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Kurz erklärt

peinlich, peinlicher, hochnotpeinlich

Geht es noch peinlicher als peinlich? Ist der Fremdschämfaktor hoch, bezeichnet man etwas auch gerne als »hochnotpeinlich« – wie etwa in diesen Tagen die »Wetten, dass …?«-Show aus Mallorca. Doch was hat es mit diesem sonderbaren Adjektiv eigentlich auf sich?

Um es vorwegzunehmen: Entgegen dem, was die Überschrift dieses Beitrags suggerieren könnte, ist hochnotpeinlich natürlich nicht der Superlativ zu peinlich – dieser würde »am peinlichsten« lauten. Und im ursprünglichen Sinne hat das Wort auch nicht die Bedeutung von »unangenehm; beschämend«, sondern ist als direkte Ableitung von »Pein« zu verstehen: In den Inquisitions- und Hexenprozessen des Mittelalters war die »peinliche Befragung« ein Verhör unter Anwendung von Foltermethoden; die »hochnotpeinliche Befragung« war entsprechend die strengste und grausamste Variante davon. Hierbei ist »hochnotpeinlich« eine Intensivierung zu »hochpeinlich«.

Die Folter ist in unserer Zivilisation zum Glück finstere Vergangenheit, das Wort »hochnotpeinlich« ist geblieben. Eher scherzhaft wird es zum einen nahe dem ursprünglichen Sinn verwendet, um auszudrücken, dass jemand sehr gründlich oder sehr streng nachforscht. Zum anderen dient das aus heutiger Sicht eher kuriose Wörtchen als scherzhafte Steigerung zu »peinlich«: »Das war mir hochnotpeinlich!«

peinlich.jpg
Eintrag im Etymologischen Wörterbuch von Kluge zu »peinlich«.

Das Wörtchen peinlich ist auf das lateinische poena = »Buße, Strafe; Kummer, Qual, Pein« zurückzuführen. Aus der ursprünglichen Bedeutung »Pein verursachend« entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die heutige Bedeutung »unangenehm; beschämend« sowie die zweite Bedeutung »(äußerst) sorgfältig; genau«. Hierbei kann peinlich für sich stehen oder aber intensivierend vor ein Adjektiv treten. man kann also eine Regel »peinlich befolgen« oder aber »peinlich genau befolgen«. Eng verwandt sind die bedeutungsähnlichen Wörter penibel und pingelig.

Die ursprüngliche Bedeutung »Pein verursachend« ist heute so weit zurückgedrängt, dass wir hierfür andere Wörter wie etwa »peinigend« verwenden – und dass wir bei »hochnotpeinlich« eher an Fremdschämen als an mittelalterliche Folterbefragungen denken.

Julian von Heyl am 10.06.13 | Kommentare (0) | Visits: 7374

Rubrik Kurz erklärt:

Die deutsche Sprache ist gespickt mit Fallstricken. Hier gehen wir auf ausgewählte Problemfälle ein und liefern kurze Erklärungen und Definitionen zu Schreibweise, Grammatik und praktischer Anwendung.

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