adjektivische Bestandteil zusammen mit dem verbalen Bestandteil eine neue, idiomatisierte Gesamtbedeutung bildet, die nicht auf der Basis der Bedeutungen der einzelnen Teile bestimmt werden kann.«

Julian von Heyl am 22.09.09 | Kommentare (15) | Visits: 31873

Rubrik Nachgefragt:

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Kommentare

1  rrbth

„... kann man auch Unterscheidungen wie die folgenden konstruieren, die mit ‚weh‘ nicht möglich sind:

Das kann er genauso gut tun. Das wird ihm guttun.“

Ach, und was ist hier anders:
Das kann ihm genauso weh tun. Das wird ihm wehtun.

Daß Herr Scholze-Stubenrecht selber glaubt, was er da geschrieben hat, glaube ich nicht.

Geschrieben von rrbth am 22.09.09 18:06

2  Julian von Heyl

@rrbth: Meinem Eindruck nach weiß Herr Dr. Scholze-Stubenrecht sehr genau, was er schreibt. Zumindest vergleicht er nicht wie du Äpfel und Birnen bzw. eine Nominativ-Konstruktion („Das kann er ...“) mit einer Dativ-Konstruktion („Das kann ihm ...“). Der wichtige Unterschied: Bei „Das kann er genauso gut tun“ ist eben nur Getrenntschreibung möglich, während bei „Das kann ihm genauso weh tun / wehtun“ eben auch Zusammenschreibung möglich (und nach neuer Rechtschreibung empfohlen) ist.

Im Übrigen mag man die Regelung zu guttun/wehtun kritisieren können, aber es handelt sich hierbei a) nicht um eine Erfindung von Herrn Dr. Scholze-Stubenrecht, der an dieser Stelle nur freundlicherweise die Auslegung des Regelwerks erläutert, und b) war die Regelung nach alter Rechtschreibung hier meiner Meinung nach noch verwirrender.

Geschrieben von Julian von Heyl am 22.09.09 19:24

3  Hirni

Bei den Beispielen "Das kann er genauso gut tun" und "Das wird ihm guttun" liegt ein Bedeutungsunterschied vor, den es bei deinen Beispielen zu "wehtun" nicht gibt.
Im ersten Satz ist das "genauso gut" ein Adverb zu "tun" in der ursprünglichen Bedeutung von "machen". Im zweiten Satz bilden die Wörter "gut" und "tun" eine "idiomatische Einheit", durch ihr Zusammentreten erhalten sie eine Bedeutung, die beide alleine nicht haben, eben "eine heilsame Wirkung haben".

Geschrieben von Hirni am 23.10.09 13:09

4  Lyriost

Der Verweis auf die amtliche Regelung, deren Intentionen der Duden sonst übrigens in vieler Hinsicht durch seine "Empfehlungen" zu ignorieren versucht

(... gibt es eine Vorgabe im amtlichen Wörterverzeichnis, nach der Getrennt- und Zusammenschreibung korrekt sind. Dort sind „guttun“ oder „gut tun“ leider nicht aufgeführt),

ist ein Armutszeugnis. Wer so argumentiert, darf sich nicht wundern, wenn man ihn nicht ernst nimmt.

Geschrieben von Lyriost am 19.01.11 09:48

5  mendax

Das hat nichts mit Armutszeugnis zu tun, sondern mit dem Umstand, dass mit amtlichen Regelungen juristische Aspekte verknüpft sind und dass sowohl diese als auch jene fortbestehen bleiben. Dass das nur um der linguistischen Logik willen nicht einfach ignoriert wird, erachte ich sogar als notwendig und gut.

Geschrieben von mendax am 23.02.13 05:29

6  lyriost

Sprachwissenschaftler, die linguistische Logik juristischen Aspekten unterordnen, sind schlechte Wissenschaftler und arm dran. Deshalb stelle ich denen als Linguist ein Armutszeugnis aus.

Geschrieben von lyriost am 25.02.13 00:23

7  jo

Das klingt sinnvoll. (Sprach-)Wissenschaftler, die sich an der Realität und somit dem "Wirkungsumfeld eines jeden" orientieren, sind "schlechte Wissenschaftler" und darüber hinaus auch noch "arm dran". Dafür ist die Wissenschaft ja nun mal wirklich nicht zuständig. Es wäre geradezu noch schöner, wenn plötzlich praktische Handlungsvorschläge den Wissenschaften entspringen könnten.

Geschrieben von jo am 18.07.13 08:44

8  Lyriost

Lieber jo, welche "Realität"? So etwas wie eine objektive Realität der Sprachverwendung gibt es nicht, so wie es sie auch im philosophischen Sinne nicht gibt. Und das "Wirkungsumfeld eines jeden"? Ich gehe davon aus, dass sich die Wirkungsbereiche der Menschen gravierend voneinander unterscheiden. Tatsächlich geht es bei der ganzen Sache doch hauptsächlich um "Deutungshoheit", Profit und Prestige, und es geht um Manipulation durch "Empfehlungen". Sprachliche Feinheiten bleiben dabei naturgemäß auf der Strecke. Die sprachliche Realität ist heterogen und immer perspektivisch vorgeformt, und das gilt auch für die scheinbar so objektiven Normierungen, hinter denen oft tatsächlich mehr Kalkül steckt als Sachverstand.

