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Fehler und Stilblüten

Yahoo betreibt neben Google und Facebook …

Hier ein bisschen redigiert, da ein wenig gekürzt – und schon hat man eine veritable Zeitungsente erschaffen. So auch der Münchner Merkur, welcher kurzerhand Google und Facebook dem Yahoo-Konzern zuschlug. Doch wie konnte es dazu kommen? Eine kurze Spurensuche.

Der spektakuläre Milliardendeal, dass Yahoo den Bloganbieter Tumblr übernommen hat, ging durch alle Medien. Dabei stützten sich die meisten Zeitungen und Internetdienste auf eine dpa-Meldung, in der es wortwörtlich auch hieß: »Yahoo betreibt neben Google und Facebook eines der größten Anzeigensysteme im Internet.«

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Yahoo betreibt Google und Facebook? Foto via Cem Başman

Beim Münchner Merkur wurde diese Information eingedampft zu: »Yahoo betreibt bereits unter anderem Google und Facebook.« Eine Absurdität, die auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken reichlich Hohn und Spott zur Folge hatte und auch vom MEEDIA-Blog aufgegriffen wurde, so dass sich der Münchner Merkur schon bald in den Staub warf: »Das ist wirklich blöd gelaufen«, twitterte @merkuronline. »Ein Kollege hat im Feiertagsdienst falsch gekürzt. Morgen gibt's in der Zeitung die Korrekturmeldung.«

Aber hatte der Kollege wirklich falsch gekürzt? Im Duden ist zu »neben« in der Bedeutung des dpa-Satzes zu lesen:

neben [mit Dativ] zugleich mit; außer:
neben ihrem Beruf hat sie einen großen Haushalt zu versorgen; wir brauchen neben (zusätzlich zu) Papier und Schere auch Leim; Neben diesem Stab ständiger Mitarbeiter gibt es Gruppen von Professoren, Gewerkschaftsführern, Geschäftsleuten und Privatpersonen, die … (Dönhoff, Ära 190).
© DUDEN – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 4. Aufl. Mannheim 2012

Tatsächlich ist der dpa-Satz keineswegs so klar formuliert, wie es einem mit dem Hintergrundwissen um die Besitzverhältnisse von Yahoo, Google und Facebook erscheinen mag. Die Präposition neben steht hier für »zugleich mit«, sie könnte aber ebenso für »außer« stehen. Machen wir die Gegenprobe:

»Google betreibt neben YouTube und Picasa eines der größten Anzeigensysteme im Internet.«

Käme man hier direkt auf die Idee, dass auch YouTube und Picasa große Anzeigensysteme betreiben? Sicher nicht, eher würde man doch annehmen, dass Google YouTube und Picasa betreibt – was ja auch der Fall ist. Tatsächlich lag der Fehler also nicht darin, dass der Merkur-Redakteur falsch gekürzt hat, sondern dass man offenbar einen ressortfremden Redakteur herangesetzt hatte. Einen, der von zwei möglichen Deutungen des dpa-Satzes aus Unwissenheit die sachlich falsche wählte.

Sicher also ein peinlicher Fehler seitens des Münchner Merkur. Aber ein ebenso peinlicher Fehler seitens des dpa-Dienstes, der hier die journalistische Grundregel missachtet hat, dass Formulierungen stets eindeutig sein sollten.

Julian von Heyl am 21.05.13 | Kommentare (4) | Visits: 5625

Rubrik Fehler und Stilblüten:

Rechtschreibfehler sind ärgerlich, natürlich. In vielen Fällen können sie aber auch sehr erheiternd sein. Auf unseren Streifzügen durchs Netz haben wir für Sie die schönsten Fehler und Stilblüten gesammelt. Viel Spaß bei der Lektüre.

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Kommentare

1  Thomas

Wenn der Merkur-Redakteur ressortfremd war, dann kürzte er doch "ohne besseres Wissen" (und nicht "wider besseres Wissen")?

Geschrieben von Thomas am 21.05.13 23:39

2  Julian von Heyl

Wo du recht hast, hast du recht. Gemeint war „aus Unwissenheit“; ich habe es korrigiert. Danke!

Geschrieben von Julian von Heyl am 22.05.13 00:06

3  Martin

Aus schweizerischer Sicht kommt noch eine Kuriosität dazu:

«Betreiben» steht für das Einleitung des Betreibungs- beziehungsweise Zwangsvollstreckungsverfahren. Wer jemanden betreibt, stellt ein Betreibungsbegehren, in dessen Folge ein Zahlungsbefehl zugestellt wird.

Geschrieben von Martin am 22.05.13 11:59

4  Susanne

Der Fehler besteht erst einmal darin, dass die dpa eine missverständliche Meldung fabriziert hat!

Geschrieben von Susanne am 22.05.13 19:22

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