Geschrieben von Lyriost am 18.07.13 09:57

9  jo

Sprache ist demnach also für Kommunikation in "der Welt" nicht wirklich relevant und muss sich daher nicht der jeweiligen Kommunikationssituation anpassen? Es geht also nur um "Feinheiten", die durch eine, in diesem Sinne, praktischere Orientierung "auf der Strecke bleiben"?

Geschrieben von jo am 18.07.13 13:29

10  Lyriost

"Praktischere Orientierung"? Was soll das nun wieder bedeuten? Die Rechtschreibreform war ein Schuß (gern auch Schuss) in den Ofen. Darum geht es doch. Und um die Widersinnigkeit des Ganzen. Sie hat für ein Übermaß von Verwirrung gesorgt – und nicht für vereinfachte Kommunikation.
Jo ist leider nicht an argumentativ unterfütterter Kommunikation interessiert, geht nicht auf Argumente ein und gefällt sich in immer neuer gähnenswerter Floskelei, Das ist sowohl in traditioneller wie in reformierter Orthographie nichts als leeres Gerede – und außerordentlich unpraktisch. Schade.

Geschrieben von Lyriost am 18.07.13 18:49

11  Julian von Heyl

So interessant das Streitgespräch hier auch ist, leider wird es am falschen Ort geführt. Ich bitte daher, den Disput zumindest hier einzustellen. Gerne kann er im Forum fortgeführt werden.

Geschrieben von Julian von Heyl am 18.07.13 19:11

12  jo

Ich würde Ihrem Vorschlag, Herr von Heyl, gerne folgen. Auf solch einer indiskutablen Grundlage - bei der selbst nicht auf Argumente eingegangen, das zusammenfassende Eingehen auf diese nicht ernstgenommen (oder nicht erkannt?) und dazu noch mit dem Gegenüber allzu fragwürdigen Schlussfolgerungen ("argumentativ unterfütterte() Kommunikation") um sich herumgeworfen wird - sehe ich keine Möglichkeit, die Kommunikation fortzusetzen.

Geschrieben von jo am 19.07.13 07:50

13  Lyriost

Lieber jo, wer seinen "Kommunikationspartner" noch nicht einmal persönlich anzusprechen vermag, der ist nicht kommunikationsfähig und möge bitte nicht von Kommunikation reden. Schönen Sommer noch.

PS: Streng genommen schreibt man ernst genommen, so wie Sie es gebraucht haben, nach der Reform nicht mehr zusammen.

Geschrieben von Lyriost am 19.07.13 08:37

14  jo

@Lyriost:

Vielen Dank für diesen Hinweis. Das hilft mir als Briten und Nichtmuttersprachler im Deutschen, der seinen letzten Beitrag innerhalb 30 Sekunden geschrieben hatte, immer sehr weiter. Dass man sich bei solch einem kurzen Beitrag beeilt und dabei den nicht erfolgreichen Anschlag der Leertaste nicht vernommen haben könnte, liegt natürlich nicht im Bereich des Möglichen. Ein verstecktes Kompliment, das ich natürlich gerne annehme. Ebenso vielen Dank für die Bescheinigung der fehlenden Kommunikationsfähigkeit - wenn man in solch einem "face-to-face-Instrumentarium" wie dem Internet keine "persönliche" Anrede verfolgt - seitens einer so hohen Instanz wie der Ihren, die darüber zu urteilen vermag. Ich hoffe, dass ich diese Unfähigkeit mit diesem Beitrag etwas angehen konnte.

Ihnen ebenfalls einen schönen Sommer.

Um abschließend beim Thema zu bleiben und meinen Standpunkt kurz zusammenzufassen: Ich fand die Darlegung von Herrn Dr. Scholze-Stubenrecht (da sich die Sprache in diesem Fall auch mehr an der Lebenswelt orientiert) durchaus nachvollziehbar.

Geschrieben von jo am 19.07.13 10:45

15  Lyriost

Lieber jo, ich nehme mir mehr Zeit mit meinen Gesprächspartnern als dreißig Sekunden – so viel Respekt sollte doch wohl sein –, und ich zeige damit nicht nur diesen meine Wertschätzung, sondern auch der Sprache, wenn ich sorgsam und ohne Hast formuliere. Das mit der "hohen Instanz" habe ich nicht verstanden, aber da Herr von Heyl um Beendigung des Disputs gebeten hat, frage ich nicht mehr nach, woher Sie das nehmen ...

Geschrieben von Lyriost am 19.07.13 13:12

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